Deutschlands letzter großer Warenhauskonzern will insgesamt 62 Filialen in 47 Städten schließen. Für die Beschäftigten ist das eine Hiobsbotschaft und für die betroffenen Kommunen ein tiefer Einschnitt. Trotzdem gehen die Maßnahmen einigen Experten noch nicht weit genug.

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Es ist ein düsterer Tag für Galeria Karstadt Kaufhof (GKK) und seine Beschäftigten: Deutschlands letzter großer Warenhauskonzern hat am Freitag die Schließung von 62 seiner 172 Warenhäuser angekündigt. Betroffen sind Häuser in allen Bundesländern außer in Thüringen

Insgesamt 5.317 Mitarbeiter werden dadurch nach Angaben des Gesamtbetriebsrates ihre Arbeit verlieren - und viele Innenstädte einen ihrer wichtigsten Anziehungspunkte. Die Gewerkschaft Verdi hatte zuvor sogar von rund 6.000 der aktuell 28.000 Beschäftigten gesprochen, die von dem Kahlschlag betroffen seien.

In 47 Städten werden Filialen dichtgemacht

Insgesamt will der angeschlagene Warenhauskonzern Filialen in 47 Städten schließen. Allein in Berlin sollen sechs der elf vorhandenen Kaufhäuser dichtgemacht werden, in Hamburg vier, in München drei, in Dortmund, Düsseldorf, Essen und Nürnberg jeweils zwei Geschäfte.

Doch trifft es auch viele kleinere Kommunen wie Goslar, Lübeck oder Worms. Der Vizepräsident des Deutschen Städtetages, Markus Lewe, sagte: "Die massenhaften Schließungen von Filialen bei Karstadt Kaufhof sind für die betroffenen Städte ein tiefer Einschnitt. Mit diesen Kaufhäusern geht ein Ort der Versorgung und Begegnung verloren."

Neben den Warenhäusern und zwei Schnäppchencentern werden nach Angaben des Gesamtbetriebsrats auch 25 Reisebüros geschlossen. Noch offen ist das Schicksal der Karstadt-Sports-Häuser. Hier gelten mehr als zwei Drittel der rund 30 Filialen als gefährdet.

Geschäftsführung nennt Schließungen "unvermeidlich"

Die Geschäftsführung von Galeria Karstadt Kaufhof bezeichnete die Maßnahmen als unvermeidlich. "Wir wissen, was dies für die betroffenen Mitarbeiter bedeutet. Aber dieser Schritt ist ohne Alternative, weil diese Filialen den Gesamtbestand des Unternehmens gefährden", sagte der GKK-Generalbevollmächtigte Arndt Geiwitz.

Letztlich gehe es darum, Galeria Karstadt Kaufhof und damit viele Tausend Arbeitsplätze zu sichern. Ursprünglich hatte die Geschäftsführung sogar bis zu 80 Geschäfte dichtmachen wollen.

Galeria Karstadt Kaufhof war durch die Schließung aller Filialen wegen der Coronakrise stark gebeutelt und hatte Anfang April Rettung in einem Schutzschirmverfahren gesucht. Galeria Karstadt Kaufhof rechnet durch die Pandemie und den dadurch ausgelösten Konjunkturabschwung bis Ende 2022 mit Umsatzeinbußen von bis zu 1,4 Milliarden Euro.

Handelsexperten gehen Maßnahmen nicht weit genug

Handelsexperten zeigten sich im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur allerdings unsicher, ob die Einschnitte wirklich reichen werden, um die Zukunft des Unternehmens zu sichern. Gerrit Heinemann von der Hochschule Niederrhein sagte: "Galeria Karstadt Kaufhof will mit 110 Warenhäusern weitermachen. Die meisten Experten gehen aber davon aus, dass auf Dauer nur rund 80 Warenhaus-Standorte überlebensfähig sind. Das dürfte deshalb noch nicht das Ende des Warenhausschrumpfens sein. Da ist durchaus noch Luft nach unten."

