Auch wenn so manche Schlagzeile etwas anderes vermuten lässt: Die Deutschen sind gegenüber Zuwanderern mehrheitlich positiv eingestellt. Das ist das Ergebnis des aktuellen "Integrationsbarometers".

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Wie läuft die Integration? Gar nicht so schlecht, findet die Mehrheit der Menschen, die in Deutschland leben. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie.

Die Stimmung sei zwar nicht mehr ganz so gut wie vor Beginn der Flüchtlingskrise im Jahr 2015, sie habe sich aber deutlich weniger verschlechtert, "als die öffentliche Debatte erwarten ließ". Das teilte der Sachverständigenrat deutscher Stiftungen für Integration und Migration (SVR) mit.

Der Rat stellte am Montag sein "Integrationsbarometer 2018" vor, der auf den Antworten einer repräsentativen Umfrage basiert.

Dabei gibt es Unterschiede: Spätaussiedler, Männer, und Menschen, die im Osten leben, sind eher skeptisch.

Frauen, Westdeutsche, Türkeistämmige und Zuwanderer aus anderen Nicht-EU-Staaten nehmen das Zusammenleben von Menschen aus verschiedenen Kulturen dagegen heute weniger konfliktträchtig wahr als im Jahr 2015.

Positive Erfahrungen dort, wo es Kontakt gibt

Die Studie zeige, dass das Zusammenleben vor allem da als positiv empfunden werde, wo es direkte Kontakte zwischen Deutschen und Migranten gebe, sagte die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Annette Widmann-Mauz (CDU).

Deshalb sei es wichtig, mehr Gelegenheiten und Orte für Begegnung zu schaffen. "Schulen sind ja geradezu Kompetenzzentren für Integration", betonte sie.

Sie will interkultureller Kompetenz daher in der Lehrerausbildung mehr Gewicht geben. Die Vielfalt der Gesellschaft müsse sich auch im Lehrerkollegium widerspiegeln.

Die wichtigsten Ergebnisse des Integrationsbarometers 2018 im Überblick

Integration allgemein

Die Befragten sollten das "Integrationsklima" auf einer Skala von 0 (sehr negativ) bis 100 (sehr positiv) einschätzen. Deutsche ohne Migrationshintergrund beurteilten das Klima eher positiv (63,8).

Im Vergleich zu der Befragung von 2015 hat sich die Stimmung leicht eingetrübt. Damals erreichte diese Gruppe einen Wert von 65,4.

Ähnlich sieht es bei den hierzulande lebenden EU-Ausländern aus. Ihr Wert sank von 71,4 auf 68,9. Aussiedler und Menschen mit türkischen Wurzeln haben dagegen eine leichte Verbesserung wahrgenommen.

Dass der Anteil der Integrationsskeptiker im Osten deutlich höher ist als im Westen, lässt sich laut Untersuchung teilweise, aber nicht vollständig dadurch erklären, dass die Menschen auf dem Gebiet der Ex-DDR im Schnitt weniger direkten Kontakt zu Migranten haben.

Gefühlte Kriminalität

Etwa sieben von zehn Menschen in Deutschland glauben nicht, dass die Kriminalität durch die Zuwanderung der vergangenen Jahrzehnte gestiegen sei.

Anders sieht es aus, wenn ausschließlich nach Flüchtlingen gefragt wird: 17 Prozent der Deutschen ohne Migrationshintergrund stimmen dem Satz "Die aufgenommenen Flüchtlinge erhöhen die Kriminalität in Deutschland" voll und ganz zu.

30,8 Prozent stimmen eher zu. Rund 36 Prozent halten die Aussage für eher falsch. Rund 16 Prozent stimmen gar nicht zu. Die größtenteils schon lange in Deutschland lebenden türkischen Migranten sehen dies übrigens ganz ähnlich.

Konkurrenz auf dem Wohnungsmarkt

Die meisten Menschen haben das Gefühl, dass die Kommunen die Unterbringung der Asylbewerber und Flüchtlinge recht gut bewältigt haben.

In Ballungsgebieten, in denen bezahlbarer Wohnraum schon vorher Mangelware war, hört man aber auch kritische Töne - vor allem von Menschen ohne Migrationshintergrund, die in Berlin, Hamburg oder Bremen leben.

Kulturelle Bereicherung

Im Gegensatz zu den Neuen Rechten, die Zuwanderung als Bedrohung für die deutsche Identität empfinden, stimmt die Mehrheit der Menschen der Aussage zu, die aufgenommenen Flüchtlinge "werden Deutschland kulturell langfristig bereichern".

Deutsche ohne Migrationshintergrund vertreten diese Meinung sogar noch etwas häufiger (71,5 Prozent) als die Zuwanderer.

Zuzug von Flüchtlingen

Von den Befragten ohne Migrationshintergrund sind rund 60 Prozent dafür, weiterhin Flüchtlinge aufzunehmen, selbst wenn Deutschland das einzige EU-Land sein sollte, das dazu bereit ist.

Allerdings wünscht sich etwas mehr als die Hälfte von ihnen eine "Obergrenze" für die Asylzuwanderung. Wo diese Grenze liegen sollte, wurde allerdings nicht gefragt.

Kopftuchdebatte

Neue Zahlen liefert das SVR-Integrationsbarometer auch für die sogenannte Kopftuchdebatte. Knapp 58 Prozent der Menschen ohne Migrationshintergrund sind der Studie zufolge dagegen, dass Lehrerinnen im Unterricht ein Kopftuch tragen dürfen. Unter den türkischstämmigen ist nur jeder Vierte für ein Verbot.

Von den rund 800 befragten muslimischen Frauen gaben etwa 29 Prozent an, in der Öffentlichkeit ein Kopftuch zu tragen. Sie sind fast alle dafür, dass es muslimischen Lehrerinnen und Behördenmitarbeiterinnen gestattet werden sollte, bei der Arbeit Kopftuch zu tragen. Von den Musliminnen ohne Kopftuch sind allerdings nur gut zwei Drittel dieser Ansicht. (ank/dpa)

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