Pete Buttigieg will für die US-Demokraten Präsident werden. Er ist jung, schwul und eloquent - mithin das Gegenteil von Donald Trump. Doch zuweilen verleugnet er sich selbst. Und hat politisch bisher wenig vorzuweisen.

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"Boot-edge-edge", "Buddha-judge", "Boo-tuh-judge"? Noch fällt es vielen Amerikaner schwer, den Namen von Pete Paul Montgomery Buttigieg auszusprechen.

In den kommenden Wochen und Monaten dürften sie den Mann aber besser kennenlernen, dessen Präsidentschaftskandidatur die "New York Times" als "größten A-Star-is-born-Moment, seit Lady Gaga 'Shallow' gesungen hat", bezeichnet. 2020 will er Amtsinhaber Donald Trump herausfordern.

Pete Buttigieg erhielt bereits hohe Wahlkampfspenden

Dass der Bürgermeister von South Bend (Indiana) ein ernst zu nehmender Kandidat ist, war noch vor seiner offiziellen Kandidatur klar.

Vor wenigen Wochen wurde bekannt, dass der 37-Jährige mit sieben Millionen US-Dollar an Spendengeldern den vierten Platz aller möglichen Kandidaten der demokratischen Partei belegt. Die Frage einer Kandidatur hatte sich danach erübrigt.

Aber wer ist der Rockstar der amerikanischen Politik, der Facebook-Chef Mark Zuckerberg als Freund bezeichnet, noch immer in einem 450-Dollar-Mietshaus unweit seiner Mutter lebt und der so gut Klavier spielt, dass ihn das örtliche Symphonieorchester 2013 auf die Bühne bat?

Nun, wie das mit politischen Pionieren meistens der Fall ist, stellt Pete Buttigieg vor allem eine prächtige Projektionsfläche dar, ein gigantisches Experiment für diejenigen, die sich nach einer - manche würden sagen besseren - Zeit vor Donald Trump sehnen.

Buttigieg ist der Anti-Trump

Buttigieg wäre der erste aussichtsreiche Kandidat in den Reihen der großen Parteien, der offen schwul lebt und mit 37 Jahren als Vertreter der Millenial-Generation antritt.

Das ist zwar verdammt wenig Lebenserfahrung für einen Posten, für den die Gründungsväter der Vereinigten Staaten ein Mindestalter von 35 Jahren vorgesehen haben. Doch könnte Buttigieg Zugang zu Wählern finden, die sich weder von ihrem amtierenden Präsidenten vertreten sehen noch von den Kandidaten der Demokraten, von denen einige jenseits der 70 sind.

Buttigieg gelingt es bisher nahezu perfekt, sich gegenüber den tief gespaltenen Amerikanern als Trump-Antipode zu inszenieren. Während dieser in seinen zahlreichen Twitter-Beiträgen schon mal Probleme mit dem Englischen offenbart, spricht der polyglotte Sohn maltesischer Einwanderer außerdem Spanisch, Italienisch, Maltesisch, Dari, Französisch und Norwegisch.

Letzteres, so lautet die Erzählung, habe er gelernt, um Bücher lesen zu können, die es nur in norwegischer Übersetzung gab.

Buttigieg trifft den Ton

Wo Trump hingegen kokettiert, noch nie ein Buch in der Hand gehabt zu haben (mit Ausnahme seines eigenen), ist Buttigieg ein Intellektueller, der Abschlüsse aus Oxford und Harvard mitbringt.

Und während Trump im Wahlkampf 2016 unflätig über Frauen herzog, traf Buttigieg mit einem Brief an die muslimische Gemeinde in South Bend ins Schwarze, nachdem ein Australier in Neuseeland 50 Menschen in einer Moschee erschossen hatte.

Wer also in einem Labor das Gegenteil von Donald Trump kreieren wollte - irgendwas nahe Pete Buttigieg käme heraus.

Uniabschluss in Harvard mit Bestnote

Geboren wurde der Sohn zweier Universitätsprofessoren 1982 in South Bend, Indiana. Nach dem Universitätsabschluss in Harvard mit Bestnote ging er mit dem renommierten Rhodes-Stipendium nach Oxford, um dort Philosophie, Politik und Wirtschaft zu studieren - eine Gemeinsamkeit, die er mit vielen erfolgreichen Politikern in Großbritannien teilt.

Es folgten einige Jahre als Unternehmensberater bei McKinsey und der Eintritt in die US-Navy, wo er es bis zum Leutnant brachte. 2018 heiratete Buttigieg seinen Lebensgefährten Chasten Glezman, einen Lehrer.

Freundlich, eloquent, klug - Buttigieg tritt mit einem Stil an, von dem viele sagen, er sei dem politischen Amerika in den vergangenen Jahren abhanden gekommen. Das ist durchaus ein Risiko.

Denn mit seinen dezidiert konservativen Aussagen zur Gesellschaftspolitik schielt Buttigieg auf abtrünnige Trump-Wähler, die 2016 Gefallen an einem Mann fanden, der die amerikanischen Institutionen lächerlich machte.

