Der mächtigste Mann hinter Donald Trump heißt Stephen Bannon. Der 63-Jährige versorgt den US-Präsidenten mit einem klaren Weltbild – und räumt Zweifel aus, wenn andere Zurückhaltung anmahnen. In den USA macht bereits der Begriff von "President Bannon" die Runde.

In einem Punkt ist Stephen Bannon völlig anders als sein Chef: Er twittert nicht mehr. Zwar hat der Chefstratege im Weißen Haus einen eigenen Account beim Kurznachrichtendienst, doch der letzte Tweet stammt aus dem August 2014.

Auch Interviews gibt der frühere Medienmacher eher selten. Doch seine Botschaften direkt in die Welt zu tragen, hat Bannon auch nicht mehr nötig. Für ihn spricht seit Wochen offenbar Donald Trump.

Was der amerikanische Präsident macht oder sagt, komme von Bannon, darüber sind sich viele Beobachter einig. Der zynische Begriff "President Bannon" macht schon länger die Runde. Er soll zum Ausdruck bringen, wer im Weißen Haus tatsächlich das Sagen hat.

Im Gegensatz zum Original hat "President Bannon" sogar einen eigenen Twitter-Account dem über 21.000 Menschen folgen und der mit "Der wahre 45. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika" untertitelt ist.

Die New York Times führt die wichtigsten Dekrete der neuen US-Regierung – den Mauerbau an der Grenze zu Mexiko, den versuchten Einreisestopp für Muslime und die Kehrtwende in der Handelspolitik – auf den Einfluss Bannons zurück.

Hinter Trumps aggressiver Antrittsrede soll der 63-Jährige ebenfalls stecken. Und auch den Besuch der französischen Rechtsextremistin Marine Le Pen im Trump Tower soll er eingefädelt haben.

Die Süddeutsche Zeitung schreibt sogar: "Donald Trump hält momentan keine wichtige Sitzung ab, er führt kein bedeutendes Telefonat, er trifft keine Entscheidung, ohne dass Stephen Bannon anwesend ist oder gefragt wurde."

Bannon hat in sich stimmige Argumente

Thomas Jäger, Professor für Politikwissenschaft an der Universität Köln, drückt sich bei dem Thema vorsichtiger aus, aber auch er sagt: "Es gibt Indizien, die dafür sprechen, dass der Einfluss von Bannon auf Trump ausgesprochen groß ist."

Treffen von Trump und Trudeau amüsiert das Netz köstlich.

Bannons Vorteil: In einem Beraterstab, in dem längst nicht alle der gleichen Meinung sind, ist er derjenige mit deutlichen und zueinander passenden Standpunkten. "Anders als zum Beispiel Stabschef Reince Priebus besitzt Bannon selbst ein sehr klares ideologisches Weltbild", erklärt USA-Experte Jäger, "er kann deswegen auch konsistent argumentieren."

Wie sieht dieses Weltbild aus? Ganz gut wird es wohl von Trumps Motto "America First" zusammengefasst, zumindest wenn es um den Teil Amerikas geht, für den Bannon sich einsetzt. Er soll dem Alt-Right-Movement nahestehen – einer Bewegung weißer Amerikaner, die Stimmung gegen Minderheiten macht.

Bannon will das Sprachrohr der Abgehängten sein. Dabei kommt ihm zugute, dass in den alten Industriegegenden der USA die Ansicht verbreitet ist, die Politik in Washington würde sich nicht mehr für ihre Belange einsetzen.

"Ich möchte alles zum Einsturz bringen"

Gegen die politische Elite trommelt Bannon am lautesten – und er wählt dafür zweifelhafte Vorbilder. Er sei ein Leninist, sagte er dem Online-Magazin "The Daily Beast": "Lenin wollte den Staat zerstören, und das ist auch mein Ziel. Ich möchte alles zum Einsturz bringen und das Establishment zerstören."

Die Wut auf die Elite ist vor dem Hintergrund von seinem eigenen Lebenslauf durchaus erstaunlich. Stephen Kevin Bannon wuchs zwar in einfachen Verhältnissen im Bundesstaat Virginia auf, seine Eltern sollen die Demokraten gewählt haben. Danach machte er aber eine typische Establishment-Karriere:

Er diente in der Navy und arbeitete eine Zeit lang im Verteidigungsministerium, später studierte er an der Harvard Business School Betriebswirtschaft und wurde als Investmentbanker an der Wall Street reich.

Danach widmete sich Bannon dem Drehen und Produzieren von Dokumentarfilmen und übernahm 2012 schließlich die rechtspopulistische Internetseite Breitbart News.

Sie gilt als Plattform der Alt-Right-Bewegung und schreckt auch vor falschen Nachrichten nicht zurück: Zum Jahresbeginn behauptete sie zum Beispiel fälschlicherweise, in Dortmund hätte ein Mob von rund 1.000 Migranten eine Kirche in Brand gesteckt.

Tillerson ist neuer US-Außenminister. Für viele ist er kaum einzuschätzen.

Trump scheint seinen Einflüsterer trotzdem zu schätzen. Wohl auch weil der ihn bestärkt, seinen Willen durchzusetzen. "Im Weißen Haus sitzen Menschen, von denen manche die eher trägen Prozesse der Politik-Umsetzung nicht sehen", erklärt Thomas Jäger. "Bannon ist jemand, der mit so einer Sicht an die Dinge herangeht. Bei Trump kommt es gut an, wenn er sagt: Wir machen das einfach!"

Noch unklar ist, wie sich der Chefstratege mit dem Rest von Trumps Umfeld versteht – zum Beispiel mit Jared Kushner, Trumps Schwiegersohn, der in seinem Beraterstab als eher gemäßigte Stimme gilt. Kushner ist Jude, Trumps Tochter Ivanka ist ebenfalls zum Judentum konvertiert. Bannon wiederum wurde auch schon Antisemitismus nachgesagt – ein Vorwurf, den er allerdings vehement bestreitet.

Mehr Einfluss als frühere Präsidentenberater

Ein Chefstratege mit großem Einfluss im Weißen Haus ist nichts Neues. Auch die Berater von George W. Bush und Barack Obama in diesen Positionen – Karl Rove und David Axelrod – konnten sich sicher sein, das Ohr des Präsidenten zu haben. Stephen Bannon aber geht noch eine Stufe weiter.

Ihm hat Trump auch einen Sitz im Nationalen Sicherheitsrat eingeräumt, wo alle wichtigen und heiklen Fragen in der Sicherheitspolitik beraten und entschieden werden. "Es ist erstaunlich, dass die Joint Chiefs of Staff und die Geheimdienste dort nun nicht mehr am Tisch sitzen, dafür aber Bannon. Damit hat er enorm an Einfluss hinzugewonnen", sagt Thomas Jäger.

Beunruhigend ist dieser Posten vor allem vor dem Hintergrund von Bannons Geschichtsbild. Er glaubt, dass die amerikanische Geschichte in Abständen von 80 Jahren große Krisen durchmacht, die in einem Krieg oder ähnlichen Umbruch enden. Nach dem Bürgerkrieg in den 1860er Jahren und dem Zweiten Weltkrieg würde demzufolge im kommenden Jahrzehnt wieder so ein Umbruch anstehen.

Und einen Kriegsschauplatz und -gegner hat Bannon auch schon ausgemacht: Im März 2016 sagte er auf Breitbart News, die USA würden in den nächsten zehn Jahren einen Krieg gegen China führen. "Daran besteht kein Zweifel." Diese Sicht der Dinge hat mit ihm nun auch in das wichtigste Sicherheitsgremium der Weltmacht USA Einzug gehalten.