Sandra Maischberger diskutiert am Mittwochabend über die Krawalle beim G20-Gipfel in Hamburg. Doch auch die ARD-Sendung eskaliert völlig. Die linke Aktivistin Jutta Ditfurth erhitzt die Gemüter, am Ende kommt es zum Eklat: Wolfgang Bosbach verlässt aus Protest den Saal. Und die Moderatorin ist überfordert.

Es war eine denkwürdige TV-Sendung bei Sandra Maischberger. Selten entglitt der ARD-Journalistin so sehr die Moderation, wie an diesem Mittwochabend.

Thema waren die schweren Ausschreitungen beim G20-Gipfel in Hamburg und die Frage danach, wie es soweit kommen konnte.

Gleich mehrere Gäste gingen in ihrer Argumentation regelrecht aufeinander los.

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Maischberger heizte die Atmosphäre durch unglückliche Formulierungen und Fragestellungen weiter an.

Wolfgang Bosbach verlässt Maischberger-Talk

Trauriger Höhepunkt: CDU-Politiker Wolfgang Bosbach verließ die Sendung noch vor deren Ende.

Der konservative Innenpolitiker hatte sich über die linke Aktivistin und Publizistin Jutta Ditfurth derart echauffiert, dass er wütend aus dem Saal schritt.

"Es ist unerträglich mit Ihnen in einer Runde zu sitzen, wenn Sie sich als Oberintellektuelle betätigen und dann noch einen Polizeibeamten in dieser Form beleidigen", sagte der 65-Jährige zu der linken Politikerin.

Eklat bei Maischberger-Talk zu G20-Randale Finden Sie Bosbachs Reaktion verständlich oder überzogen?
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"Das hat mit Diskussion überhaupt nichts zu tun und daran möchte ich mich nicht mehr beteiligen."

Jutta Ditfurth wettert gegen "Polizeistaat"

Ditfurth hatte sich auf den Hamburger Hauptkommissar Joachim Lenders eingeschossen, der stellvertretend für die Polizei da war.

Die 66-Jährige war eigenen Bekundungen zufolge für soziologische Forschungen bei den Krawallen in der Hansestadt gewesen, sprach bei Maischberger von einem "Polizeistaat".

Wolfgang Bosbach (l.) und Jutta Ditfurth (r.) gerieten in hitzige Diskussionen.

Mehrfach fiel sie bei Lenders' Ausführungen dem Polizisten hämisch lachend ins Wort. "Sie leben in einer solchen Filterblase", hielt sie auch Bosbach entgegen.

"Demütigungen, Schikane, Prügel, mich hat gewundert, dass die Stimmung nicht schon früher explodierte. Diese sogenannten Randale", wetterte sie gegen die eingesetzten Polizeikräfte.

"Dieser völlig cholerische Einsatzleiter hat sich den Helm aufgezogen und gesagt, wir gehen jetzt da rein."

"Explosive Stimmung in der Schanze"

Ihrer Argumentation nach waren die Polizisten in Hamburg die Bösen, und schon gar nicht die Protestierenden aus dem linken Camp in Altona.

Lenders hatte argumentiert, dass auch aus deren Mitte die kriminellen Krawallmacher gekommen seien, "die auf meine Kollegen mit Gehwegplatten und einem Molotow-Cocktail geworfen haben. Das waren Randalierer, die sich maskiert haben und brandschatzend durch die Straßen gezogen sind", schilderte er.

Hamburgs Bürgermeister kündigt nach G20-Krawallen zudem "Strafen" an.

"6.000 waren in der Schanze drin. Das war eine explosive Mischung aus Autonomen, erlebnisorientierten Jugendlichen und Randalierern."

Ditfurth wollte von all dem nichts wissen, blieb in ihrer Haltung stur.

"Stern"-Journalist motzt gegen Jutta Ditfurth

Auch den "Stern"-Kolumnisten Hans-Ulrich Jörges brachte sie gegen sich auf. "Das ist doch ein Märchen", sagte er zu Ditfurth.

"Die schwarzen Blockgruppen reisen mit dem Ziel an, Gewalt auszuüben. Sie müssen sich davon endlich distanzieren."

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Zu allem Unglück verhielt sich Maischberger ungeschickt. "Herr Bosbach, halten Sie sich zurück", sagte sie zwischenzeitlich im Oberlehrerton zum Innenpolitiker, der sich sichtlich angegriffen fühlte.

Randalierer verbrennen nicht nur Reifen, sondern auch Chancen. Ein Kommentar.

"Dann stehe ich auf und gehe. Frau Ditfurth ist unerträglich, das muss ich mir nicht geben", drohte Bosbach ein erstes Mal, ehe er etwa eine Viertelstunde später die Drohung wahr machte.

Sandra Maischberger ist machtlos

Was dann passierte, zeigte die völlige Machtlosigkeit Maischbergers. Sie bat Ditfurth, die Sendung ebenfalls zu verlassen, doch diese blieb einfach sitzen und ließ die ARD-Talkerin ganz schlecht aussehen.

"Die Sendung ist an dieser Stelle wirklich aus dem Ruder gelaufen, wie die Demonstrationen in Hamburg", meinte Maischberger.

Zum Schluss ließ sich die 50 Jahre alte Moderatorin zu einem Spruch hinreißen, den sie sich wohl besser gespart hätte.

"Es geht ihm gut. Sein Herz hat es gut überstanden", meinte sie völlig unnötig über Bosbach. Es war das Ende einer denkwürdigen Sendung.

Wer die Sendung verpasst hat: Hier lässt sich der gesamte Maischberger-Talk in der ARD-Mediathek abrufen.

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