Zum Jahresausklang öffnete ProSieben noch einmal die "Schlag den Star"-Arena und Horst Lichter und Michael Kessler kamen hereinspaziert. Am Ende wurde es ein chancenloser Abend für einen der beiden. Für den Zuschauer hingegen ein TV-Debakel mit wenig Licht und sehr viel Schatten.

Eine Kritik
Diese Kritik stellt die Sicht von Christian Vock dar. Informieren Sie sich, wie unsere Redaktion mit Meinungen in Texten umgeht.

Wenn eine Show "Schlag den Star" heißt, könnte man die einigermaßen begründete Hoffnung haben, dass ProSieben es zum Jahresende in puncto "Star" noch einmal richtig krachen lässt. Nun will man Horst Lichter und Michael Kessler nicht zu nahe treten, aber um es mal so zu formulieren: Es gibt größere Stars in Deutschland als den TV-Trödler Lichter und den Parodisten Kessler.

Allerdings wissen wir vom Fußball: "Trikots schießen keine Tore". Will heißen: Große Namen müssen noch lange keine große Unterhaltung bedeuten – es könnte also trotzdem ein unterhaltsamer Samstagabend werden. Es könnte. Dass er es nicht wurde, lag aber nicht am Grad der Prominenz, sondern am Grad der Chancengleichheit. Denn ein Wettkampf wie "Schlag den Star" ist natürlich dann am spannendsten, wenn die Kontrahenten in etwa vom gleichen Kaliber sind.

Horst Lichter (l.) gegen Michael Kessler. © ProSieben / Steffen Z. Wolff

Das kann man im Vorfeld natürlich nur grob einschätzen, aber das Duell Lichter gegen Kessler war in puncto Chancengleichheit ganz offensichtlich eine Fehleinschätzung, denn – Vorsicht Spoiler! – Michael Kessler ließ Horst Lichter am Samstagabend nicht den Hauch einer Chance. Vielleicht hatte man sich zu sehr von der vermeintlich lustigen Idee leiten lassen, dass Kessler im Laufe seiner TV-Karriere bereits mehrmals in die Rolle des Horst Lichter geschlüpft ist und Horst Lichter gegen Horst Lichter wäre natürlich die gerechteste Paarung gewesen.

"Schlag den Star": Permanent-Parodien von Michael Kessler

Dass es ein, selbst für ein XXL-Format wie "Schlag den Star", überdurchschnittlich langweiliger Abend wurde, lag aber nicht an der Auswahl der Kandidaten – zumindest nicht nur. Allerdings gab schon das erste Spiel einen kleinen Hinweis, wie zäh das alles werden würde. Lichter und Kessler mussten zum Einstieg nämlich mit einer unnötig langen Kerzenglocke je eine Reihe Kerzen löschen.

Eine ziemliche Friemelei, so dass man schon Angst haben musste, dass die Kerzen noch vor Spielende runtergebrannt sind. Doch bei ProSieben war man offenbar der Meinung, dass das Ganze unterhaltsamer wird, wenn man drei Durchgänge gewonnen hat. Ein Irrglaube, dem ProSieben noch mehrere Male an diesem Abend unterliegen sollte. Die Rechnung, dass ein Spiel oder auch die ganze Show unterhaltsamer ist, je länger sie dauert, ging also auch in dieser Ausgabe wieder nicht auf.

Wenn schon das Show-Konzept nicht auf maximale Unterhaltung ausgelegt war, was ist dann mit den Hauptdarstellern dieses Abends? Da gab es ein bisschen Licht, aber auch viel Schatten. Michael Kessler etwa war den ganzen Abend über im Schauspiel- und Parodier-Modus, so dass man nie richtig sehen konnte, wer eigentlich hinter all den Stromberg- oder Lichter-Parodien steckt. Dieses Permanent-Parodieren kann man unterhaltsam finden – oder auch einfach anstrengend.

Teenager-Humor von Elton

Bei Horst Lichter hingegen hatte man das Gefühl, auch stets Horst Lichter zu bekommen und damit auch zwei nette Anekdötchen. "Das ist die Leggins von Verena Pooth. Die hab ich von ihr geliehen bekommen", verriet Lichter gleich zu Beginn über sein Outfit und Kommentator Ron Ringguth gab Lichters Story weiter, dass sich der TV-Koch einst bei der "TV total Stock Car Crash Challenge" erst bei einem Zusammenstoß drei Rippen gebrochen habe und dann im Auto vergessen wurde.

Auch am Samstagabend zeigte Lichter Einsatzbereitschaft. Dass der 61-Jährige erst um kurz vor halb eins sein erstes – und einziges – Spiel zum Zwischenstand von 10:45 gewann, kann man ihm also nicht vorwerfen. Spannend war die Ausgabe ab einem gewissen Zeitpunkt aber trotzdem nicht, auch wenn Elton die Situation mit einem "Es war ja immer eng" zwischendrin schönzureden versuchte. Apropos Elton: Wie schlug der sich denn am Samstagabend?

Nun ja. Von peinlich über sehr peinlich bis witzig war eigentlich alles dabei. Peinlich wurde es, als sich Elton bei der Quizfrage, wann 2023 der Eurovision Song Contest stattgefunden hat, selbst in den Mittelpunkt rückte. "Ich weiß es ganz genau", erklärte Elton in Anspielung darauf, dass er damals die deutschen Punkte verkünden durfte. "Du weißt ja hier alles", erwiderte Michael Kessler daraufhin genervt. Sehr peinlich wurde es hingegen, als Elton Altherrenzoten mit den Wörtern "knallen" und "hochkriegen" riss.

Michael Kessler gewinnt spät, aber deutlich

Dass es auch deutlich niveauvoller und witziger geht, zeigte sich bei einem Spiel, bei dem Lichter und Kessler auf einem kleinen Feld unvorhersehbar aufleuchtende Kästen mit einem Fußball treffen mussten. Das wurde bei beiden ganz schnell zu einem Trauerspiel, selbst für Menschen, die noch nie etwas von Fußball gehört haben. Nun ist es kein Verbrechen, nicht Fußball spielen zu können, dennoch sorgten Elton, aber vor allem Ron Ringguth bei diesem Fußball-Desaster für ein paar Lacher.

"Ich glaube persönlich: Er spielt es nicht, dass er’s nicht kann", machte sich Ron Ringguth etwa über die Fußballkünste von Michael Kessler lustig. "Ich sag’ mal so: Der FC würd dich noch nehmen", witzelte Moderator Elton daraufhin über Kessler und die aktuelle Situation des 1. FC Köln. "Muss das jetzt mit der Wiederholung nochmal sein?", setzte Ringguth noch einen drauf, als Kesslers "beste Szenen" noch einmal in Zeitlupe gezeigt wurden. Kesslers Trost: Horst Lichter löste die Aufgabe noch schlechter als er.

Die Fußball-Episode sollte aber nur ein kurzes Unterhaltungszwischenhoch sein, der Rest des Abends zog sich doch reichlich hin. Bezeichnend, dass die Lichterschießerei erst das fünfte von maximal 15 Spielen war, die Uhr da aber schon 22:30 Uhr anzeigte. "Wie lange müssen wir uns das noch anschauen?", fragte Ron Ringguth bezogen auf Kesslers Fußballdarstellung – er hätte das Gleiche aber über die gesamte Ausgabe sagen können. Denn es dauerte noch weitere zweieinhalb Stunden, bis Michael Kessler endlich den Deckel zum Endstand von 68:10 auf den Abend machte.

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