Der "Tatort" hat aktuell Sommerpause. Die Zuschauer müssen sich deshalb mit älteren Folgen des Krimi-Formats zufriedengeben. Doch welche Wiederholung ausgestrahlt wird, können sie selbst mitbestimmen. Diese Woche hat "Willkommen in Hamburg" das Rennen gemacht. Fünf Fragen zum ersten "Tatort" von Til Schweiger.

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Während der Sommerpause zeigt das Erste gewöhnlich Wiederholungen älterer "Tatort"-Folgen. Anlässlich des 50-jährigen Jubiläums der Krimireihe darf in diesem Jahr das Publikum jede Woche aus einer Liste von insgesamt 50 Folgen aus 20 Jahren per Online-Wahl entscheiden, was gezeigt wird.

Wir schließen uns den Festlichkeiten an und feiern den Sieger mit fünf Fragen. Diese Woche gewann Til Schweigers erster "Tatort"-Fall "Willkommen in Hamburg". Als Kommissar Nick Schiller mischt er darin die Mädchenhändler vom brutalen Astan-Clan auf.

Wie erfolgreich ist Til Schweigers erster "Tatort"?

Willkommen in Hamburg" bekam insgesamt 16.056 Stimmen. Auf Platz 2 und 3 lagen "Kollaps" aus Dortmund" (14.152 Stimmen) und der Kieler "Borowski und das Meer" (13.031 Stimmen).

Bei der Erstausstrahlung im März 2013 brach Schweigers Folge einen Rekord, mit 12,57 Millionen Zuschauern hatte sie die höchste "Tatort"-Einschaltquote seit knapp 20 Jahren.

Allerdings schalteten bereits zwei Wochen später 12,99 Millionen den Münsteraner "Tatort: Summ, Summ, Summ" ein. Seitdem überflügeln Thiel & Boerne jeden Tschiller-"Tatort" – laut Til Schweiger haben sie das allerdings ihm zu verdanken.

"Unser Rekord hat ein neues Quotenrennen ausgelöst. Direkt danach hat der Münster-´Tatort` seine Quote gesteigert. Wir haben dem Format unheimlich gutgetan", so der Schauspieler 2018 zur "Bild"-Zeitung.

Gibt es diesen "Tatort" auch ohne Vorspann?

Der Vorspann jeder Folge mit den Augen im Fadenkreuz ist eherne "Tatort"-Tradition. In einem der Interviews anlässlich seiner "Tatort"-Premiere schimpfte Til Schweiger damals allerdings: "Also das finde ich irgendwie dämlich. Den Vorspann, der ist jetzt wirklich outdated. Und da werde ich für kämpfen, dass bei meinem ersten ‚Tatort‘ ein anderer Vorspann läuft."

Er kämpfte vergeblich. Aber immerhin: Als von der Serie unabhängigen Actionkrimi "Nick’s Law" verkaufte die NDR-Tochterfirma Studio Hamburg Enterprises die Folge ohne Fadenkreuz ins Ausland.

Unter anderem nach Italien und Belgien. Besonders die osteuropäischen Länder zeigten großes Interesse. Und die englische Nachrichten-Webseite inews.co.uk lobte "Nick’s Law" als einen Krimi, der "so hard-boiled ist, wie das für einen europäischen Krimi überhaupt geht".

Warum ist Kommissar Tschillers erstes Wort "Fuck"?

Das ist eine kleine Ehrerbietung gegenüber einer "Tatort"-Legende. Er habe sich vorgenommen, so Til Schweiger, "das Format so zu machen, wie ich das gerne sehen würde". Nämlich als "Schimanski 2012 reloaded".

Das erste Wort von Kommissar Horst Schimanski in seinem ersten Fall war "Scheiße". Dann flog ein Fernseher aus dem Fenster eines schmuddeligen Wohnhauses – und damit wurde 1981 mit elf Jahren "Tatort" aufgeräumt, mit gepflegten Kommissaren und gesitteter Ermittlungsarbeit.

Auch Tschiller kriegt von einem seiner Kollegen, die genervt sind von seiner rabiaten Art, sarkastisch erklärt: "Wir haben verhört, ermittelt und recherchiert – vielleicht ein bisschen outdated".

Schimanski war die Proleten-Version von Tschiller, auch so einer, der sich im Namen der Gerechtigkeit ohne Rücksicht auf Regeln durch seine Stadt prügelte, schoss und rollte.

Allerdings ritt Darsteller Götz George nicht ständig darauf herum, wie anders und um wie viel besser sein Ermittler sei.

Warum spielt Fahri Yardim nicht einen regelmäßigen "Tatort"-Kommissar?

Das wüssten wir auch gern. Der türkischstämmige Hamburger stiehlt Schweiger als ständig quasselnder loyaler Kollege und Kopf des Duos in jedem Tschiller-"Event-Tatort" die Show. Was übrigens für Schweiger spricht: Der hatte nämlich auf Yardim als "Tatort"-Partner bestanden.

