Bislang vermittelte das TV-Programm nicht den Eindruck, dass man noch mehr Kochshows braucht. Sat.1 hält jedoch seit Donnerstagabend mit "Kühlschrank öffne dich!" dagegen und lässt Profis für Amateure Essen aus deren Kühlschränken zubereiten. Damit macht die Show zwar nicht alles neu, aber vieles richtig.

Christian Vock.
Eine Kritik
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Kochen im Fernsehen ist eigentlich recht simpel: Man braucht einen, der kocht, einen der isst und natürlich einen, der das Ganze filmt. Gut, das sind jetzt nur die Grundzutaten, aber nach denen funktioniert Kochen im Fernsehen bereits seit Jahrzehnten und man hat das Gefühl, dass es seit ein paar Jahren ganz besonders gut funktioniert.

"Lafer! Lichter! Lecker!", "Die Küchenschlacht", "The Taste", "Das perfekte Dinner", "Kitchen Impossible", "Grill den Henssler" und wie sie alle heißen: Mehr Kochen und Fernsehen auf einmal gab es eigentlich nur, als Jan Josef Liefers seinerzeit den Fernsehkoch und Erfinder des Toasts Hawaii, Clemens Wilmenrod, spielte.

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In diesen ohnehin schon rappelvollen Kochshow-Markt schmeißt nun Sat.1 am Donnerstagabend eine weitere Brat-und-Brutzel-Show: "Kühlschrank öffne dich! - Das Duell der Kochprofis", wie die Show laut Geburtsurkunde im Ganzen heißt. Und natürlich funktionieren auch hier die Grundzutaten jeder Fernsehkochshow, also kochen, essen und filmen.

"Kühlschrank öffne dich!": Kochen, was der Kühlschrank hergibt

Die, die kochen, das sind bei "Kühlschrank öffne dich!" der Wiener Koch Alexander Kumptner und die "The Taste 2021"-Gewinnerin Hanna Reder - beide also bereits mit TV-Koch-Erfahrung. Die beiden bilden quasi die Haus-Köche und wetteifern in jeder Folge gegen ein anderes Profi-Fernsehkoch-Team. In der Auftaktfolge sind das Ali Güngörmüş und Richard Rauch, die ebenfalls bereits mehrfach um Fernsehkochtöpfe herum geschlichen sind.

Bei denen, die essen, weicht "Kühlschrank öffne dich!" ein bisschen von den eingetretenen Pfaden ab, denn hier bewertet nicht eine Jury aus Profiköchen die Gerichte, sondern verschiedene Otto Normalos. Und die führen dann auch schon direkt zu denen, die filmen, denn da es Kochshows ja bereits in Hülle und Fülle gibt, muss man die drei Grundzutaten noch ein bisschen würzen, um der Show eine eigene Note zu geben.

Hier bedient sich "Kühlschrank öffne dich!", der Titel gibt bereits den Hinweis, einer Variation, denn hier kommt nicht irgendetwas in den Kochtopf, sondern das, was die Laien-Jury so zu Hause im Kühlschrank hat. In Folge eins sind das jeweils eine Familie, außerdem tritt noch eine Fünfer-WG an.

Deren Kühlschrankinhalte werden für die Show kopiert und die Profiköche müssen daraus dann in drei Runden etwas zaubern, das den Familien beziehungsweise den fünf WG-Bewohnern schmecken könnte. Wer am Ende die beste Durchschnittsbewertung bekommt, gewinnt.

Kochen für Unbekannte

Das ist jetzt kein völlig neues Konzept, aber es hebt sich doch auffallend angenehm von anderen Kochshows ab, in denen eine deutlich härtere Wettkampfatmosphäre herrscht, wenn Profis über Profis oder ambitionierte Laien urteilen. Am Ende kann es für den Zuschauer ohnehin wurscht sein, schließlich muss er der Jury glauben, ob die Sachen schmecken - egal, ob Profis oder nicht.

Natürlich kommt auch "Kühlschrank öffne dich!" nicht ohne Wettkampfcharakter aus, aber am Ende kämpfen die Köche auch hier nur um die goldene Ananas. Wichtiger, weil witziger ist hier, wie die Koch-Teams die Sache angehen.

Dazu müssen sie aus den Sachen, die im oder am jeweiligen Kühlschrank sind, erst einmal herauslesen, für wen sie da eigentlich kochen: Vegetarier oder nicht? Sind Kinder dabei? Für wie viele Menschen ist das Essen? Worauf stehen wohl die Kühlschrankbesitzer?

Und damit das Ganze nicht zu einfach wird, ist die Zeit pro Runde mit 30 Minuten denkbar knapp, zumal die Köche zwischendrin auch noch Sonderaufgaben wie die Verwendung eines bestimmten Gewürzes erfüllen müssen. Noch dazu sind die Hinweise zur Jury, die Moderatorin Ruth Moschner irgendwann während des Kochens gibt, auch mehr Belastung als Hilfe, denn wenn etwa die Köche erst kurz vor Schluss erfahren, dass noch Karottenmuffins gewünscht sind, kommen selbst die Profis ins Schwitzen.

Alexander Kumptner: "Ich salze die ganze Zeit, ich Arsch!"

Und so gerät "Kühlschrank öffne dich!" zu einem kleinen StrEsstest für Fernsehköche. Denn was soll man für jemanden kochen, der laut seiner Familie zu allem Ketchup isst - außer in Suppen und Kaffee?

Die Profis sind sich jedenfalls sicher, dass es sich bei dieser Person um ein Kind handeln muss und so sitzt am Ende der Ketchup liebende Familienvater vor einem Kinderteller mit frittiertem Hähnchen auf Ketchup-Grinsegesicht: "Ich schätze mal, mein Alter war vorher nicht bekannt gewesen", nimmt es Papa Adam mit Humor.

Es sind diese kleinen Spielchen, die "Kühlschrank öffne dich!" zwar nicht in den Olymp der Fernsehunterhaltung katapultieren, aber immerhin knapp zwei Stunden lang für angenehme Ablenkung sorgen. Nebenbei bekommt man dann auch noch als Zuschauer ein paar kulinarische Informationen, etwa, was ein French Toast ist oder dass man versalzenes Essen recht schlecht reparieren kann.

Zumindest erklärt das Alexander Kumptner, als er den Klassiker unter den beliebtesten Koch-Fehlern unabsichtlich vorführt: "Ich salze die ganze Zeit, ich Arsch! Ich hab gedacht, es ist Zucker!"

Kumptner und seine Teamkollegin Hanna Reder gewinnen am Ende trotzdem gegen Güngörmüş und Rauch, aber das ist, wie bereits erwähnt, überhaupt nicht von Belang. Denn alles in allem hat Sat.1 mit "Kühlschrank öffne dich!" doch ziemlich viel richtig gemacht.

Ein paar ehrgeizige, aber nicht zu ehrgeizige Fernsehköche, endlich mal wieder ein paar Nicht-Promis in einer TV-Show, eine unterhaltsame, weil unaufdringliche Moderation und ein Konzept, bei dem der Weg das Ziel ist und nicht das Ziel. So funktioniert kochen, essen, filmen doch ganz gut.

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