Mal wieder eine stürmische Woche für Freunde der feingeistigen Wochenrückschau. Vollgepackt mit Comebacks und Breaking News, die als Diskurskatalysator sämtliche Social Media Kommentarspalten in Schlachtfelder verwandeln können. Und wieder ist die Haute-Volee der Superprominenten ganz vorne mit dabei.

Marie von den Benken
Eine Kolumne
Diese Kolumne stellt die Sicht von Marie von den Benken dar. Informieren Sie sich, wie unsere Redaktion mit Meinungen in Texten umgeht.

Besonders im Fokus: Das Aluhut-Duo Michael Wendler und Xavier Naidoo. Beide Legenden der Verschwörungstheoretiker-Bubble hatten zunächst einige Jahrzehnte eher wenig Überschneidungspunkte. Musikalisch lagen zwischen "Sie liebt den DJ" und "Sie sieht mich nicht" größere Qualitätsunterschiede als zwischen Annalena Baerbock und Lothar Matthäus.

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Also, jetzt auf dem Fußballfeld. Bei anderen Fähigkeitskategorien liegen die beiden ja oftmals ziemlich gleich auf. Bei Kenntnissen der englischen Sprache zum Beispiel. "I wish we have a little bit lucky" und "Bacon of Hope" - da schlägt die Kompetenz-Polizei nicht unbedingt Alarm für den Verdacht der Hochbegabung. Dabei sind die Unterschiede ansonsten recht groß. Baerbock kommt, auch wenn man es nach ihren jüngsten Einlassungen zum Thema Nahostkonflikt nicht zwangsläufig vermuten würde, nach eigener Aussage "vom Völkerrecht", während Lothar Matthäus unumwunden zugibt: "Ich komme aus der Tiefe des Raumes!" Baerbock und Matthäus jedenfalls, die Michael Wendlers und Xavier Naidoos der Politik, warten noch auf ihr Comeback – Der Wendler und der Schwurbler haben ihres diese Woche bereits auf den Boulevardtisch gelegt.

Was Themenfelder abseits der musikalischen Einordnung betrifft, sind sich der Entdecker der 100-Prozent-Mortalitätsrate ("im September 2021 sind alle Corona-Geimpften tot!") und der Entdecker des größten Eliten-Skandals der Weltgeschichte ("Donald Trump hat tausende Kinder unter dem Central Park in New York gerettet, die dort gehalten wurden, damit Bill Gates und Bill Clinton ihr Blut trinken konnten") immer sehr fremd gewesen. Was dagegen die Affinität zu faktenallergischer Querdenker-Propaganda angeht, hätten sie Zwillinge sein können. Ein interessanter Wink des Klatschblatt-Schicksals also, dass ausgerechnet Steuerflüchtling Wendler und Intelligenzflüchtling Naidoo diese Woche quasi parallel ihren Wiedereintritt auf die mittelgroße Showbühne feiern durften. Eine weitere Analogie in den Leben der Kognitiv-Zwillinge Naidoo/Wendler, nachdem beide in den letzten Jahren aus niveauhygienischen Gründen von RTL aus der "DSDS"-Jury zwangsexmatrikuliert wurden.

Wendler Gondeln Trauer tragen (als Stringtanga)

Aber was genau ist passiert? Also: Der Wendler, dessen einzige Einnahme seit einigen Jahren der OnlyFans-Account seiner inzwischen nicht mehr minderjährigen Frau Laura Müller zu sein scheint, hat im Sexgame einen Ethikgang hochgeschaltet. Nachdem er gegen eine moderate Gebühr von knapp 50 Dollar pro Monat Aktbilder von seiner Gattin per Abo an seine und ihre, naja, Fans verkauft hat, landete er diese Woche den ganz großen Coup. Mit der Ankündigung, seine Frau Laura habe "es sich endlich getraut, mit zwei Männern zu machen" heizte das Dinslakener Marketinggenie die Vorfreude auf ein erstes Sextape mit seinem Nacktgoldesel an – nur um dann ein, man muss es wohl so nennen, Musikvideo zu veröffentlichen, in dem sich Laura Müller selbst besingt: "Ich mach es gern im Auto, den Knüppel in der Hand, aber nur im Ferrari, denn der ist mir bekannt".

