Die Fridays-for-Future-Bewegung setzt das Thema Klimaschutz mit Nachdruck auf die öffentliche Agenda. Die jungen Klimaaktivisten um Greta Thunberg ernten viel Zuspruch – aber auch Hass und Hetze im Internet.

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"Dieser Planet wird heißer als der junge Leonardo DiCaprio" oder "Das Klima ist aussichtsloser als mein Mathe-Abi": Friedlich und mit bunten Plakaten gehen 2019 – nicht nur in Deutschland – mehr und mehr junge Leute auf die Straße, um sich für Klimaschutz einzusetzen. Während bereits im Dezember 2018 einzelne kleine Demonstrationen in wenigen Städten stattgefunden haben, protestieren nach Angaben der Veranstalter am 18. Januar etwa 25.000 Menschen an 50 Orten bundesweit. Die Bewegung "Fridays for Future" (FFF) ist geboren. Aktivisten vernetzen sich übers Internet, organisieren sich über Messengerdienste oder die sozialen Netzwerke. Bis Mitte Februar 2019 haben sich 155 Ortsgruppen deutschlandweit gebildet, in der zweiten Jahreshälfte schon mehr als 600. Beim dritten globalen Klimastreik am 20. September gehen FFF zufolge allein in Deutschland 1,4 Millionen Menschen auf die Straße.

Debatten ums Schule schwänzen

In nur kurzer Zeit gelingt es der Bewegung, den Klimaschutz auf die öffentliche Agenda zu setzen: Im Mai nennen Wähler ihn als wichtigstes Thema, dann feiern die Grünen bei der Europawahl mit 20,5 Prozent in Deutschland einen für die Partei beachtlichen Wahlerfolg. Bundeskanzlerin Angela Merkel lobt, "dass die Jugend uns Dampf macht". Allerdings geht es in den Wochen zuvor in den Debatten um die streikenden Schüler seltener um Inhalte als ums Schwänzen: um Fehlstunden an Freitagen, Entschuldigungsschreiben, mögliche Konsequenzen. In Mannheim sollen im Sommer vier Familien 88,50 Euro zahlen: Ihre Kinder haben in jeweils zwei Schulstunden am Freitag unentschuldigt gefehlt. Nachdem bundesweit Medien darüber berichten, hebt die Stadtverwaltung die Bußgeldbescheide auf.

Attacken in den sozialen Netzwerken

Prominente unterstützen das Engagement der Bewegung, Teile der Gesellschaft solidarisieren sich mit ihr – und sie bekommt Rückenwind aus der Wissenschaft: Unter dem Titel "Scientists for Future" unterstützen inzwischen fast 27.000 Wissenschaftler die Bewegung. Sie schreiben: "Die Anliegen sind berechtigt und gut begründet." Doch die Klimaaktivisten haben auch viele Kritiker. Der FDP-Vorsitzende Christian Lindner etwa twittert im März, Klimaschutz sei eine Sache für Profis. Häufiger Kritikpunkt ist, dass die jungen Leute selbst einen klimabelastenden Lebensstil pflegten. CSU-Bundestagsabgeordneter Stefan Müller wirft dem deutschen Gesicht der Bewegung, Luisa Neubauer, ebenfalls über Twitter Doppelmoral vor: "Regierung und Politiker für angeblich fehlendes Engagement beim Klimaschutz attackieren, aber mit 23 mehr Kontinente bereist haben als die meisten Deutschen."

Gegenbewegung "Fridays for Hubraum"

Andere Kritiker wundern sich über das junge Alter der Aktivisten, unterstellen ihnen sogar, "von außen gelenkt" zu sein. Selbst Bundeskanzlerin Angela Merkel, die FFF generell eher wohlgesonnen ist, sagt im Januar, es sei schwer vorstellbar, dass eine von so jungen Leuten getragene Bewegung aus eigener Kraft handle. Dass viele Bürger sich nicht von Schülern vorschreiben lassen wollen, wie sie zu leben haben, zeigt sich unter anderem in der Facebook-Gruppe "Fridays for Hubraum": Der Besitzer einer Autowerkstatt ist genervt vom Fridays-for-Future-Hype in den sozialen Netzwerken und gründet spontan die Gruppe, in der Leute Bilder ihrer Autos posten sollten. Nach nur wenigen Tagen hat sie bereits 400.000 Mitglieder – und wird zum Raum für Hetzereien und Hasskommentare gegen Klimaaktivisten.

Ikone und Hassfigur: Greta Thunberg

Oft geht es dann um Greta Thunberg. Für die einen ist die 16-jährige Initiatorin der Schülerstreiks eine Ikone, für die anderen Hassfigur: Im August 2018 hatte die Schwedin mit ihrem "Schulstreik für das Klima" vor dem schwedischen Parlament erste Aufmerksamkeit erregt. Inzwischen ist sie weltbekannt. Thunberg spricht 2019 regelmäßig auf internationalen Konferenzen, zum Beispiel im Januar beim Weltwirtschaftsgipfel in Davos. Zur Klimawoche der Vereinten Nationen in New York reist sie über den Atlantik im Segelboot an. Dort findet sie im September vor den Staats- und Regierungschefs deutliche Worte: "Wie könnt ihr es wagen, weiterhin wegzuschauen und hierherkommen und weiter zu sagen, ihr würdet genug tun?"

Sie eckt an mit ihren Vorwürfen und Forderungen. Doch es sind nicht immer Inhalte, über die ihre Kritiker sprechen. Greta Thunberg wird im Netz wegen ihres Aussehens oder wegen ihres Asperger-Syndroms beleidigt, es kursieren Vergewaltigungsphantasien und Todeswünsche. In Rom hängen Unbekannte im Oktober eine Greta-Puppe an einer Brücke auf. Doch die Jugendliche ist nicht nur das Ziel anonymer Internethetzer. US-Präsident und bekennender Klimawandelskeptiker Donald Trump etwa attackiert die 16-Jährige regelmäßig über Twitter – und ist damit nur einer von vielen prominenten Kritikern.

Auszeichnung als "Person des Jahres"

Doch Greta Thunberg bekommt auch viel Rückenwind: 2019 gilt sie sogar als heiße Anwärterin auf den Friedensnobelpreis. Am Ende geht sie leer aus. Doch die junge Aktivistin bekommt zahlreiche andere Auszeichnungen, darunter den Alternativen Nobelpreis. Das US-Magazin "Time" kürt Greta Thunberg im Dezember zur "Person des Jahres 2019" – damit steht sie in einer Reihe mit Angela Merkel, die den Titel 2015 bekommen hat. "Thunberg ist die überzeugendste Stimme zur wichtigsten Angelegenheit unseres Planeten geworden", schreibt das Magazin. Es sei ihr gelungen, "Sorgen über den Planeten in eine weltweite Bewegung zu verwandeln, die einen globalen Wandel verlangt".

Quellen:

  • Webseite der Bewegung Fridays for Future in Deutschland
  • Webseite der Scientists for Future
  • Studie des Instituts für Protest- und Bewegungsforschung zu FFF
  • Öko-Test-Magazin 6/2019: Fridays for Future: Jetzt erst Recht!
  • Mannheimer Morgen: Mannheim: Stadt hebt Bußgelder gegen "Fridays for Future"-Teilnehmer wieder auf
  • Twitter-Profil des FDP-Chefs Christian Lindner
  • Twitter-Profil des CSU-Abgeordneten Stefan Müller
  • Time 2019 – Person of the Year

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