Nach dem Verschwinden des saudischen Journalisten Jamal Khashoggi wächst international der Druck auf Saudi-Arabien. US-Außenminister Mike Pompeo kam am Dienstag mit König Salman und Kronprinz Mohammed bin Salman zu Krisentreffen zusammen - war dabei aber geradezu auffallend zahm.

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Die Amerikaner, welche ihre Waffenlieferungen an das kriegführende Königreich keineswegs einstellen wollen, wie die Saudis scheinen extrem um eine Lösung in Sachen Kommunikation des Falles bemüht.

Gemeinsame Durchsuchung von Türken und Saudis

Türkische und saudische Ermittler schlossen zugleich eine neunstündige Durchsuchung des saudischen Konsulats in Istanbul ab und begannen am Abend eine Suche im Privathaus des Konsuls. Der war türkischen Medien zufolge kurz zuvor nach Saudi-Arabien abgereist.

Die türkischen Behörden gehen nach Medienberichten davon aus, dass Khashoggiim Konsulat von einem aus Saudi-Arabien angereisten 15-köpfigen Spezialkommando getötet wurde.

Türkei hat angeblich Ton- und Videomaterial vom Mord

Sie sollen auch im Besitz kompromittierender Ton- und Videoaufnahmen sein. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan sagte, man schaue sich mögliche Spuren "giftiger Substanzen" genauer an. Die seien überstrichen worden.

Während der Durchsuchung des Konsulats nahmen Ermittler auch Proben im Garten, wie lokale Medien meldeten. Spürhunde seien im Einsatz gewesen. Zudem seien zwei Müllwagen ins Konsulat gefahren - weshalb, blieb zunächst unklar.

Deutschland wünscht sich internationale Abstimmung

Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) machte sich in der Affäre für eine internationale Abstimmung stark. "Wir wollen wissen, was da geschehen ist", erklärte er in Paris. "Wenn wir das wissen, werden wir daraus unsere Schlüsse ziehen." Er habe in dem Fall auch mit Pompeo telefoniert.

Die UN-Hochkommissarin für Menschenrechte, Michelle Bachelet, verlangte die Aufhebung der Immunität von allen saudischen Diplomaten in der Türkei, die Ermittler befragen wollen.

Regimekritischer Journalist wollte Papiere für Hochzeit

Der 60 Jahre alte Khashoggiwar am 2. Oktober in das saudische Konsulat gegangen, um dort Papiere für seine geplante Hochzeit abzuholen. Seine türkische Verlobte wartete vor dem Gebäude über Stunden vergeblich darauf, dass der Journalist wieder herauskam.

Khashoggilebte seit mehr als einem Jahr im selbst gewählten US-Exil und schrieb unter anderem für die Zeitung "Washington Post" regimekritische Artikel über Saudi-Arabien. Das Königreich bestreitet jede Verwicklung in den Fall.

CNN berichtet über Erklärungsversuch der Saudis

Mehrere US-Medien berichteten jedoch, das Königreich bereite eine Erklärung vor. Darin soll es unter anderem heißen, ein Verhör mit Khashoggisei schiefgegangen.

Dem Sender CNN zufolge soll es einen Plan gegeben haben, den Journalisten zu entführen, aber nicht zu töten. Eine solche Erklärung wäre der Versuch, den Druck von Riad zu nehmen.

US-Präsident Donald Trump hatte seinen Außenminister nach Riad geschickt, um die Aufklärung des Falles voranzutreiben. Möglicherweise wird Pompeo in die Türkei weiterreisen.

Pompeo dankt Saudi-König für "starke Partnerschaft"

Nach Pompeos Gesprächen in Riad äußerte sich das US-Außenministerium betont milde. Pompeo habe dem saudischen König für die starke Partnerschaft mit den USA und für dessen Einsatz für eine gründliche, transparente und schnelle Aufklärung im Fall Khashoggigedankt.

Nach dem Gespräch mit dem saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman - kurz "MbS" genannt, der eine zentrale Rolle in der Führung des Landes spielt - hieß es, Pompeo habe die Sorge des Präsidenten über Chaschukdschis Verschwinden übermittelt, und dessen Wunsch nach Aufklärung.

