"Tatort"-Kommissarin Lindholms neuer Fall führt sie rein privat ins Hamburger Luxushotel Atlantic. Dort trifft sie auf seinen berühmten Dauerbewohner Udo Lindenberg. Aber auch Starregisseur Detlev Buck hat es im menschenleeren Hotel gut gefallen: Hintergründe zum "Tatort: Alles kommt zurück".

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2019 veranstaltete MTV ein Unplugged-Konzert im Hotel Atlantic. Zu den Gästen, die mit Lindenberg seine Hits sangen (unter anderen Jan Delay, Marteria, Alice Cooper) gehörte auch Maria Furtwängler, die wegen ihrer Rolle als Kommissarin Lindholm mit ihm für das Lied "Bist du vom KBG" auf der Bühne stand, mit Zeilen wie "Bist du vom KGB oder vom BND/ Oder vom CIA?/ man weiß es nicht genau/ Geheimnisvolle Frau/ weil du so cool bist."

Maria Furtwängler erzählt: "Danach stand mit einem Mal seine Idee im Raum: 'Wie wär's, wenn ich umgekehrt einmal in deinem 'Tatort' auftreten würde?'. Mir war rasch klar, dass Udo nicht einfach in irgendeine Rolle schlüpfen kann. Udo ist Udo, eben eine Ikone. Die Lösung bestand darin, für das Unikat Udo samt original Udo-Setting – seinem Hotelzuhause – eine Geschichte zu erfinden, die Charlotte Lindholm aus ihrem gewohnten Umfeld herausholt." Drehbuchautor Uli Brée schrieb "Und alles kommt zurück" also auf Udo Lindenbergs Gastauftritt hin zu.

Udo Lindenbergs Verbindung zum "Tatort" besteht schon viel länger

Bevor er als Rocker mit seiner Band Panikorchester berühmt wurde, spielte Udo Lindenberg in den siebziger Jahren Schlagzeug in der Band Passport des Jazz-Saxophonisten Klaus Doldiger. Von Doldiger stammt die Originalversion der "Tatort"-Titelmelodie, Lindenberg spielte auch hier das Schlagzeug.

1974 hatte er seinen ersten Gastauftritt als er selbst im NDR-"Tatort: Kneipenbekanntschaft" mit dem recht kurzlebigen Kommissar Heinz Brammer (Knut Hinz). "Wir stehen uns irgendwie nah, der "Tatort" und ich, und beides geht immer weiter", sagt Udo Lindenberg zu seiner Beziehung zur deutschen Krimi-Institution: "Wie wir von der Panik, so erfindet sich der 'Tatort' auch immer wieder neu und bleibt dabei sich selber treu."

Wieso lebt er im "Atlantic"?

Udo Lindenberg hat seit Mitte der neunziger Jahre zwei Zimmer im Hotel dauergemietet, hinzu kommt ein Atelier, wo er an seinen Bildern arbeitet. Im Interview mit der Osnabrücker Zeitung erklärte er 2014, warum er das Hotelleben so liebt:

"Da habe ich alles – meine Ruhe, wenn ich sie haben will, aber auch jede Menge total unterschiedliche Leute an der Bar, wenn ich das haben will. Mit denen kann ich über Texte, Shows und alles Mögliche reden, wann immer ich will. Das ist ein bisschen so wie eine WG."

Das Wohngemeinschaftsleben schätzte der Musiker schon zuvor: In den Siebzigern lebte er mit unter anderem dem Kollegen Marius Müller-Westernhagen und Komiker Otto Waalkes in der Villa Kunterbunt in Winterhude, einem zentralen Treffpunkt der Hamburger Szene. Lindenberg hat inzwischen allerdings einen zweiten Wohnsitz am Potsdamer Platz in Berlin, wohin er auch während der Corona-Krise umsiedelte.

Und wie lebt er im Hotel?

Im "Tatort" ist Udo Lindenbergs Unterkunft natürlich nicht zu sehen. In der Talkshow 3 nach 9 verriet Maria Furtwängler 2019 aber, wie es bei ihm aussieht: Es sei "viel kleiner“ als die eines Popstars "würdige Suite", die sie erwartet habe. Stattdessen kam sie "in zwei Zimmer die voll waren mit Dingen die an Udo erinnern, seinen Bildern, und einer Rudermaschine".

Auch Udos spärliche Garderobe habe sie erstaunt: "Fünf Mal mehr oder weniger dieselbe Jacke, sechs Mal dieselbe Hose". In der Gala fügte sie kürzlich hinzu: "Alles ist voll mit seinen Bildern und Farben und zahllosen Büchern". Es sei "sehr gemütlich und auf charmante Weise unspektakulär."

Kann ich dort auch einziehen?

Einige der 22 Suiten des Luxushotels werden über eine Maklerfirma an Langzeitgäste vermietet, die Preise für ein bis drei Zimmer von 60 bis 130 Quadratmeter Wohnfläche beginnen laut der Webseite bei 5000 Euro im Monat.

Wie kam es zum ersten "Tatort" mit Detlev Buck?

Hauptdarstellerin Maria Furtwängler, die diesen "Tatort" erstmals koproduzierte, hatte kurz zuvor mit Detlev Buck zusammengearbeitet. Und fand, dass "die Kombi Udo Lindenberg und 'Tatort' eine Regie mit sehr eigenwilligem, unkonventionellem Blick verdient. Die Wahl fiel da fast zwangsläufig auf Detlev Buck. Einerseits ist er ein Vollprofi, stets hundertprozentig vorbereitet und klar strukturiert am Set. Andererseits hat er den kleinen Jungen in sich bewahrt, der Freude an Überraschungen und Verrücktheiten hat."

Für Detlev Buck kam die Anfrage im richtigen Moment, deswegen habe er zugesagt: "Ich hatte Zeit, es war mitten im Lockdown und die Lust groß, das leere Hotel, unseren Hauptdrehort, wieder in einen schönen mythologischen Ort zu verwandeln für einen, sozusagen, Hotelfilm. Sonst müsste mitten im vollen Betrieb ja alles abgesperrt werden. Sich recht frei in den Räumen bewegen zu können, hat auch die künstlerische Freiheit belebt."

Gibt es Somnophilie wirklich?

Über den Ermordeten im "Tatort" wird gesagt, er habe an Somnophilie gelitten. Dabei handelt es sich um eine Paraphilie, also ein von der Norm abweichendes sexuelles Verhalten. Von Somnophilie wird gesprochen, wenn jemand dadurch erregt wird, dass der Sexualpartner nicht bei Bewusstsein ist.

Das amerikanische Psychologielexikon "Dictionary of Psycholology" klassifiziert die Somnophilie seit 2001 als "predatory paraphilia", räuberische Paraphilie. Manche Betroffene masturbieren beim Anblick der schlafenden Person; kommt es zum Sexualakt, kann rein rechtlich von einer Vergewaltigung gesprochen werden.

Zuletzt fand der Begriff Beachtung in den Medien, als der Anwalt des amerikanischen Fernsehstars Bill Cosby 2015 darauf plädierte, sein Mandant leide an Somnophilie. Cosby wurde vorgeworfen – wie dem Toten im "Tatort" – seine Opfer mit Hilfe von Drogen betäubt und sie dann missbraucht zu haben.

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