Der Untersberg am Alpenrand ist ein besonderer Berg. Die einheimische Bevölkerung nennt ihn Wunderberg und der Dalai Lama bezeichnet ihn als "Herz-Chakra" Europas. Mehrere Sagen berichten von Zeitlöchern und Spiegelwelten in den weiten Höhlen des Berges.

Im Bermudadreieck im Atlantik lösen sich angeblich Flugzeuge und Schiffe auf unerklärliche Art in Luft auf. Aber auch anderswo verschwinden Menschen urplötzlich auf gruselige Weise: Der Untersberg in den Berchtesgadener Alpen verschluckt angeblich Menschen, manche sollen viele Jahre später ebenso unerwartet wieder auftauchen.

Viele Mythen erzählen davon, dass in der Gegend besondere Naturkräfte herrschen, und die Zeit anders tickt. Ein verschollener Jäger tauchte etwa angeblich ein Jahr später zu seinem eigenen Trauergottesdienst wieder auf.

Die kanadische Insel Oak Island birgt ein mysteriöses Geheimnis.

Einer Sage nach soll sich jedes Jahr pünktlich zum 15. August an einer geheimen Stelle des Berges ein Zeitloch öffnen. Es führt in eine Spiegelwelt, in der Kaiser Karl der Große über ein Volk aus Bauern, Rittern, Zwergen und Adligen herrscht.

Das Volk der "Untersbergler" taucht manchmal auch im Hier und Jetzt auf: In den 14 Kirchen des Untersbergs wurden sie schon nachts bei Gottesdiensten gesehen. Jedenfalls erzählt das die Legende eines Bauern. Er war bei der Christmette gewesen und war erstaunt, weil er niemanden erkannte. Kein Wunder: Die Gottesdienstbesucher stammten allesamt aus einer anderen Welt, es waren "Untersbergler".

Oder schläft Karl der Große gar seit 1.000 Jahren in einem unterirdischen Thronsaal, umringt von Rittern und Zwergen? Auch davon berichtet ein Mythos.

Eine Hochzeitsgesellschaft verschwindet spurlos

Eine andere gruselige Sage erzählt von einer ganzen Hochzeitsgesellschaft, die der Berg verschluckt haben soll. Auf dem Weg zum Fest mussten Brautpaar und Gäste über den Untersberg. In dieser Gegend würden einer Erzählung nach Geister Wanderer reich beschenken.

Also rief der Bräutigam nach den Gespenstern. Und tatsächlich: Der Berg öffnete sich und ein kleiner, grau gekleideter Mann lud die Gesellschaft ins Innere an eine gedeckte Tafel.

Experten bezeichnen diesen Ort als den gefährlichsten der Welt.

Dort feierte die Hochzeitsgesellschaft ausgelassen und schlief schließlich ein. Am nächsten Tag begleitete der Berggeist die Gäste wieder hinaus. Doch sie erkannten die Umgebung nicht wieder, auch die Menschen waren fremd. Sie suchten das nächste Dorf und baten den Pfarrer um Hilfe. Daraufhin forschte er in der Dorfchronik und fand heraus, dass 500 Jahre zuvor ein Brautpaar mit all seinen Gästen auf Nimmerwiedersehen verschwunden war.

Bergtouren der anderen Art

Auch Wanderer bringen mysteriöse Geschichten vom Untersberg mit nach Hause. So berichtete eine Frau von einer kuriosen Begegnung mit einer Gruppe von Bergsteigern in der Gegend. Sie lief mit Freunden einen schmalen Pfad entlang, als ihnen fünf Männer in altertümlicher Bergkleidung entgegenkamen.

Doch es war zu wenig Platz, als dass beide Gruppen aneinander vorbeilaufen konnten. Die Männer blieben aber nicht stehen und gaben keinen Ton von sich. Sie kamen näher und näher – bis sie sich plötzlich vor den Augen der Bergsteiger in Luft auflösten.

Von den angeblichen merkwürdigen Zeitphänomenen am Untersberg fasziniert ist auch der ortsansässige Autor Wolfgang Stadler. Unter dem Pseudonym Stan Wolf schreibt er Romane rund um den sagenumwobenen Berg. Aber seine Werke sind keineswegs reine Fiktion, erklärt er. Regelmäßig entschwindet er nach eigener Aussage am Berg in andere Zeitebenen.

Es gebe dort an mehreren Stellen "Zeitlöcher abseits der bekannten Pfade", sagte er in einem Interview. Dort will er eine Metalltür entdeckt haben, die tief hinein in den Berg führt – wo Menschen aus einer anderen Zeit leben.

Niemand wagt sich mehr in die Nähe, denn in der Tiefe lauert der Tod.

Lange verweilen könne er dort nie, gibt er außerdem an: "Denn dort vergeht die Zeit dreihundertmal langsamer als heraußen. Wenn ich etwas länger als einen Tag bleiben würde, wäre inzwischen ein ganzes Jahr vergangen."

Mythischer Ort für Esoteriker

Der Untersberg ist aber nicht nur ein Zeitloch, sondern ein mythischer Ort. Er wird auch "Berg des Lichts" genannt: An einem bestimmten Tag im Jahr soll sich eine Höhle um die Mittagszeit plötzlich erleuchten. Er gilt als Kraftort, der von vielen Menschen aufgesucht wird, um Ruhe, Inspiration und Trost zu finden.

Auch der Dalai Lama ist davon überzeugt: Bei seinem Besuch in Salzburg 1992 bezeichnete er den Berg als "Herz-Chakra" Europas. Das Herz-Chakra ist ein wichtiges Energiezentrum im menschlichen Körper.

Spirituelle Menschen messen dem Berg eine noch größere Bedeutung bei. Manche sind davon überzeugt, dass die Erde von einem Gitternetz umspannt ist. Es strahlt Energie aus und verbindet Kraftorte auf dem ganzen Planeten miteinander. Dazu gehören demnach Stonehenge in England, der Himalaya in Nepal und eben auch der Untersberg.

Das kann ihrer Meinung nach unheimliche Folgen haben: Als am 25. April 2015 die Erde in Nepal bebte, löste sich zeitgleich am Untersberg ein großer Felsbrocken und stürzte ins Tal. In der Folge verfärbte sich der Weißbach, der am Berg entspringt, tiefrot.

Esoteriker sahen darin einen blutenden Fluss – für sie ein Warnzeichen an die Menschheit. Doch Geologen erklärten das gefärbte Wasser damit, dass sich bei dem Felsabsturz rötliche Sedimente im Gestein gelöst hatten.

Die angeblich verschwundenen Wanderer

Doch was sagt die Wissenschaft zu den Phänomenen? Forscher sind sicher: Es gibt keine Zeitlöcher auf der Erde, die in andere Dimensionen führen. Und für das Verschwinden von Menschen am Untersberg sind keine Beweise bekannt.

Physiker erklärt, was nötig wäre, um eine Zeitmaschine zu bauen.

Manchmal haben die gruseligen Geschichten auch einen ganz diesseitigen Hintergrund: Im Sommer 1987 kehrten beispielsweise drei Menschen nicht von einer angekündigten Wandertour am Untersberg zurück. Waren das Ehepaar und eine Freundin in ein Zeitloch gefallen? Die drei wurden für tot erklärt – doch dann meldeten sie sich drei Monate später per Telefon.

Sie waren auf einem Schiff im Roten Meer unterwegs. Der Freiheitsdrang hatte sie gepackt, sie hatten alles hinter sich gelassen. Am Untersberg waren sie nie gewesen.