Lang hat sie sich bitten lassen, die selbst ernannte Königin der Trash-TV-Unterhaltung. In Folge drei des "Sommerhaus der Stars" nimmt Claudia Obert bei RTL+ nun endlich Fahrt auf und sorgt für Kurzweil. Zumindest für das, was sie dafür hält. Aber lange währt Oberts Arbeitseifer nicht.

Eine Kritik
Diese Kritik stellt die Sicht von Christian Vock dar. Informieren Sie sich, wie unsere Redaktion mit Meinungen in Texten umgeht.

Man kann Walentina Doronina wirklich keinen Vorwurf machen. Die schuftet und ackert in den bisherigen beiden Folgen wie verrückt, damit der Zuschauer zuhause das bekommt, was er beim "Sommerhaus der Stars" erwartet: Lärm, Gekreische, Pöbeleien und Beleidigungen. Hier ein Streit mit Aleks Petrovic, dort ein Wortgefecht mit Freund Can Kaplan – Doronina, so zeigt es zumindest der Schnitt – scheint sich bereits nach zwei Folgen vom Rest der Truppe isoliert zu haben.

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Und selbst im Augenblick des Triumphes, als sie sich in der vergangenen Folge durch ein Spiel vor einer Hinauswahl retten kann, bleibt Doronina die emsige Arbeiterin im Weinberg des Trash-TVs und streckt der Konkurrenz beide Mittelfinger ins Gesicht. Nein, Doronina ist alles andere als faul, auch wenn ihr ihre Provokationen und Beleidigungen scheinbar spielerisch von der Hand zu gehen scheinen.

"Ich schwör’s dir, ich nehm euch sowas von auseinander!"

Doch was ist mit den anderen? Da lassen lediglich Maurice Dziwak und seine Freundin Ricarda Raatz erkennen, dass sie nicht gewillt sind, "Das Sommerhaus der Stars" ohne öffentliche Streitigkeiten zu verlassen, egal, ob externe oder interne. Und Maurice packt noch am Abend die Gelegenheit beim Schopfe und fordert Doronia, kaum hat die ihre Mittelfinger wieder eingepackt, auf: "Wähl mich bitte in die Exit-Challenge! Ich schwör’s dir, ich nehm euch sowas von auseinander!"

Und in der Tat geht Doronina daraufhin die Teilnehmerliste durch: "Justine? Fake. Aleks? Fake. Maurice? Fake." Auf der Gegenseite gehen Maurice Dziwak erst die Nerven und dann die Manieren durch. Er hat Angst, das "Sommerhaus" als Erster verlassen zu müssen und findet in Freundin Ricarda einen exzellenten Sündenbock: "Weil du dich die ersten zwei Spiele nicht angestrengt hast. Weil sonst wären wir nicht in dieser Situation", faucht Dziwak, warum er gerade so aggressiv gegenüber Raatz ist.

Doronina spielt Tags drauf mit Claudia Obert Gedankenspiele, ob nicht vielleicht nun Obert bei den anderen auf der Abschussliste steht. Die erkennt die Gefahr und glaubt: "Ich bin für die alle zu anstrengend. Guck mal diese Langweiler an, wie sie da hocken!" Da muss RTL aber massenweise brisantes Material unter den Schneidetisch fallengelassen haben, denn die einzige Szene, die von Obert bislang im Gedächtnis geblieben ist, ist der simulierte Koitus im Garten und das war nach wenigen Minuten der ersten Folge.

Claudia Obert legt los

Aber so klaffen Fremd- und Selbstwahrnehmung eben auch im "Sommerhaus" auseinander – zumindest bislang. Denn in Folge drei nun, kommt Obert ihrem selbst zurecht gezimmerten Ruf dann doch noch nach. Nach einem kurzen, aber heftigen Streit um ein Hähnchen, das sich Doronina und Kaplan unter weitgehendem Ausschluss der anderen zubereitet haben, hat Obert einen Kommentar für Edith Stehfest parat, die sich offenbar bisher ums Essen gekümmert hat: "Deren Essen schmeckt wie sie aussieht. Die Alte weiß wahrscheinlich selber, wie panne sie aussieht."

Bei RTL wird man sich über so eine Beleidigung gefreut haben, es wäre dem Finanzamt nur schwer zu erklären gewesen, zahlte man Obert ein Honorar nur fürs Trinken. So aber kann alles korrekt gebucht werden, zumal Stehfest den Affront mitbekommt: "Wie seh’ ich denn aus für dich?", fragt Stehfest bei Obert nach und die Obert hat eine Antwort parat – nur keine auf Stehfests Frage: "Ich hab’ das denen gesagt, ich hab’s nicht dir gesagt."

Das ist in der Sache zwar richtig, die Beleidigung aber bleibt. Und so gibt es für Obert eine klare Ansage von Stehfest und weil Obert, da sie nun schon mal bei der Arbeit erschienen ist, im Zuge der allgemeinen Aufregung nun auch noch Justine Dippl Langweiligkeit vorwirft, bekommt sie von dieser Seite auch noch eine Empfehlung: "Denk einfach mal drüber nach, wie du mit Menschen umgehst!"

"Sie hat seit zwölf Stunden keinen Alkohol mehr gehabt"

Nachdem der erste Rauch verflogen ist, rekapituliert jede Partei in ihrer Ecke das soeben Geschehene: "Ich lass mich doch nicht von so einer … Entschuldigung! Muss jeden morgen ihre Tablettchen nehmen, um hier überhaupt zu funktionieren!", heißt es von Dippl, bei Obert klingt es so: "Und dauernd diese psychosomatische Klinik hier, diese ganzen Befindlichkeiten! Von Nullen belagert bin ich." Und weil Obert die bis dato unbeteiligte Pia Tillmann auch noch beleidigt, zieht Stehfest folgendes Fazit: "Aber sie hat seit zwölf Stunden keinen Alkohol mehr gehabt, jetzt muss sie austeilen. Die zittert schon."

Streit gibt es also bis hierhin genug, fehlt nur noch Streit bei einem Spiel. Dafür geht RTL wieder den einfachen Weg und lässt die Promis mit einem Handbohrer von unten Löcher in ein Brett bohren, um Luftballons auf der anderen Seite zum Platzen zu bringen. Er bohrt unter dem Brett, sie koordiniert ihn von oben. Ein eskalatorischer Beziehungskiller-Selbstläufer. Oder wie es Maurice Dziwak nach einer Anweisung seiner Ricarda formuliert: "Schatz, halt’s Maul!"

Die Essenz jeder Folge kommt wie immer am Abend der Nominierung. Weil sich beim Bohr-Spiel Justine Dippl und ihr Freund Arben Zekic retten konnten, ist die Auswahl der Kandidaten klein. Am Ende bekommen Claudia Obert und Max Suhr die meisten Stimmen, was bedeutet, dass Oberts Arbeitseifer, kaum hat er begonnen, schon wieder auf Eis gelegt wird.

Die Obert glaubt trotz ihres Kurzeinsatzes immer noch an die eigene Entertainment-Überlegenheit und hat ein Schlussstatement vorbereitet: "Die kotzen mich alle an, diese blutleeren Langweiler!" Offenbar verwechselt Obert hier wieder Beleidigungen mit Unterhaltung, aber so weit die Vorschaubilder verraten, stehen ihr die Kollegen im Sommerhaus da in der kommenden Folge nichts nach.

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