Für das Weiße Haus steht in dieser Affäre viel auf dem Spiel, da sich Trump in seiner Nahost-Politik sehr stark auf das sunnitische Saudi-Arabien stützt. Seit Amtsantritt des US-Präsidenten hat sich das zuvor abgekühlte Verhältnis zwischen den beiden Partnern deutlich verbessert.

USA und Saudi-Arabien sehen Iran als gemeinsamen Feind

Die USA und Saudi-Arabien sehen vor allem im schiitischen Iran einen gemeinsamen Feind, den sie Hand in Hand bekämpfen wollen. Die allererste Auslandsreise führte Trump im Mai 2017 nach Riad, wo ihm die saudische Führung einen fulminanten Empfang bereitete.

Dort verkündete der US-Präsident auch einen 110 Milliarden Dollar schweren Rüstungsdeal mit dem islamisch-konservativen Königreich. Trump will dieses Geschäft nicht gefährden, um "keinen Jobs zu schaden".

Er verschärfte seinen Ton gegenüber Riad und fordert Antworten auf offene Fragen - will aber offensichtlich dennoch die guten Beziehungen zur Führung in Riad nicht aufs Spiel setzen.

Trump versucht nach Druck zu beschwichtigen

Trump äußerte die Vermutung, dass es sich möglicherweise nicht um ein staatlich beauftragtes Mörderkommandos gehandelt habe.

Parallel zu Pompeos Riad-Besuch reagierte der US-Präsident auch auf Berichte über finanzielle Verbindungen des Trump-Konzerns mit Saudi-Arabien. Er habe keinerlei finanzielle Interessen mit Blick auf das Land, schrieb Trump. Das alles sei nichts als "fake news".

Reform-Prinz verliert seinen liberalen Zauber

Die Aufmerksamkeit richtet sich in der Affäre insbesondere auf den saudischen Kronprinzen. Der 33 Jahre alte Sohn des Königs ist der starke Mann des Landes und gilt als künftiger Herrscher. Während er einerseits Reformen vorantreibt und das Land gesellschaftlich liberalisiert, geht er mit härtester Hand gegen Kritiker vor.

Auch Khashoggikritisierte, dass die Führung in Riad zunehmend autoritärer wird. Enge Beziehungen pflegt MbS zu Trumps Schwiegersohn und Nahost-Beauftragtem Jared Kushner.

Verhältnis von Türkei und Saudi-Arabien ist angespannt

Zugleich ist das Verhältnis zwischen der Türkei und Saudi-Arabien angespannt. Die Regierung in Ankara ging zwar diskret mit ihren Erkenntnissen um, lässt aber Informationen über den angeblichen Mord scheibchenweise und über anonyme Zeugen an die US-Regierung und Medien weitergegeben. Wieso, dazu gibt es vielfältige Vermutungen.

In der derzeitigen verzweifelten wirtschaftliche Lage könnte die Türkei darauf hoffen, dass der reiche Ölstaat Saudi-Arabien dem Land mit Investitionen hilft. Manche Beobachter mutmaßen, die Türkei fürchte, es sich mit Riad zu verscherzen.

Noch immer ist unklar, aus welcher Quelle Informationen zu dem angeblichen Mord durchsickern. Mehrfach tauchte die Vermutung auf, die Türkei könnte das Konsulat verwanzt haben. Das brächte die Regierung dann nicht nur gegenüber der saudischen Regierung in Schwierigkeiten. (cs/dpa)

Anmerkung der Redaktion: Wir haben die Schreibweise des vermissten saudischen Journalisten ab sofort von "Jamal Chaschukdschi" in "Jamal Khashoggi" geändert. Damit folgen wir der Schreibweise, die überwiegend in den deutschen Medien verwendet wird. Die bislang verwendete Schreibweise entsprach der üblicherweise für arabische Namen und Begriffe verwendeten Transkription. Der Journalist selbst schreibt sich hingegen "Jamal Khashoggi".
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