• Seit Kurzem ist die Tesla-Gigafactory in Brandenburg in Betrieb.
  • Die Wasserversorgung ist seit Beginn ein Streitpunkt: Das Bundesland ist eines der trockensten in Deutschland.
  • Der zuständige Wasserverband denkt nun darüber nach, den Wasserverbrauch von Privatpersonen zu begrenzen. "Wir sind an unseren Grenzen angelangt", sagt eine Sprecherin.

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Elon Musk fand die Sache zum Lachen. Im vergangenen August war der Unternehmer in Brandenburg zu Gast, wo gerade die neue "Gigafactory" seines Elektroautobauers Tesla entstand. Was er zu dem Problem mit der Wasserversorgung sage, fragte ihn eine Journalistin des ARD-Magazins "Kontraste". Das sei eine "lächerliche" Frage, antwortete der nervös kichernde Musk. "Hier ist doch überall Wasser."

Inzwischen hat Tesla die nötige Genehmigung für seine Gigafactory erhalten und fährt die Produktion Schritt für Schritt hoch. Bis zu 500.000 Fahrzeuge pro Jahr könnten auf dem Gelände in Grünheide östlich von Berlin eines Tages entstehen. Doch inzwischen ist klar, dass die Sache mit dem Wasser keineswegs lachhaft ist.

Wasser könnte für private Haushalte rationiert werden

Der Wasserverband Strausberg-Erkner (WSE) ist für die Trinkwasserversorgung des Werks und der umliegenden Gemeinden zuständig. Vor Kurzem haben Medienberichte in der Region für Aufsehen gesorgt, wonach der Verband den privaten Wasserverbrauch deckelt: auf 105 Liter pro Person und Tag. Zunächst solle diese Rationierung nur für Neukunden gelten, ab 2025 dann für alle Kundinnen und Kunden des WSE. Das hat der Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) berichtet.

Sandra Ponesky, Sprecherin des Wasserverbands, weist den Bericht im Gespräch mit unserer Redaktion teilweise zurück: Eine Deckelung sei noch nicht beschlossen. Mit Tesla hat der Verband eine Maximalmenge vereinbart, Absprachen mit anderen Großverbrauchern könnten folgen. Denkbar wären auch limitierte Wassermengen pro Jahr für private Neu- und später für Stammkunden. "Das sind Maßnahmen, die wir in unsere Satzung geschrieben haben, um einwirken zu können", sagt Ponesky. Noch handele es sich um theoretische Schritte. Ob man sie wirklich gehen müsse, werde die Zukunft zeigen.

"Wir haben uns das nicht ausgesucht", betont Ponesky. Die Trinkwasserversorgung stehe aus mehreren Gründen unter Druck: Menschen aus Berlin ziehen in das Umland oder bewässern dort ihre Kleingärten. Hinzu kommen der Klimawandel und nun noch der Großverbraucher Tesla: "All das zusammengenommen sind wir an unseren Grenzen angelangt."

Großer Wurf oder Gefahr für die Umwelt? Umstrittene Ansiedlung

Seit Teslas Ansiedlungspläne bekannt sind, spaltet das Projekt die Region: Aus Sicht ihrer Befürworter ist die Fabrik ein großer Wurf für den Wirtschaftsstandort Brandenburg und für die verbrennerfreie Auto-Mobilität der Zukunft. Tesla selbst bezeichnet den ersten Produktionsstandort in Europa als "unsere modernste, nachhaltigste und effizienteste Fabrik". Die Landesregierung von Brandenburg rechnet in der ersten Ausbaustufe mit 12.000 neuen Arbeitsplätzen. Tesla verspricht, der größte Ausbilder des Bundeslands zu werden.

Aus Sicht der Gegner ist die Gigafactory dagegen eine Umweltkatastrophe. Nicht nur, weil der Konzern rund 170 Hektar Wald rodete und die Fabrik in einem Wasserschutzgebiet steht. "Es ist richtig gravierend, wie die Natur zerstört wird", sagt Manuela Hoyer, die die Bürgerinitiative Grünheide gegen die Ansiedlung gegründet hat, im Gespräch mit unserer Redaktion. Umweltschützer werfen den Brandenburger Behörden vor, das Projekt leichtfertig durchgewunken zu haben.

Bestätigt sehen sich Kritiker von einem Vorfall am 11. April, als 15.000 Liter aus dem Behandlungsbad der Elektrotauchlackierung ausliefen. Das Landesumweltamt teilte daraufhin mit, es habe "zu keinem Zeitpunkt die Gefahr eines Eintrages in das Grundwasser oder die Kanalisation" bestanden.

