Hope Solo ist in den USA ein Fußballstar, aber auch eine echte Skandalnudel. Die US-amerikanische Torhüterin spielt eine grandiose WM, dabei wäre sie für das Turnier in Kanada beinahe nicht nominiert worden. Wegen eines Vorfalls im Trainingslager des US-Teams im Januar war sie für einen Monat suspendiert worden. Doch der US-Verband hält trotz zahlreicher Eskapaden zu seiner Torfrau.

Ein Gegentor beim 3:1-Sieg gegen Australien, die vergangenen vier Spiele zu Null gespielt: Hope Solo spielt auch bei dieser Frauen-WM ein klasse Turnier. So stark die Torfrau des deutschen Halbfinalgegners (Spiel in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch, 1:00 Uhr, LIVE in der ARD und bei Eurosport) auf dem Platz agiert, so unrühmlich sind so manche Vorfälle abseits des Feldes.

Im Januar dieses Jahres wurde Hope Solo nach einem nächtlichen Ausflug vom Trainingslager der amerikanischen Nationalmannschaft in Kalifornien ausgeschlossen. Solos Ehemann wurde um 1:30 Uhr Ortszeit von der Polizei wegen des Verdachts auf Trunkenheit am Steuer festgenommen. Die Torhüterin saß mit ihm im Auto. Um einen negativen Einfluss auf das Team zu verhindern, wurde sie für 30 Tage vom US-Team suspendiert. Solo selbst entschuldigte sich auf Facebook und Twitter für ihr Verhalten. Zwei Monate zuvor soll sich Solo zudem eine Auseinandersetzung mit ihrer Halbschwester und deren Sohn geliefert haben. Die Aggression soll von der Torhüterin ausgegangen sein, ein Gericht sprach Solo von diesem Vorwurf frei. Der US-Verband sowie Nationaltrainerin Jill Ellis halten trotz aller Eskapaden zu ihrer Torfrau - und das seit Jahren. Denn seit Jahren ist Solos Karriere geprägt von sportlichen Höchstleistungen einerseits und privaten Ausrutschern andererseits.

Schwere Kindheit die Ursache für Probleme?

In ihrem Buch "Solo: A Memoir of Hope" berichtet die Sportlerin ausführlich über ihre schwere Kindheit. Solos Eltern ließen sich scheiden, als sie sechs Jahre alt war. Nach der Trennung holte der Vater seine Kinder eigenmächtig zu sich und wurde vor den Augen seiner Tochter wegen Kindesentführung verhaftet. Doch Hope hielt zu ihrem Vater, einem zeitweise obdachlosen Vietnamkriegsveteranen. "Von ihm habe ich so viel gelernt. Vor allem, sich trotz aller Rückschläge durchzubeißen", schrieb sie.

Hope Solo: eine einzigartige sportliche Karriere

Sportlich ging es für die heute 33-Jährige hingegen früh steil bergauf. Bereits im Alter von 18 Jahren feierte Solo ihr Debüt in der amerikanischen Nationalmannschaft. Mit 23 gewann sie als Ersatztorhüterin ihre erste Goldmedaille bei Olympischen Spielen. 2007 nahm sie als Stammtorhüterin an der Weltmeisterschaft in China teil und ließ bis zum Halbfinale nur zwei Gegentreffer zu. Nachdem sie vor dem Halbfinale gegen Brasilien auf die Ersatzbank verwiesen wurde, kritisierte sie ihren Trainer aber derart scharf, dass sie nach dem Turnier nicht zusammen mit der Mannschaft in die USA zurückreisen durfte.

Nach diesem ersten Aufreger ging es aber bald wieder im gewohnten Tempo weiter. Es folgten zwei weitere Goldmedaillen bei den Olympischen Spielen 2008 und 2012. Bei der Weltmeisterschaft 2011 in Deutschland wurde sie mit der US-Auswahl Zweite. 2008 wählte die Zeitschrift "Sports Illustrated" Solo noch vor Größen wie Michael Phelps und Tiger Woods zum "Sportsman of the Year". 2009 wurde sie in den USA zur Fußballerin des Jahres gewählt, 2012 und 2013 gar zur Welt-Torhüterin. Mittlerweile steht sie bei unglaublichen 88 Länderspielen ohne Gegentor - bei 175 Einsätzen.

Schlagzeilen über Schlagzeilen

So steil ihre sportliche Karriere verlief, so oft lieferte Solo den Boulevardmedien Steilvorlagen für Berichte über Skandale. Harmlos waren dabei noch ihre Nacktbilder für das Magazin "Body Issue" des Senders ESPN und der Auftritt in der TV-Serie "Dancing with the Stars".

2012 kam es zu Doping-Gerüchten um die Fußballerin. Die US-Antidopingagentur verwarnte Solo öffentlich wegen der Einnahme der verbotenen Substanz Canrenon. Die Torhüterin begründete die positive Probe mit einem Medikament zur Behandlung von Menstruationsbeschwerden. Der verbotene Inhaltsstoff sei ihr nicht bewusst gewesen. Die Teilnahme an den Olympischen Spielen in London war durch die Affäre jedoch nicht gefährdet.

Während der Spiele lieferte sich Solo einen handfesten Twitter-Streit mit Ex-Nationalspielerin und TV-Expertin Brandi Chastain. Chastain hatte die Spielweise des US-Teams kritisiert.

Außerdem sprach Solo in Interviews offen über Sex im Olympischen Dorf. Aussagen wie "Manche lassen sich einfach gehen und sind richtig verdorben. Ich war ebenfalls mit einer berühmten Person auf dem Zimmer", sorgten für ein breites Medienecho.

Zelle satt Standesamt

Auch nach Olympia geriet Solo vor allem durch Skandale abseits des Fußballplatzes in die Schlagzeilen. Den Tag ihrer geplanten Hochzeit verbrachte sie 2012 statt auf dem Standesamt im Polizeirevier. Am Morgen vor der Zeremonie war sie mit ihrem Verlobten, dem ehemaligen Football-Profi Jerramy Stevens, heftig aneinander geraten. Der angetrunkene Stevens wurde daraufhin von der Polizei verhaftet.