Neben niveauseitigen Rückfragen ("Mein Bruder ist schwerbehindert und sitzt im Rollstuhl - bis gerade eben. Er ist tatsächlich aufgestanden, um diesen Müll auszuschalten") gab es statt millionenfacher Streaming-Revolution überraschenderweise lediglich Kommentarrekorde. Ich kann mich nicht erinnern, dass ein Musikvideo jemals in so kurzer Zeit so viele vernichtende Kritiken sammeln konnte. Gegen "Superstar" (so heißt er, der sagenumwobene Megahit von Laura Müller) ist selbst "Dragostea din tei" von O-Zone ein Welthit in der Ahnenreihe von "Imagine" (John Lennon), "Hey Jude" (The Beatles) oder "Stairway to Heaven" (Led Zeppelin). Und "Dragostea din tei" ist der einzige Song, bei dem ich regelmäßig Autoradios zerstöre. Aber warum soll ich allein leiden. Hier:

Ma-ia-hii, Ma-ia-huu!
Ma-ia-hoo, Ma-ia-haa!

Viel Spaß mit diesem Ohrwurm. Und vertrauen Sie mir – man verliert dabei sehr viel weniger Hirnzellen als bei den 2:52 Minuten geballtem Fremdscham von "Superstar". Der augenscheinlich als eher mittelmäßig getarnter Werbeclip für ein OnlyFans-Abo konzipierte Smash Hit kommt mit außergewöhnlich geschmeidigen Lyrics daher. Ein Beispiel? Gerne: "Bin auf OnlyFans Tag und Nacht. Ich weiß doch, was dich glücklich macht!" Wer braucht schon hochgeistig verkopfte Literaturergüsse wie von Westernhagen ("Mit Pfefferminz bin ich dein Prinz") oder Grönemeyer ("Deine Liebe klebt"), wenn er Perlen des Rotlicht-Raps wie "Schau auf meinen Body, findest du mich heiß? Deine Augen zieh'n mich aus, Martini liegt auf Eis!" haben kann?

Fast 700.000 Euro im Monat für Laura Müllers Brüste

Gut, die Discount-Shirin-David legt bei ihren Texten nicht in allererster Linie Wert auf künstlerische Wertbeständigkeit, aber dafür trägt sie im Video nur einen Hauch von Nichts. Und dieses Nichts ist keinesfalls auf ihre geistigen Kapazitäten beschränkt! Nackt, natürlich, sieht man den selbsternannten "Superstar" nicht – dafür soll man ja besagte 50 Dollar im Monat rausreißen. Eigentlich ein faires Angebot: Kostet etwa dasselbe wie DAZN mittlerweile und man sieht den ganzen Tag langweilige Bälle hin und her fliegen. Aber anders als bei DAZN bekommt man eine weitere beinahe unbezahlbare Serviceleistung mit dazu: Der Wendler singt garantiert nicht.

Ein bisschen flunkert sie in ihren romantischen Zeilen ein wenig, das muss man nach investigativer Kurzrecherche leider zugeben, aber wir im Rap-Biz nennen das "künstlerische Freiheit". Und wie wusste schon Danger Dan: Lieber von der Kunstfreiheit gedeckt als gar keinen Sex. Und Sex hat Laura Müller jede Menge. Im Prinzip rund um die Uhr, jedenfalls suggeriert sie das in ihrem als Musikvideo getarnten OnlyFans-Promoclip. Andererseits: Andauernde Höhepunkte zumindest wird sie erleben, davon kann ausgegangen werden.

Die Daten in ihrer als Rap Song dargebotenen Biographie stimmen nicht immer mit der Realität überein, das muss man zugeben. Müller, tja, wie soll ich sagen, ach, egal: rappt in ihrem Debut-Hit: "Bin auf OnlyFans ein Superstar. Habe hunderttausend Follower!" Aber: Diese Zahl ist nicht ganz zutreffend. Tatsächlich verfügt Laura Müller aktuell (Stand 22. April, 00:30 Uhr) lediglich über 13.400 Follower auf jenem OnlyFans.