Als Bürgermeister mit 80 Prozent wiedergewählt

Buttigieg hingegen hat sie nach seiner Karriere in der Privatwirtschaft inhaliert. Im Alter von 29 Jahren wurde er in seiner Heimatstadt jüngster Bürgermeister einer Kommune mit mehr als 100.000 Einwohnern - und schlug sich wacker.

Er riss in der "sterbenden Stadt" (so formulierte es das Magazin "Newsweek") Fabrikgebäude ab, siedelte neue Arbeitsplätze an und halbierte die Arbeitslosigkeit.

2014, ein Jahr vor den Bürgermeisterwahlen, ließ er sich sieben Monate lang vertreten - und diente in Afghanistan. Mit sagenhaften 80 Prozent wurde er wiedergewählt.

Freilich macht ein guter Lebenslauf noch keinen Präsidenten. Doch erstaunlicherweise hat es Buttigieg in den ersten Wochen nach seiner Kandidatur geschafft, die Aufmerksamkeit auf seine Fähigkeiten als wortgewandter Menschenfänger zu lenken und von seiner politisch dünnen Agenda abzulenken.

Marketing statt politischer Inhalte

Wer Buttigiegs Wahlkampfseite besucht, stößt auf einen Onlineshop mit "Pete"-Tassen, "Pete"-T-Shirts und "Pete"-Stecknadeln. Und auf einen Link, mit dem man sein Wahlkampfbudget mit Beiträgen zwischen 10 und 250 US-Dollar füllen kann. Aber politische Inhalte? Fehlanzeige.

Nun kann es durchaus nützlich sein, ein Jahr vor der Wahl noch nicht auf Angriff zu schalten. Doch auch dem Wähler dürfte es nicht einfach fallen, diesen hie konservativen und da progressiven Kandidaten einzuordnen.

So inszeniert Buttigieg beispielsweise seine Homosexualität offensiv, lässt sich aber mit Aussagen zitieren, die an Selbstverleugnung grenzen. "Wenn sie mir eine Pille gegeben hätten, die mich heterosexuell gemacht hätte, hätte ich sie geschluckt", soll er gesagt haben. Zuletzt kündigte er an, in naher Zukunft ein Kind adoptieren zu wollen.

"Gun Control" und Klimapolitik

Progressiv tritt der ehemalige Unternehmensberater hingegen auf, wenn er in einigen Interviews seine wirtschaftspolitischen Vorstellungen umreißt. Den bei Konservativen verhassten Green New Deal von Parteikollegin Alexandria Ocasio-Cortez, mit dem eine ökologische Wende in der Industriegesellschaft eingeleitet werden soll, unterstützt er.

Für eine Reform der Waffenrechte, ein nicht minder fragiles Thema für viele Amerikaner, setzt er auf eine "Gun Control", also eine Pflicht, den Hintergrund eines Menschen zu überprüfen, der eine Waffe kaufen will.

Außerdem hätte er gerne 15 Richter am Obersten Gerichtshof statt neun, wobei fünf einstimmig durch die anderen zehn bestätigt werden müssten, um so den Einfluss der Parteien auf die Richterwahl zu minimieren. Und den menschengemachten Klimawandel - noch so eine Antipode zum amtierenden Präsidenten - hält er für einen Fakt.

Prominente Unterstützung für Buttigieg

Buttigieg wäre eines der frischesten Gesichter, und eines ohne Falten noch dazu, das die US-Politik in den vergangenen Jahren darbieten könnte - doch ein Phönix aus der Asche ist er nicht.

Schon 2016 nannte Ex-Präsident Barack Obama seinen Namen in einem Interview, als er über künftige Hoffnungsträger innerhalb seiner Partei sprach. Sicherlich dürfte es Buttigieg nicht schaden, dass er den Segen von David Axelrod, dem Mastermind hinter Obama, hat.

Schafft es Buttigieg durch die Vorwahlen?

Das Interesse an Buttigieg ist groß. Laut Umfragen ist er auf dem fünften Platz bei den Demokraten eingestiegen. Seine Wahlkampfbiografie "Shortest way home" verkauft sich bei Amazon hervorragend.

Das sind deutliche Zeichen, doch fraglich bleibt, ob der Hype Buttigieg durch die Vorwahlen trägt oder ob er mit seinen vagen Ankündigungen im breiten Kandidatenfeld zerrieben wird.

Allerdings wollen die Demokraten, so viel ist zu hören, Donald Trump 2020 einen Gegenkandidaten entgegensetzen, der mindestens eines der folgenden Attribute erfüllt: Weiblich, schwul, jung oder schwarz. Pete Buttigieg erfüllt schon zwei.

Verwendete Quellen:

  • New York Times: "Why you love Mayor Pete"
  • The Washington Post: "Why is Pete Buttigieg so popular? Here are some theories"
  • DIE WELT: "Warum viele in Pete Buttigieg den perfekten Trump-Gegner sehen"
  • The New Yorker: "Pete Buttigieg on how he plans to win the democratic nomination and defeat Trump"
  • FiveThirtyEight: "What the potential 2020 Candidates are doing and saying, Vol. 15"
  • "GQ: "5 tough questions Pete Buttigieg’s Campaign will have to answer"
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