• In der Ukraine wurde der Putin-Vertraute Wiktor Medwedtschuk verhaftet.
  • Dem Unternehmer und Politiker wird vorgeworfen, Militärgeheimnisse an Russland verraten zu haben.
  • Der Oligarch soll gegen ukrainische Kriegsgefangene ausgetauscht werden. Der Kreml lehnt das Angebot bisher ab.

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Ein älterer Mann sitzt in einem kalten weißen Raum. Sein Blick wirkt leer, die schütteren grauen Haare sind ungepflegt und lang. Wiktor Medwedtschuk war einige Zeit untergetaucht, bevor der ukrainische Geheimdienst SBU ihn am 12. April fassen konnte. Offenbar hatte der 67-Jährige keine Möglichkeit, sich die Harre schneiden zu lassen.

Wochenlang suchten die Geheimdienstmitarbeiter den Mann, der als "bester Freund Putins in der Ukraine" gilt. Angeblich hatte der Oligarch versucht sich als ukrainischer Soldat zu tarnen. Auf dem Foto, das die ukrainische Regierung in den sozialen Netzwerken zeigt, trägt er eine Uniform der ukrainischen Armee.

Sehr wahrscheinlich war es sein Ziel gewesen, nach Russland zu entkommen. Nach dem Beginn der russischen Invasion im Februar 2022 war Medwedtschuk aus dem Hausarrest geflohen und hatte sich offenbar innerhalb der Ukraine versteckt. Bis März dieses Jahres war der Unternehmer und Politiker einer von vier Parteivorsitzenden der pro-russischen Partei "Oppositionsplattform – Für das Leben" gewesen. Die Partei wurde im Zuge der Verhängung des Kriegsrechts in der Ukraine verboten. Ihrem Vorsitzenden droht nun der Prozess.

Fernsehmogul und Politiker

Medwedtschuk war im vergangenen Jahr unter Hausarrest gestellt worden. Ihm wurde vorgeworfen, sich bei der völkerrechtswidrigen Annexion der Krim 2014 bereichert zu haben. Der Oligarch gilt als illiberal und antieuropäisch. Er soll die prorussischen Separatisten in den selbsternannten Volksrepubliken Donezk und Luhansk mit Öllieferungen unterstützt haben und Militärgeheimnisse an Moskau weitergeleitet haben. Gegen ihn wurden daher im vergangenen Jahr Sanktionen wegen Finanzierung von Terrorismus verhängt und ein Verfahren wegen Hochverrats eingeleitet.

Der Politiker und Unternehmer war der ukrainischen Regierung in Kiew schon lange ein Dorn im Auge. Zusammen mit seiner Frau Oksana und dem Parlamentskollegen Taras Kosak gehören ihm drei Fernsehsender. Diese sollen prorussische Propaganda verbreiten, so der Vorwurf. Dem ukrainischen Präsident Wolodymyr Selenskyj zufolge würde Medwedtschuk "Medien und Staatseigentum dafür nutzen, um offen auf das Land einzuschlagen und der Sicherheit des Staates einen ruinösen Schaden zuzufügen."

Im Februar 2021 hatte der ukrainische Präsident daher die Schließung der Fernsehsender verfügt, die dem Oligarchen gehören sollen. Der Fernsehmogul selbst streitet jegliche Beteiligung an den TV-Sendern ab und hält die Anschuldigungen gegen ihn für politisch motiviert.

Pate und Freund Wladimir Putin

Nicht nur politisch steht der Oligarch dem Kreml nahe, sondern auch persönlich: Wladimir Putin soll der Patenonkel von Medwedtschuks jüngster Tochter Daryna sein. Und nicht nur das: Seine guten Verbindungen nach Russland sollen Putin-Freund Medwedtschuk auch lange vor größeren Repressionen durch die Regierung in Kiew geschützt haben. So soll der Unternehmer als Unterhändler bei den immer wieder stockenden Friedensgesprächen in Minsk gewesen sein und sich als Vermittler mit Russland unentbehrlich gemacht haben.

Medwedtschuk soll außerdem einen Gefangenenaustausch zwischen der Ukraine und den Separatistengebieten im Osten des Landes arrangiert haben. Mehr als 300 Gefangene sollen auf seine Initiative und die des russisch-orthodoxen Patriarchen Kyrill 2018 freigekommen sein. Das Ende des Friedensprozesses und die Invasion der russischen Armee in der Ukraine haben Medwedtschuks Rolle als Vermittler ein jähes Ende bereitet. Wird der ehemalige Unterhändler nun selbst zum Gegenstand von Verhandlungen?

Gefangenaustausch gegen ukrainische Soldaten

Wie lange Medwedtschuk in ukrainischer Haft bleiben wird, ist unklar. In der Nacht zum Mittwoch schlug der ukrainische Präsident Selenskyj vor, den Oligarchen gegen ukrainische Soldaten in russischer Gefangenschaft einzutauschen. Bislang ist die russische Seite nicht auf diesen Vorschlag eingegangen – im Gegenteil: Kreml-Sprecher Dimitri Peskow erklärte am Mittwochabend, der Inhaftierte habe "nichts mit dem Spezialeinsatz zu tun" und sei lediglich ein "ausländischer Politiker" ohne Beziehungen zu Russland. So schnell kann eine Freundschaft beendet sein.

Verwendete Quellen:

  • Spiegel.de: Selenskyj schlägt Austausch von festgenommenem Putin-Vertrauten gegen Kriegsgefangene vor
  • Spiegel.de: Ukraine verbietet prorussische Parteien
  • Bild.de: Ukrainer setzen Putin-Freund fest (https://www.bild.de/politik/ausland/politik-ausland/selenskyj-vermeldet-bei-instagram-ukrainer-setzen-putin-freund-fest-79759060.bild.html)
  • Rnd.de: Rechtswissenschaftler im Tarnanzug: Wer ist Wiktor Medwedtschuk? (https://www.rnd.de/politik/wiktor-medwedtschuk-wer-ist-der-putin-freund-in-der-ukraine-EMFDX5HHMFBG5DDY64FXSR2WVQ.html)
  • Faz.net: Putins Mann in der Ukraine (https://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/warum-praesident-selenskyj-gegen-putins-mann-in-ukraine-vorgeht-17229495.html?premium)
  • Ntv.de: Kreml will Putin-Freund Medwedtschuk nicht austauschen (https://www.n-tv.de/politik/Kreml-will-Putin-Freund-Medwedtschuk-nicht-austauschen-article23267550.html)
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