• Herzmuskelentzündungen sind eine bekannte mögliche Folge einer COVID-Erkrankung.
  • Betroffene müssen sich unbedingt schonen, um Folgeschäden zu vermeiden.

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Wochenlang muss er derzeit aussetzen, doch Alphonso Davies hatte noch Glück im Unglück. "Es ist der Best-Case eingetreten, was den Heilungsverlauf anbelangt", sagte Julian Nagelsmann, sein Trainer beim FC Bayern, am Samstag.

Bei dem 21 Jahre alten Verteidiger waren Mitte Januar nach einer COVID-Infektion Anzeichen einer Herzmuskelentzündung festgestellt worden. "Es dauert noch ein bisschen. Die gefährlichen Marker des Herzens haben sich aber nahezu verabschiedet", fasste Nagelsmann zusammen.

Der Fall Davies hatte erneut die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf die besorgniserregende mögliche Corona-Folge Herzmuskelentzündung gerichtet. Seine Mannschaftskollegen betonten in der Öffentlichkeit, das Thema dürfe man nicht unterschätzen.

Es sei nicht damit zu spaßen, meinte Thomas Müller: "Ich kann mir vorstellen, das merkt man gar nicht so sehr in Ruhe. Er muss sich jetzt auf jeden Fall schonen." Auch Manuel Neuer mahnte zur Vorsicht: "Das ist natürlich gefährlich. Gerade deswegen kann ich jedem Sportler nur empfehlen, erstmal die Untersuchungen zu machen, bevor man startet."

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Was steckt genau hinter der Erkrankung, was bedeutet sie für Sportler und was sagen Experten? Der Fachbegriff für Herzmuskelentzündung lautet Myokarditis. Häufig sind Viren der Auslöser, auch SARS-CoV-2-Viren können zu einer Myokarditis führen wie im Fall von Davies.

Ungeimpfte haben ein höheres Risiko für eine Myokarditis

SARS-CoV-2 greift nicht nur die Lunge an, sondern kann auch andere Organe schädigen wie das Herz. Vor allem bei Patientinnen und Patienten mit schwerem Verlauf erhöht sich das Risiko für gesundheitliche Folgeschäden.

"Eine Myokarditis kann Rhythmusstörungen oder Vorhofflimmern mit sich bringen, bei stärkerem Befall auch eine Herzinsuffizienz, bei der eine künstliche Beatmung nötig sein kann. Das betrifft besonders Ungeimpfte," erklärt Herbert Löllgen. Er ist Facharzt für Innere Medizin, Kardiologe und Sportmediziner.

Ungeimpfte haben nach Aussage von Experten nach einer Corona-Erkrankung generell ein höheres Risiko etwa für Herzrhythmusstörungen und Herzinfarkt sowie Lungenembolien und Nierenschäden. Ein sehr geringes Risiko, eine Herzmuskelentzündung zu entwickeln, besteht zwar auch nach einer Impfung mit einem mRNA-Impfstoff. Es betrifft aber nur knapp 5 von 100.000 Geimpften.

Symptome treten bei Betroffenen meist wenige Tage nach der Impfung auf, meist nach der zweiten Dosis. Der Verlauf wird in der Regel als mild beschrieben. Daten zeigen zudem: Das Risiko einer Herzschädigung nach einer SARS-CoV-2-Infektion ist deutlich größer als nach einer Schutzimpfung mit einem der mRNA-Impfstoffe. Das gilt für alle Altersgruppen.

Herzmuskelentzündung: Diese Symptome sind Alarmzeichen

Was problematisch ist: Ein klassisches Leitsymptomfür eine Myokarditis gibt es nicht. Die Symptome einer COVID-19-Infektion und die einer Herzmuskelentzündung ähneln einander.

Das erschwert eine frühzeitige Diagnose, ob bei einer Corona-Infektion eine mögliche begleitende Myokarditis vorliegt - vor allem bei milden Verläufen. Da Herzmuskelentzündungen in der Regel mit Infektionen einhergehen, werden erste Anzeichen häufig als Beschwerden der Infektion fehlgedeutet.

