Jürgen Todenhöfer wagt eine Reise in den Islamischen Staat. Im Dezember kommt er wohlbehalten zurück. Angesichts der Tatsache, dass der IS westliche Journalisten hinrichtet, keine Selbstverständlichkeit. Peu à peu gibt der Ex-Politiker nun exklusive Informationen über das im "Kalifat" Erlebte preis. Sein neuester Scoop: ein Interview mit dem deutschen Dschihadisten Abu Qatadah (Christian Emde), der in Fundamentalisten-Manier die Gewalt der Terroristen-Miliz verherrlicht.

Auf seiner Facebook-Seite hat Jürgen Todenhöfer am Mittwoch ein neues Video über den Islamischen Staat (IS) veröffentlicht. Es zeigt den Publizisten im Gespräch mit dem deutschen Dschihadisten Christian Emde aus der Solinger Extremisten-Szene. Heute nennt sich der IS-Anhänger, der nach Syrien ausgewandert ist, Abu Qatadah.

Entstanden ist das Interview im Dezember in Mossul. Darin erklärt sich Emde ganz in Tradition eines Fundamentalisten. Er wolle schließlich seine Religionsfreiheit frei ausüben, begründet er seinen Anschluss an den IS. In Deutschland sei das seiner Auffassung nach nicht möglich. Die Bundesrepublik erkenne etwa das Schlachten von Tieren und die islamische Heirat nicht an. "Und somit ist jeder Moslem diskriminiert – nicht nur ich selber", erzählt der 30-Jährige.

Publizist Jürgen Todenhöfer konnte zum IS reisen - und erfuhr Schreckliches.

Ein Ziel des IS sei, die Sharia einzuführen. Dabei spricht der IS-Anhänger bereits von Erfolgen in Ägypten und dem Jemen. Die Expansion des IS werde niemand stoppen. "Wir werden eines Tages Europa erobern", kündigt Emde an. Was dann passieren soll, darauf hat der Dschihadist eine Antwort: Christen und Juden könnten konvertieren und ein Schutzgeld zahlen. Dafür bekämen sie Schutz – auch in der Ausübung ihrer Religion. Wer sich dem nicht beugt, müsse allerdings mit dem Tod oder Vertreibung rechnen.

Verstörende Hitler-Theorie

Angesprochen auf die Schiiten droht der bärtige, untersetzte Mann mit dem Tod von Millionen. "Für die Schiiten gibt es keine Schutzsteuern sondern nur den Islam. Wer nicht konvertiert, stirbt. "Ob 100 Millionen, 150 Millionen oder 500 Millionen – uns ist die Anzahl egal", sagt Emde mit einem flüchtigen Ansatz von einem Lächeln im Gesicht. Wer auf seinem Irrweg beharre, müsse mit dem Schwert rechnen. Das sei das Urteil des Islams. "Jeder Abtrünnige wird getötet."

Alle Länder, die gegen den Islamischen Staat kämpfen, seien Länder des Krieges. Die müssten damit rechnen, dass auch dort gekämpft wird. Emde zieht dabei einen kruden historischen Vergleich: "Hitler hat den Kampf in die Sowjetunion getragen. Danach hat die Sowjetunion den Kampf nach Deutschland getragen. Das ist etwas ganz Normales", schwafelt der 30-Jährige. Im Hintergrund schwerbewaffnete, maskierte IS-Kämpfer.

"Der deutsche Staat bekämpft ja uns, denn er hat Waffenlieferungen an die Peschmerga gemacht. Und er bekämpft den Islam schon seit sehr, sehr langer Zeit. Deswegen müssen sie sich drauf gefasst machen – definitiv!"

Nach seiner Reise in das Gebiet des Islamischen Staates (IS) veröffentlicht Jürgen Todenhöfer auf seiner Facebook-Seite weitere brisante Informationen. Für seine Recherche-Arbeit vor Ort bekommt er nicht nur positive Reaktionen.

Vom Sieg des Islamischen Staates überzeugt

Emde scheint sich in seiner Rolle als Terrorist und Interviewpartner gut zu gefallen. Mehr ums ein oder andere Mal lacht er süffisant auf Fragen Todenhöfers. Von dem Sieg seines IS ist er überzeugt: "Wir gewinnen durch die Furcht im Herzen unserer Feinde."

Das Töten von Menschen gehöre dazu. "Wir werden weiter Menschen köpfen", ereifert sich Emde. Für die Tötungen der westlichen Journalisten macht er die "ignoranten" westlichen Regierungen verantwortlich. Besonders fortschrittlich erachtet Emde die Sklaverei, die der IS wieder eingeführt hat. "Eine Sklaverei hat es immer gegeben. (…) Im Westen gibt es immer noch Sklaverei. Da gibt es Prostitution mit Frauen, die dazu gezwungen werden. (…) Und die Sklaverei im Islam hat Rechte – ja, ne ", führt der deutsche Dschihadist weiter aus.

"Das ist ein Überzeugungstäter, der glaubt, eine historische Mission zu erfüllen", erklärt Jürgen Todenhöfer in der Mittwochnacht ausgestrahlten RTL-Sendung zu seinem Interview. Und auf seiner Facebook-Seite schreibt der Ex-Politiker: "Für mich hat das, was Abu Qatadah vertritt, nichts mit dem barmherzigen Islam zu tun, den 99,9 Prozent unserer muslimischen Mitbürger vertreten."

Christian Emde alias Abu Qatadah ist ein islamischer Extremist aus dem Umfeld der mittlerweile geschlossenen Millatu Ibrahim Moschee in Solingen. Zuvor war der 30-Jährige Protestant, wie Todenhöfer im Interview anmerkt. Der Konvertit war vor vier Jahren in London festgenommen worden, nachdem sich in seinem Gepäck Bombenbauanleitungen gefunden hatten, berichtet "Der Westen" online. Er wurde daraufhin zu 16 Monaten Haft verurteilt. Nach seiner Abschiebung nach Deutschland machte sich Emde auf nach Syrien, um sich dem IS anzuschließen.

Der deutsche Journalist Jürgen Todenhöfer zieht nach seinem Besuch beim "Islamischen Staat" eine brisante Bilanz. Nach zehn Tagen in Syrien ist er der Ansicht, der Westen unterschätze die Gefahr dramatisch.