Norbert Hofer hat die Präsidentschaftswahl gegen Alexander Van der Bellen überraschend deutlich verloren. Aber er hat zugleich bewiesen, dass Rechtspopulismus in Österreich mehrheitsfähig ist - und sein Antreten bei der Nationalratswahl angekündigt. Jetzt stellt sich die Frage, ob er nicht auch der bessere FPÖ-Chef wäre.

FPÖ-Kandidat Norbert Hofer hat seine Niederlage eingestanden, auch sein Wahlkampfmanager Herbert Kickl gratuliert dem neuen Bundespräsidenten: Diesmal gibt es keine Zweifel an der Rechtmäßigkeit der Wahl von Alexander Van der Bellen. Der 72-jährige Universitätsprofessor und Ex-Grünen-Chef, dessen Markenzeichen Zigaretten und lange Nachdenkpausen sind, wird für die kommenden sechs Jahre in der Hofburg einziehen.

Überraschendes Ergebnis

Einmal mehr müssen neben dem politischen Verlierer auch die Vertreter einer anderen Zunft ihre Niederlage eingestehen. Fast alle Meinungsforschungsinstitute sahen FPÖ-Kandidaten Norbert Hofer vorne. Dass sein grün-liberaler Widersacher das Rennen derart deutlich für sich entscheiden würde, sah niemand voraus: Das amtliche Endergebnis der Wahl ist noch ausständig. Aber klar ist schon jetzt, dass Van der Bellen mehrere Prozentpunkte vor Hofer liegen wird (Hochrechnung mit Briefwahlprognose: 53,3 zu 46,7 Prozent). Keine Rede von einem knappen Ergebnis, der "Professor" hat es allen gezeigt. Auch jenen seiner Anhänger, die seit Wochen mit Trauermine einen sicheren Sieg Hofer prophezeit hatten.

Als er seine Kandidatur im Januar bekanntgab, waren nur acht Prozent für einen FPÖ-Kandidaten. Der Zuspruch für Norbert Hofer wuchs und wuchs. Aber am Ende wurde die Präsidentenwahl doch ein Signal gegen Rechts.

Die FPÖ ist salonfähig geworden

Das Debakel der Demoskopen zeigt aber auch - und das ist die paradoxe Botschaft dieses Wahlabends - dass die FPÖ bereits über eine loyale Stammwählerschaft verfügt. Hofer mag die Wahl verloren haben. Wenn die FPÖ den ersten Schock verdaut hat, kann sie sich dennoch über einen großen Sieg freuen. Denn die Meinungsumfragen lagen falsch, weil die Institute die Bekennerfreudigkeit der FPÖ-Wähler unterschätzt haben. Bisher galt, dass sich viele, die in der Wahlzelle FPÖ ankreuzten, für ihre Entscheidung genierten. Das wussten die Meinungsforscher, deshalb bewerteten sie die FPÖ stets höher, als es die Rohdaten vermuten ließen. Nun aber zeigt sich, dass fast jeder FPÖ-Wähler zu seiner Stimme steht.

Die rechtspopulistische FPÖ ist in Österreich endgültig salonfähig geworden, der Kandidat der Freiheitlichen hat 47 Prozent der Stimmen bekommen. Das wäre noch vor einigen Jahren undenkbar gewesen.

Der Umgang mit der FPÖ muss überdacht werden

Daher wird auch der Jubel in der Parteizentralen von SPÖ, Grünen und NEOS bald verklingen. Das links-liberale Lager wollte lange nicht bei den rechten Schmuddelkindern anstreifen. Das ging, solange es Mehrheiten jenseits der FPÖ gab. Doch das ist längst keine sichere Bank mehr. Die Rechtspopulisten sind gekommen, um zu bleiben und sie sind ein innenpolitisches Faktum, an dem man sich nicht vorbei schummeln kann.

Dass die Botschaft angekommen ist, zeigt das jüngste "Streitgespräch" zwischen SPÖ-Bundeskanzler Christian Kern und FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache. Kern behandelte den rechten Oppositionschef behutsam und respektvoll. Selbst Alt-Bundespräsident Heinz Fischer – ein Sozialdemokrat alter Schule - plädiert inzwischen für einen Kurswechsel seiner Partei im Umgang mit der FPÖ.

Die Konservativen sind da schon viel weiter. Vizekanzler und ÖVP-Chef Reinhold Mitterlehner mag sich im Wahlkampf zu Van der Bellen bekannt haben. Doch sein eigener Klubobmann Reinhold Lopatka fiel ihm ihm in den Rücken und sprach eine Wahlempfehlung für Hofer aus. Damit weiß Lopatka einen großen Teil des konservativen Lagers hinter sich, die sich an Hofers Mitgliedschaft bei einer deutschnationalen Burschenschaft oder seinem Liebäugeln mit einem Öxit kaum stoßen.

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Hofer wird bei Nationalratswahl antreten

Auch wenn das Wahlergebnis anders ausgefallen ist als prophezeit: Die FPÖ kann sich über einen wichtigen Etappensieg freuen - auch wenn dieser nicht ganz so ausgefallen ist, wie sich das Strache und Hofer erträumt haben.

Die Rechtspopulisten sollten dennoch auf der Hut sein. Denn auch wenn die beiden freiheitlichen Stars nicht müde werden zu betonen, dass zwischen sie kein Blatt passt: Der Parteichef wird nun an dem Wahlergebnis seines Stellvertreters Hofer gemessen werden. Wenn die FPÖ bei den kommenden Nationalratswahlen - die wohl schon 2017 stattfinden werden - tatsächlich Nummer eins werden möchte, wird sie sich überlegen müssen, mit welchem Spitzenkandidaten sie mehr Chancen hat. Hofer erklärte am Wahlabend umgehend seine Kandidatur für die Präsidentschaftswahl 2022 und sein Antreten "hinter Strache" bei der kommenden Nationalratswahl. Er schien betonen zu wollen, dass er Strache nicht ins Gehege kommen möchte.

Man wird sehen, wie sich das Verhältnis zwischen den beiden blauen Alphatieren in den kommenden Monaten entwickelt. Hofer hat bewiesen, dass er mehrheitsfähig ist. Strache nicht.

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