Gerade für junge Sportlerinnen und Sportler sind die Folgen mitunter fatal: Eine Myokarditis zählt zu den Hauptursachen eines plötzlichen Herztods beim Sport bei Athleten unter 35 Jahren.

Grundsätzlich müsse man zwischen einer Myokarditis nach einer Corona-Infektion und nach der Impfung unterscheiden, sagt Löllgen: "Nach der Impfung mit einem mRNA-Impfstoff können allgemeine Schwäche, Luftnot bei Anstrengung, Fieber und Brustschmerzen auf eine Herzmuskelentzündung deuten. Oft fallen die Symptome auch nur gering aus." Eine MRT-Untersuchung des Herzens zeige am zuverlässigsten, ob das Gewebe befallen ist.

"Tritt eine Myokarditis im Rahmen einer Corona-Infektion auf, sind die Symptome in der Regel deutlich stärker. Luftnot, deutliches Fieber, starker Krankheitszustand, Brustschmerzen, Herzrasen oder Husten sind dann typisch." Bei bekannter oder nach abgeklungener Corona-Infektion sollte man bei diesen Anzeichen sofort einen Arzt aufsuchen, da gerade im Frühstadium auch eine medikamentöse Therapie möglich sei, rät er.

Risiko gilt für alle Altersklassen - doch es gibt Risikofaktoren

Wie hoch das Risiko einer Herzmuskelentzündung für den Einzelnen ist, lässt sich noch nicht abschließend darstellen. Studien aus verschiedenen Ländern kommen zu unterschiedlichen Ergebnissen.

In jedem Fall besteht das Risiko nach oder während einer SARS-CoV-2-Infektion in allen Altersklassen. Laut Löllgen gilt das vor allem für Personen, auf die einer der folgenden Risikofaktoren zutrifft:

  • Diabetes
  • Übergewicht
  • Bluthochdruck
  • Asthma
  • chronische Herzkrankheiten
  • geschwächtes Immunsystem
  • Raucher

Da sich auch immer mehr junge Menschen mit SARS-CoV-2 infizieren, wurden auch immer mehr Fälle von Herzmuskelentzündungen bei jungen männlichen Sportlern (15 bis 30 Jahre) bekannt.

"Ein, wenn auch kleines, Risiko besteht nach stärkeren sportlichen Anstrengungen. Hier gibt es ein sogenanntes 'Open Window'", erläutert der Sportmediziner und Kardiologe. "Das bedeutet, dass nach einer längeren Anstrengung, beispielsweise nach einem Marathonlauf, die Immunabwehr für die nächsten zwei bis vier Tage kurzzeitig abgeschwächt ist. Zu dieser Zeit könnten sich Erreger leichter einnisten. Das gibt sich aber nach den paar Tagen wieder. Insgesamt haben Sportler eine deutlich bessere Immunabwehr als Nichtsportler."

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Therapie und Dauer der Sportpause bei Herzmuskelentzündung

Die Behandlung hängt von der Schwere und dem Verlauf der Myokarditis ab sowie davon, ob sie nach einer Infektion oder nach einer Impfung aufgetreten ist. "Asymptomatische Erkrankungen, wie sie nach mRNA-Impfungen bekannt wurden, erfordern in der Regel keine Therapie und heilen über mehrere Wochen von alleine", erläutert der Professor.

Dennoch seien eine Sportpause und körperliche Schonung wichtig. "Kommt es zu einem schweren Myokarditis-Verlauf, beispielsweise nach einer schweren COVID-19-Infektion, kann die Pumpfunktion des Herzens mit Medikamenten stabilisiert und die entzündlichen Prozesse im Körper eingedämmt werden. Gerade hier muss man auch nach Heilung mit einer langen Sportpause rechnen", sagt Löllgen. Zusätzlich könne eine Rehabilitation in einer Spezialklinik nötig sein, besonders wenn bereits ein Long-COVID-Syndrom vorliegt.