Klingt im ersten Moment nach einem groß angelegten Flex-Scam, aber wenn man bedenkt, dass offenbar jeder dieser Subscriber 50 Dollar pro Monat für im Kinderzimmer angefertigte Latex-Nacktbilder zahlt, kommen dabei dennoch stattliche 670.000 Dollar pro Monat zusammen. Das sind beinahe 630.000 Euro – pro Monat! Dafür muss Fabio di Masi ganz schön viel Putin-Propaganda in soziale Netzwerke ballern, um auch nur auf ein Zehntel dieses Monatsumsatzes zu kommen. Notiere: Über OnlyFans-Account nachdenken. Denn an dieser Stelle sei mal aus dem Nähkästchen der Kolumnenbranche geplaudert: Mit einem Wochenrückblick wird man nicht innerhalb von zwei Monaten Millionär.

Ich Pocher auf mein Recht!

Vor lauter nackten Brüsten von Laura Müller hätte ich jetzt beinahe das nackte Grauen vergessen. Das zweite spektakuläre Comeback der Woche. Deutschlands beliebtester Comedian nach Luke Mockridge, Oliver Pocher, feierte den Rauswurf seines vermeintlichen Nebenbuhlers bei "Let's Dance" mit einem historischen Gast auf seiner Show in Saarbrücken. Pocher, frisch von der ungefähr 43. Ehefrau Amira getrennt, lenkt sich dieser Tage mit einer Deutschlandtour ab. In durchaus anständig abverkauften Hallen tritt er vor begeisterten Humorexperten aus seiner Kernzielgruppe auf: Zahnarzthelferinnen mit eigenartig gefärbten Haaren und rein weibliche Kegelclubs aus dem Ü50-Milieu.

Viele dieser gerade in Zeiten der gesellschaftlichen Kälte sehr wichtigen Zweckgemeinschaften haben aus Solidarität mit dem gehörnten Pocher ihren traditionellen Trip ins "Let's Dance" Studio nach Köln-Ossendorf dieses Jahr gecancelt und dafür lieber Tickets für Pochers spaßbefreites Comedyprogramm erworben. Teilweise für mehrere Städte. Und während die einen zur Güteklasse des Ex-Mannes von Sandy Meyer-Wölden sagen "Wenn man in Pocher nur drei Buchstaben austauscht, erhält man Pisser!", schwören andere, besagte Kegelclubgeschwader beispielsweise, Pocher wäre der lustigste Mann, den sie kennen. Und das trifft sich gut, denn Oliver Pocher ist auch der lustigste Mann, den Oliver Pocher kennt.

Als Spaßgarant der Generation Zahnersatz verhalf Pocher diese Woche dem ehemaligen Musik-Schwergewicht Xavier Naidoo zu seinem langersehnten Comeback. Also langersehnt von Naidoo. Und vielleicht von Moses Pelham, der viele der alten Naidoo-Hits geschrieben hat und dessen GEMA-Abrechnungen nach Naidoos Aluhut-Eskapaden signifikant eingekürzt daherkamen. Pocher aber, der schon Anne Menden zu einer Karriere-Renaissance verhalf, sieht stets das Gute im Menschen. Verschwörungstheoretischer Komplettabsturz? Egal! Antisemitische Ausfälle? Schwamm drüber. Singen kann er ja, der Xavier. Das schätzt offenbar auch Amira Pochers abgelegter Ex-Partner Oliver, der ihm das unerwartete Showcomeback während seiner Vorstellung in Saarbrücken ermöglichte. Saarbrücken ist etwa eine Autostunde von Mannheim entfernt, der Wahlheimat von Naidoo.

Der Auftritt, das wird für keinen der Beteiligten eine gigantische Überraschung gewesen sein, sorgte für mannigfaltige Kritik. Vor allem, da Pocher während der Coronazeit grundsätzlich eine Position vertreten hat, die umgekehrt proportional zu der von Naidoo verlief. Andererseits: Pocher polarisiert gerne und ist sehr umtriebig darin, mit provokanten Aussagen und Aktionen im so genannten Gespräch zu bleiben. Insofern ist es vermutlich das absolut kleinere Übel, dass Oliver Pocher die Woche mit Xavier Naidoo auf der Bühne stand. Er hätte stattdessen ja auch einen OnlyFans-Account eröffnen und der Nation seinen nackten Astralkörper präsentieren können. Von mir 10 von 10 Punkten auf der nach unten offenen "Bitte nicht"-Skala. Ebenfalls 10 von 10 Punkten bekommt die Wahrscheinlichkeit, dass ich kommende Woche an dieser Stelle wieder einen Wochenrückblick verfasse. Sie sehen: Es geht also immer noch schlimmer. Bis dahin!


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