Zehn Millionen Touristen besuchen Venedig jedes Jahr. Aber die wenigsten von ihnen wissen, dass sich ganz in ihrer Nähe der gruseligste Ort der Welt befindet. Auf der kleinen Insel Poveglia starben angeblich Zehntausende an Pest und Cholera, und ein verrückter Arzt machte grausame Versuche mit seinen Patienten. Noch heute soll es dort spuken.

Das Tor zur Hölle liegt auf einer Brücke: Sie verbindet die beiden Teile der Insel Poveglia bei Venedig und ist ein Portal in die Unterwelt.

Wer genau hinschaut, erkennt dort die schemenhaften Gestalten von Geistern. Auch Stöhnen und Schreien sind zu hören, wie übrigens überall in den verlassenen Ruinen auf dem Eiland.

Aber Vorsicht: Es gibt auch aggressive Gespenster, die jeden, der ihnen in den Weg tritt, stoßen oder schlagen.

Solche und viele weitere schauerliche Geschichten kursieren im Internet über die 7,5 Hektar große Insel südlich der Lagunenstadt.

Ein amerikanischer TV-Moderator wurde dort nach eigenen Angaben von einem Geist besessen. Fischer aus der Gegend meiden die Gewässer rundherum, weil sie immer wieder Teile von menschlichen Skeletten in ihren Netzen finden.

Die Asche der Toten auf der Insel ohne Wiederkehr

Kein Wunder, dass das Eiland noch weitere gruselige Namen trägt: Es wird auch "Island of madness" oder "Island of no return" (Insel der Verrückheit und Insel ohne Wiederkehr) genannt.

Diesen Ruf hat Poveglia erworben, weil dort einst eine Quarantänestation für Pest- und Choleraopfer sowie später ein Krankenhaus standen. Amtlichen Angaben zufolge wurden Alte und Kranke gepflegt.

Aber so harmlos, wie das klingt, war es nicht – jedenfalls, wenn man den Legenden glaubt. Denn die Insel soll ein gruseliges Geheimnis verbergen.

Angeblich starben hier zahlreiche Menschen unter grausamen Umständen – die einen an Pest und Cholera, die anderen Hunderte Jahre später bei den medizinischen Versuchen eines sadistischen Arztes. Die Erde soll von der Asche der vielen Toten bedeckt sein.

Die Insel als Zufluchtsort

Zuerst erwähnt wurde Povegli im Jahr 421 während des Niedergangs des Römischen Reiches. Damals versteckten sich dort Menschen vor den Hunnen, die ins Land eingedrungen waren.

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Ein paar der Schutzsuchenden blieben da, bis ins 14. Jahrhundert lebten ihre Nachkommen friedlich auf der Insel. Dann wurden sie vertrieben.

Schon früh diente die Insel offenbar als Friedhof: Der bekannte Maler Giorgione soll dort seine letzte Ruhestätte gefunden haben: Er starb 1510 mit 33 Jahren in Venedig an der Pest.

Verbannung der Pest- und Cholerakranken nach Poveglia

Später wurde die ganze Insel zur Quarantänestation gemacht: 1793 näherten sich Schiffe der Stadt Venedig, auf denen einige Männer an der Pest erkrankt waren.

Um die Bevölkerung zu schützen, wurden alle, die auch nur leichte Anzeichen des schwarzen Todes zeigten, auf die Insel verbannt.

Später kamen Cholerakranke dazu. Mehr als 160.000 Menschen sollen hier gestorben sein. Der Legende nach wurden viele Kranke bei lebendigem Leib verbrannt und dann verscharrt.

Es sollen ihre Geister sein, die auf der Insel spuken. Daran erinnert ein Gedenkstein vom Ende des 18. Jahrhunderts mit einer Warnung: "Nicht graben, hier ruhen die, die an der Ansteckung starben."

Nachdem die Pest besiegt war, fiel die Insel in einen Dornröschenschlaf. Erst in den 1920er-Jahren zogen wieder Menschen nach Poveglia – auch nicht freiwillig. Psychisch Kranke wurden dort untergebracht – und zwar vor allem die, die man von der Gesellschaft fernhalten wollte.

Angeblich wurde die Existenz der Anstalt geheim gehalten. Das hatte einen gruseligen Grund: Die Ärzte nahmen schreckliche medizinische Versuche an den wehrlosen Patienten vor. Wer dabei starb, wurde verbrannt.

Der verrückte, namenlose Arzt

Einer der Doktoren soll besonders grausam gewesen sein: Mit Hammer und Meißel führte er der Legende nach schreckliche Experimente durch.

Berüchtigt soll er vor allem für Lobotomien gewesen sein: Operationen, bei denen Nervenbahnen im Gehirn durchtrennt werden. Wer sich wehrte, den stießen die Pfleger vom Glockenturm.

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Ein paar Jahre später soll der sadistische Arzt selbst vom Turm gesprungen sein, nachdem er die Geister der Toten von Poveglia gesehen hatte.

Der namenlose Doktor überlebte den Sturz, aber starb dennoch: Ein unheimlicher Nebel stieg vom Boden auf und erstickte ihn.

Was wirklich auf Poveglia geschah

Erst 1968 wurde die Anstalt geschlossen, seitdem wohnt niemand mehr auf der Insel. Doch was ist wirklich dran an den Gruselgeschichten über Poveglia?

Tatsächlich werden in den Legenden Tatsachen mit Märchen vermischt und maßlos aufgebauscht. Es stimmt, dass sich auf der Insel eine Quarantänestation für Pestopfer und eine Klinik befanden.

Letztere war aber keine Irrenanstalt, sondern ein Krankenhaus und Altersheim. Beweise für die grausamen Versuche und das Treiben des sadistischen Arztes gibt es nicht.

Poveglia: Rundgang über die Geisterinsel

© YouTube

Auch die Zehntausende von Pest- und Choleratoten gehören ins Reich der Phantasie. Den Gedenkstein gibt es wirklich, aber er erinnert nur an acht Seeleute, die auf der Insel an den ansteckenden Krankheiten starben. Das hält die Geistergläubigen allerdings nicht davon ab, sich weiterhin Gruselgeschichten zu erzählen.

Der Zutritt zur fünf Kilometer südlich von Venedig liegenden Insel ist heute offiziell verboten, aber wer ein Boot besitzt oder mietet, kann sie erkunden.

Bei YouTube zeigen unerschrockene Besucher Aufnahmen von Poveglia: Unterlegt mit gespenstischer Musik sind auf den verwackelten Aufnahmen zum Beispiel leere Krankenhausgänge mit zerstörten Möbeln zu sehen. Die Häuser sind teilweise eingestürzt, alles ist von Pflanzen überwuchert.

Trotz all der schauerlichen Mythen beschloss die Regierung 2014, die Insel wieder nutzbar zu machen – und für 99 Jahre an den Meistbietenden zu verpachten.

Ein Geschäftsmann wollte zwar 500.000 Euro ausgeben und dort ein Luxushotel errichten. Doch nach Protesten aus der Bevölkerung knickten die Behörden ein und verkündeten, das sei zu wenig Geld.

So bleibt der "gruseligste Ort der Welt" auch weiterhin verlassen.

Das Objekt wurde vor Jahren entdeckt, doch es gibt bis heute Rätsel auf.