Der GZSZ-Charakter von Valentina Pahde bekommt auf TVNow eine eigene Serie. Nach den ersten beiden Folgen fragt sich der Zuschauer aber eigentlich nur: Warum?

Eine Kritik
von Felix Reek

Sunny, geborene Richter, dann Lehmann, dann wieder Richter, hatte es nicht leicht. Am Abend vor ihrer Hochzeit betrog sie ihr Ehemann in spe mit einer anderen Frau. Sunny ging in Therapie.

Der nächste, Felix Lehmann, den sie wirklich heiratete, belog sie und intrigierte gegen seinen eigenen Bruder. Sunny absolvierte daraufhin den Jakobsweg.

Danach lernte sie Chris kennen, doch auch das funktionierte nicht. Der letzte Ausweg: Weg von allem. In eine eigene Serie.

Wer sich bei der Vita dieses exaltierten Gefühlslebens nun denkt "Hä?", ist offensichtlich kein Anhänger der RTL-Dauer-Soap "Gute Zeiten, schlechte Zeiten". In der spielt Valentina Pahde seit 2015 Sunny Richter.

Herausgefunden, wer sie eigentlich ist, hat sie in dieser Zeit offenbar trotz Therapie und Jakobsweg nicht, weshalb ihr RTL auf seiner Streaming-Plattform TVNow einen eigenen Ableger spendiert hat, der diese Frage beantworten soll: "Sunny - Wer bist du wirklich?"

Die Antwort darauf ist offenbar so wichtig, dass sie in den ersten beiden Folgen, die RTL zum Start am 1. Oktober auch im linearen Fernsehen ausgestrahlt hat, ständig wiederholt wird.

"Sunny": Klischees statt Provokation

Los geht es noch vor dem Vorspann mit einem Mord. Sunny liegt im Glitzerkleidchen nach einem durchzechten Abend im Bett, ihr Begleiter sagt aufgeregt: "Gestern Nacht im Klub, da ist etwas passiert. Ich hab eine Leiche gefunden."

Verschlafen antwortet Sunny: "Was für eine Leiche?" Eine Frage, die unbeantwortet bleiben wird. Außer ein paar Hochglanz-Flashbacks mit Blutflecken, Waffen und koksenden Menschen spielt der Mord in den ersten zwei Folgen keine Rolle mehr.

Stattdessen kommt Sunny in München an. Sie hat einen Platz in der "Master Class" eines berühmten Fotografen ergattert, wird aber nicht gerade herzlich empfangen. Die anderen Kursteilnehmer sind ein Haufen reicher Kinder, die im Mustang oder Lamborghini vorfahren und sich durch die Münchner Nachtklubs trinken.

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Wilson Gonzales Ochsenknecht gibt den Prollrebellen "Ove", was in der Serie ausgesprochen wie der Name seines Vaters klingt. Linda Rohrer versucht sich als Nihilismus-Light-Girly Ruby, Sarah Buchholzer ist das Provinzmädchen Kim, das in einer Bar strippt, um sich das Leben in München leisten zu können.

Sie sagen Sätze wie: "Diese Frau ist mal echt Borderline" oder "Die wurden von ihren Eltern gepampert bis zum get no". Wobei unklar bleibt, ob mitteljunge Menschen wirklich so sprechen oder ob das die Nachwehen dessen sind, dass der gesamte Cast 50 Tage lang zusammen in Quarantäne verbrachte, um "Sunny" drehen zu können. Eine in jeder Hinsicht beängstigende Vorstellung.

Sie alle treiben in den ersten Folgen durch einen Plot, der irgendwo zwischen Party-Eskapismus, Mutproben und einem angedeuteten Verbrechen pendelt, ohne einen wirklichen Sog zu entfalten. Dabei sollte doch genau das vermieden werden.

"Wir trauen uns, über Grenzen zu gehen und wollen provozieren", hatte Hauptdarstellerin Valentina Pahde vorab verkündet. "Egal, ob es um den Inhalt der Szenen geht oder um die Umsetzung. Wir sind frei von jeglichen Regeln und drehen sehr emotional und real."

Zu sehen ist davon in "Sunny" nichts. Die Serie bemüht sich vor allem, jede Regel und Grenze einzuhalten, die im Fernsehen schon immer galten. Eine Serie über reiche Kinder? Muss in München spielen. Einer ist der Rebell, einer der Mysteriöse, eine das Mauerblümchen, doch der Star ist die scheinbar oberflächliche Blondine in der viel mehr steckt.

Fehlt nur noch ein despotischer Ausbilder, der ein paarmal zu oft Stanley Kubricks "Full Metal Jacket" gesehen hat? Voilà, hier kommt Star-Fotograf Brian (Felix Lampert), der sich offensichtlich nur einen Gesichtsausdruck von Ausbilder Gunnery Sergeant Hartman gemerkt hat, während er “Wer! Bist! Du! Wirklich?”, brüllt.

Nach den ersten zwei Folgen von "Sunny" drängt sich nur ein Eindruck auf: Das! Interessiert! Wirklich! Niemanden!

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