Der Weltklimarat hat einen alarmierenden Bericht zu Meeren und Eisflächen vorgestellt. Zudem warnte er eindringlich: Bis 2050 würden jährliche Wetterkatastrophen in Millionenstädten Realität. Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron zeigte sich angesichts der neuen Erkenntnisse "geschockt".

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Der Weltklimarat IPCC hat der Politik in seinem am Mittwoch in Monaco vorgestellten Report zur Eisschmelze und den Ozeanen ein verheerendes Zeugnis ausgestellt und zeichnet eine düstere Zukunft, wenn nicht schnell etwas unternommen wird.

Küstenstädte von Wetterextremen bedroht

So werde es zu häufigeren gefährlichen Wetterextremen in Millionenstädten kommen. Da sich der Anstieg der Meeresspiegel als Folge des Klimawandels beschleunige, würden "zahlreiche" große Küstenstädte wie auch kleine Inseln ab dem Jahr 2050 jährlich Wetterextreme wie etwa Überschwemmungen erleben, heißt es in dem Bericht zu den Ozeanen und weltweiten Schnee- und Eisflächen, den der IPCC am Mittwoch in Monaco vorstellte. Viele Regionen könnten damit auch völlig unbewohnbar werden.

Dies gelte selbst dann, wenn die gefährlichen Treibhausgasemissionen zurückgefahren würden, hieß es weiter. Auch die Heftigkeit von Zyklonen, Hurrikans und Taifunen werde zunehmen, so dass künftig Wirbelstürme der höchsten Kategorien 4 und 5 immer häufiger wüteten.

Meeresspiegel steigt deutlich schneller – nur Schutzanlagen können helfen

Die Meeresspiegel stiegen dem IPCC-Bericht zufolge seit Beginn des 21. Jahrhunderts zweieinhalb Mal so schnell – konkret um 3,6 Millimeter pro Jahr – wie im 20. Jahrhundert. Wegen des Abschmelzens der Eisschilde werde sich diese Entwicklung bis zum Jahr 2100 noch beschleunigen.

Wenn die internationale Gemeinschaft die Erderwärmung auf zwei Grad im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter begrenze, werde der Meeresspiegelanstieg bis zum Jahr 2300 einen Meter betragen. Wenn die klimaschädlichen CO2-Emissionen hingegen nicht zurückgefahren würden, drohe ein Anstieg um mehrere Meter.

Durch den Bau von Schutzanlagen könne die Überschwemmungsgefahr um das Hundert- bis Tausendfache verringert werden, führen die IPCC-Experten aus. Solche Maßnahmen würden allerdings "Dutzende bis hunderte Milliarden Dollar pro Jahr" verschlingen. Damit könnten zwar Städte wie New York oder Amsterdam geschützt werden, für Flussdeltaregionen und ländliche Regionen in Entwicklungsländern seien solche Schutzmaßnahmen aber schlicht unbezahlbar.

Auch Bergregionen stark von Klimawandel betroffen

In Bergregionen werden durch das Schmelzen der Gletscher und das Auftauen dort bestehender Permafrostböden Lawinen, Steinschläge oder Bergrutsche begünstigt. Sind die Gletscher schließlich ganz verschwunden, ist die Trinkwasserversorgung gefährdet.

"Die Ozeane, die Arktis, die Antarktis und die Hochgebirgsregionen scheinen für manche Menschen weit weg", betonte der Vorsitzende des Weltklimarates, Hoesung Lee. "Aber wir sind auf viele Arten abhängig von ihnen und werden von ihnen beeinflusst - direkt oder indirekt - sei es durch das Wetter und Klima oder bei Nahrung und Wasser, Energie, Handel, Verkehr, Erholung und Tourismus, Gesundheit und Wohlbefinden, Kultur und Identität."

Präsident Macron: "Wir sind absolut geschockt"

Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron äußerte sich angesichts der Ergebnisse des Berichts bereits am Dienstag vor den Vereinten Nationen in New York bestürzt. "Wir sind absolut geschockt von dem jüngsten Bericht des IPCC, es ist absolut verheerend - im Moment verlieren wir den Kampf", sagte er in seiner Rede bei der UN-Generaldebatte.

Anfang der Woche hatten mehr als 60 Länder in New York beim Klimagipfel zusätzliche Anstrengungen im Kampf gegen die gefährlich schnell zunehmende Erderwärmung versprochen. Die Aktivistin Greta Thunberg hatte die Staats- und Regierungschefs zuvor in einer emotionalen Wutrede beschuldigt, zu wenig zu tun.

Rund 130 Forscher aus 36 Ländern hatten zwei Jahre lang aktuelle Studien zu diesen Themen analysiert und die Auswirkungen des Klimawandels auf Küsten und Inseln, Mensch und Natur in einem Report für politische Entscheidungsträger zusammengefasst. Über die Formulierungen dieses Berichts hatten Delegierte der 195 IPCC-Mitgliedstaaten in Monaco mehrere Tage lang bei der Konferenz des Weltklimarates debattiert und abgestimmt.(mgb/afp/dpa)

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