Die beiden lernten sich 2005 bei den Dreharbeiten zu "Wo ist Fred?" kennen und spielten auch 2009 zusammen mit Christian Ulmen in der deutlich erfolgreicheren Kinokomödie "Männerherzen". In fast allen von Schweigers Kinohits war Yardim seither zu sehen.

Vielleicht ist der "Tatort" für den 39-Jährigen einfach zu uncool – schließlich ist Yardim ein gefragter Schauspieler, der sich inzwischen Zeit für Herzensprojekte wie die Doku "Fahri sucht das Glück" nehmen kann.

Darin durfte er für ProSieben durch die Welt reisen, um herauszufinden, was die Menschen glücklich macht. Mit der Comedyserie "jerks", die von der Freundschaft zwischen ihm und Ulmen handelt, hat Yardim zudem Kultstatus erreicht.

Außerdem spielt er durchaus regelmäßig Ermittler – zuletzt für die Netflix-Produktion "Dogs of Berlin". Weil die aber international vermarktet werden muss, wimmelt es nur so von Berlin- und Deutschland-Klischees. Neonazis und Fußball müssen natürlich auch vorkommen.

Dann doch lieber ein "Tatort". Inzwischen müsste Fahri Yardim ja auch keinen Klischee-Dogendealer in einer winzigen Nebenrolle mehr spielen.

2011 war er der türkische Kleinkriminelle Hasan in dem Ludwigshafener Lena-Odenthal-"Tatort: Tödliche Ermittlungen".

Ist es wirklich so schwierig, ein Ei weich zu kochen?

In "Willkommen in Hamburg" unternimmt Nick Tschiller mehrere vergebliche Versuche, seiner Tochter ein Frühstücksei zu kochen.

Das symbolisiert seine Schwierigkeiten als alleinerziehender Vater, der genug damit zu tun hat, Bösewichten die Birne weich zu hauen.

Tatsächlich ist das perfekte Ei gar nicht so einfach zu kochen. Der amerikanische Koch und Autor J. Kenji López-Alt, der für seine wissenschaftliche Herangehensweise an Probleme in der Küche berühmt geworden ist, unternahm ein Experiment mit 96 Freiwilligen und über 700 Eiern. Basierend darauf empfahl er in der "New York Times" folgende Methode: Etwa 2 cm hohes Wasser in einem Topf zum Kochen bringen, in dem die benötigte Menge Eier in einer Lage Platz findet.

Wenn das Wasser kocht, Eier hinzufügen und dafür sorgen, dass das Wasser weiterbrodelt. Besonders einfach geht das mit einem Garkorb, bei dem die Eier über dem Wasser im Dampf garen, weil sie dann die Wassertemperatur nicht senken.

Für die Kochzeit spielt es keine Rolle, ob die Eier das Wasser berühren oder nicht. Ein Loch in die Schale zu stechen ist außer bei extrem dünnschaligen Eiern übrigens nicht nötig.

Nach sechs Minuten haben Eier (Größe M, direkt aus dem Kühlschrank) ein flüssiges Eigelb und festes Eiweiß. Nach 8,5 Minuten ist das Eigelb laut López-Alt weich wie Pudding, nach elf Minuten gerade eben hartgekocht. Und schält man sie sofort, gehe das in 87 Prozent der Eier glatt vonstatten.

Und wie geht es mit Til Schweiger und dem "Tatort" weiter?

Bislang gibt es sechs "Tatorte" mit Kommissar Tschiller, der es immer wieder mit dem Astan-Clan zu tun bekommt.

Die Folge "Tschiller: Off Duty" wurde mit Blick auf den internationalen Markt als Kinofilm konzipiert und war erst danach in der "Tatort"-Reihe zu sehen – und zwar 2018 mitten in den Sommerferien und während der Fußball-WM.

Ihm hätte eine Ausstrahlung zum Auftakt der neuen "Tatort"-Saison oder noch später im Herbst angemessener erschienen, erklärte Schweiger damals der "Bild am Sonntag". Wie er sagte, hätte er sich "total im Regen stehen gelassen" gefühlt. Im Januar lief die bislang letzte Folge, "Tschill Out".

Angesichts der Regelmäßigkeit, mit der Schweiger auf die ARD, den "Tatort" und das deutsche Publikum schimpft, ist die weitere Zusammenarbeit eigentlich ein Wunder.

Laut NDR ist bis zur Sommerpause 2021 jedenfalls kein neuer Tschiller-"Tatort" geplant. NDR-Unterhaltungschef Thomas Schreiber sagte der "Bild" allerdings: "Wenn wir ein gutes Drehbuch finden, machen wir weiter."

Wird Tschiller weiter ermitteln?

Wird Til Schweiger auch weiterhin als "Tatort"-Kommissar ermitteln? Diese Frage stellt sich nach dem am Sonntag gezeigten Tschiller-"Tatort". Der "Bild" verriet der Schauspieler schon, unter welchen Bedingungen es noch weitere Folgen geben wird.