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So gelingt der Wiedereinstieg ins Sport-Programm

Die Deutsche Gesellschaft für Sportmedizin empfiehlt grundsätzlich allen Patientinnen und Patienten über 35 Jahre, einen Gesundheitstest bei einem Arzt durchführen zu lassen, bevor sie wieder mit Sport beginnen. Egal ob Profi- oder Freizeitsportler: Eine wichtige Rolle spielt die Art des Verlaufs und ob sich Folgen nach der Erkrankung zeigten.

Je nachdem sollte eine Ruhephasen von mehreren Wochen mit anschließender ärztlicher Überwachung eingelegt oder sogar noch sechs Monate bis zur Wiederaufnahme von Sport gewartet werden.

Auch wenn eine COVID-19-Erkrankung mild oder symptomfrei war, sollte man das Training nicht zu früh wieder aufnehmen. Ähnlich wie bei anderen Infekten, beispielsweise einer Grippe, müssen sich Betroffene gründlich auskurieren. Mediziner raten bei symptomfreiem Corona-Verlauf zu einer Trainingspause von mindestens 14 Tagen, bei mildem Verlauf sollte vier Wochen lang kein Sport getrieben werden.

Nach einer ausgeheilten Myokarditis, wenn die Blutwerte wieder normal sind und tatsächlich kein Erguss mehr vorliegt, kann der Wiedereinstieg in den Sport langsam erfolgen. Im Verlauf von mehreren Wochen darf man ihn unter ärztlicher Beobachtung intensivieren.

Auch direkt nach einer Impfung sollte man sich körperlich nicht zu sehr fordern, rät Löllgen: "Wir empfehlen, sich ein bis zwei Tage nach der Impfung zu schonen, wenn Symptome vorliegen. Diese wurden nach der AstraZeneca-Impfung öfter beobachtet, selten bei mRNA-Impfungen. Dann sollte man eine Sportpause bis zum Abklingen einlegen und nach zwei weiteren Tagen kann man wieder langsam mit körperlicher Aktivität beginnen."

Über den Experten: Prof. Dr. med. Herbert Löllgen ist Facharzt für Innere Medizin, Kardiologe und Sportmediziner. Er war von 1986 bis 2008 als Chefarzt am Klinikum Remscheid tätig, bevor er in Ruhestand ging. Bereits Anfang der 70er-Jahre betreute Löllgen Leistungssportler sportmedizinisch und arbeitet seit 1976 als Gutachter und kardiologischer Berater für die Deutsche Luft- und Raumfahrt. Löllgen ist Ehrenpräsident der Deutschen Gesellschaft für Sportmedizin, Autor zahlreicher wissenschaftlicher Fachartikel und weltweit als Sprecher auf wissenschaftlichen Fachkongressen unterwegs. Seine Schwerpunkte liegen in der Luft- und Raumfahrtmedizin, Sportmedizin, sowie der Kardiologie.

Verwendete Quellen:

  • Science Direct: The American Journal of Emergency Medicine 51 –
  • COVID-19 associated myocarditis: A systematic review
  • Oxford Academic: European Society of Cardiology guidance for the diagnosis and management of cardiovascular disease during the COVID-19 pandemic: part 1—epidemiology, pathophysiology, and diagnosis
  • BMJ Journals: Recommendations for return to sport during the SARS-CoV-2 pandemic
  • BMJ Journals: Infographic. Clinical recommendations for return to play during the COVID-19 pandemic
  • Deutsche Zeitschrift für Sportmedizin: Positionspapier „Return to Sport" während der aktuellen Coronavirus-Pandemie (SARS-CoV-2 / COVID-19)
  • Deutsche Herzstiftung: Herzmuskelentzündung: Was bei COVID-19 bekannt ist
  • Deutsche Herzstiftung: Behandlung der Herzmuskelentzündung
  • Klinikum rechts der Isar, Technische Universität München: Sport nach COVID-19
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