Wasserverband: "Reserven sind ausgeschöpft"

Tesla hat in den Genehmigungsunterlagen einen maximalen jährlichen Wasserbedarf von 1,4 Millionen Kubikmeter Wasser angemeldet, wenn die Fabrik mal auf Hochtouren läuft. Das würde dem Jahresbedarf einer 40.000-Einwohner-Stadt entsprechen, berichtete der "Deutschlandfunk".

Der Wasserverband Strausberg-Erkner darf rund 3,8 Millionen Kubikmeter Wasser pro Jahr fördern. Eigentlich wollte das Landesamt für Umwelt die Wasserentnahme auf 2,5 Millionen Kubikmeter beschränken. Doch dann wäre die gleichzeitige Versorgung von Tesla und den rund 170.000 Menschen im Verbandsgebiet nicht mehr möglich gewesen. Die Reserven sind nun jedenfalls ausgeschöpft. Der Verband teilte in diesem Frühjahr mit: "Darüber hinaus gehende Bebauungspläne, Gewerbe- und Industrieansiedlungen sind wegen fehlender Grundwasserentnahmemengen derzeit nicht möglich."

Berlin und Brandenburg sind die trockensten Bundesländer

Wasser war schon vor dem Fabrikbau ein wertvolles Gut in der Region. Berlin und Brandenburg waren dem Deutschen Wetterdienst zufolge 2021 mit Niederschlagsmengen von 560 beziehungsweise 590 Litern pro Quadratmeter die beiden trockensten Bundesländer.

Der Klimawandel verschärft die traditionelle Wasserknappheit. Vor allem die Hitze-Sommer 2018, 2019 und 2020 haben Spuren hinterlassen. Der Niederschlag 2021 lag zwar wieder im Durchschnitt der 90er und Nuller-Jahre. Die Trockenheit der Böden hat das aber nur bedingt gelindert. Der Dürremonitor des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung weist aktuell für große Teile von Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Berlin eine extreme oder außergewöhnliche Dürre aus.

Wasser für den größten künstlichen See Deutschlands

Für Diskussionen rund ums Wasser sorgt in Brandenburg ein weiteres Großprojekt: der Cottbusser Ostsee. Aus einem ehemaligen Braunkohle-Tagebau soll in der Lausitz der größte künstlich angelegte See Deutschlands werden. Die 19 Quadratkilometer große Fläche wird seit April 2019 mit Grundwasser sowie mit 66,5 Millionen Kubikmetern Wasser aus der Spree geflutet und ist nach Angaben der Lausitz Energie Bergbau AG (LEAG) inzwischen zu 85 Prozent gefüllt. Cottbus und seinen Bewohnerinnen und Bewohnern soll der See Entwicklungsperspektiven und mehr Lebensqualität bieten.

Doch flussabwärts hat man das Gefühl, dass der Region buchstäblich das Wasser abgegraben wird. Der Wasserstand der Seen und Flüsse in Grünheide ist in den vergangenen Jahren gesunken. Deswegen ist man in der Stadt und ihrem Umland besonders sensibel, wenn es um wasserverschlingende Großprojekte geht.

Ob die Flutung des Cottbusser Ostsees direkte Auswirkungen auf die Trinkwasserversorgung hat, ist nach Auskunft des Wasserverbands Strausberg-Erkner noch nicht sicher. Für möglich hält man es aber. "Wir sehen da das Land in der Pflicht, Konzepte zu erarbeiten", sagt Sprecherin Sandra Ponesky.

Verwendete Quellen:

  • Gespräch mit Manuela Hoyer, Bürgerinitiative Grünheide
  • Gespräch mit Sandra Ponesky, Sprecherin Wasserverband Strausberg-Erkner
  • Deutschlandfunk.de: Gigafactory in Grünheide - Wasserknappheit dank Tesla?
  • Deutscher Wetterdienst: Deutschland-Wetter im Jahr 2021
  • LEAG: Auf dem Weg zum Cottbuser Ostsee
  • Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung: Dürremonitor Deutschland
  • RBB24.de: Wasserverband Strausberg-Erkner rationiert Wasser für Neukunden
  • Tesla.com: Gigafactory Berlin-Brandenburg
  • Twitter-Profil von "Kontraste"
  • Wasserverband Strausberg-Erkner: WSE außerordentliche Verbandsversammlung: Tesla-Versorgungsvertrag kann erfüllt werden
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