Der Konzern habe den Erfolg des Online-Geschäfts verschlafen. Insofern sei es kein Zufall, dass die Schließungspläne ausgerechnet an dem Tag bekannt gegeben würden, an dem Amazon 25 Jahre alt werde.

Der Handelsexperte Thomas Rob von der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg bewertete die umfangreichen Schließungen als "Zeichen der Ratlosigkeit" und fügte hinzu: "Jetzt haben sie sich noch einmal Luft verschafft. Aber wie lange das trägt, ist durchaus die Frage."

Diese Filialen werden geschlossen

Bayern

  • Ingolstadt (Galeria Kaufhof)
  • München Am Nordbad (Karstadt)
  • München OEZ (Karstadt)
  • München Stachus (Galeria Kaufhof)
  • Nürnberg (Karstadt)
  • Nürnberg Langwasser (Karstadt)

Baden-Württemberg

  • Göppingen (Galeria Kaufhof)
  • Leonberg (Karstadt)
  • Mannheim N7 (Galeria Kaufhof)
  • Singen (Karstadt)
  • Stuttgart Bad Cannstatt (Galeria Kaufhof)

Berlin

  • Berlin Charlottenburg (Karstadt)
  • Berlin Gropius-Passage (Karstadt)
  • Berlin Hohenschönhausen (Galeria Kaufhof)
  • Berlin Müllerstraße (Karstadt)
  • Berlin Ringcenter (Galeria Kaufhof)
  • Berlin Tegel (noch nicht eröffnet)
  • Berlin Tempelhof (Karstadt)

Brandenburg

  • Potsdam (Karstadt)

Bremen:

  • Bremen (Galeria Kaufhof)
  • Bremerhaven (Karstadt)

Hamburg:

  • Hamburg AEZ (Galeria Kaufhof)
  • Hamburg Bergedorf (Karstadt)
  • Hamburg Mönckebergstraße (Galeria Kaufhof)
  • Hamburg Wandsbek (Karstadt)

Hessen:

  • Frankfurt Hessen-Center (Galeria Kaufhof)
  • Frankfurt Zeil (Karstadt)
  • Schnäppchencenter Frankfurt NZW (nur temporärer Betrieb)
  • Fulda (Galeria Kaufhof)
  • Schnäppchencenter Gießen
  • Sulzbach MTZ (Karstadt)

Mecklenburg-Vorpommern

  • Neubrandenburg (Galeria Kaufhof)

Niedersachsen

  • Braunschweig (Galeria Kaufhof)
  • Goslar (Karstadt)
  • Hannover Georgstraße (Karstadt)
  • Osnabrück (Galeria Kaufhof)

Nordrhein-Westfalen

  • Bielefeld (Karstadt)
  • Bonn (Karstadt)
  • Brühl (Galeria Kaufhof)
  • Dortmund (Galeria Kaufhof)
  • Dortmund (Karstadt)
  • Düsseldorf Schadowstraße (Karstadt)
  • Düsseldorf Wehrhahn (Galeria Kaufhof)
  • Essen (Galeria Kaufhof)
  • Essen (Karstadt)
  • Gummersbach (Karstadt)
  • Gütersloh (Karstadt)
  • Hamm (Galeria Kaufhof)
  • Iserlohn (Karstadt)
  • Köln Weiden (Galeria Kaufhof)
  • Leverkusen (Galeria Kaufhof)
  • Mönchengladbach Rheydt (Karstadt)
  • Neuss (Galeria Kaufhof)
  • Witten (Galeria Kaufhof)

Saarland

  • Neunkirchen (Galeria Kaufhof)

Sachsen

  • Chemnitz (Galeria Kaufhof)

Sachsen-Anhalt

  • Dessau (Karstadt)

Schleswig-Holstein

  • Flensburg (Karstadt)
  • Lübeck (Karstadt)
  • Neumünster (Karstadt)
  • Norderstedt (Karstadt)

Rheinland-Pfalz

  • Landau (Galeria Kaufhof)
  • Mainz (Karstadt)
  • Trier Simeonstraße (Karstadt)
  • Worms (Galeria Kaufhof)

(dpa/ank)

Teaserbild: © Arne Dedert/dpa