Am 30. März werden die Uhren wieder auf Sommerzeit umgestellt – ein Wechsel, den viele als lästig empfinden. Doch verglichen mit einigen anderen Ländern sind unsere Zeitregelungen geradezu harmlos. Krumme Zeitzonen, verschobene Tagesabläufe oder Zeitsprünge über ganze Tage hinweg - hier sind einige der verrücktesten Zeitzonen-Regelungen der Welt.

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Während es hierzulande nur eine Zeitzone für das gesamte Land gibt, haben andere Länder bis zu einem Dutzend unterschiedliche Ortszeiten. Doch das Land mit den meisten Zeitzonen ist nicht etwa das flächenmäßig größte Land der Welt Russland. Es ist Frankreich. Obwohl das deutsche Nachbarland geografisch klein erscheint, hat es aufgrund seiner Überseegebiete weltweit die meisten Zeitzonen: nämlich zwölf verschiedene, von UTC -10 bis UTC +12.

Zu den Überseegebieten zählen etwa Französisch-Polynesien im Südpazifik (UTC -10), Guadeloupe in der Karibik (UTC -4), Mayotte im Indischen Ozean (UTC +3) und Wallis und Futuna im südlichen Pazifik (UTC +12).

Was bedeutet UTC?

  • UTC steht für Universal Time Coordinated, zu Deutsch: koordinierte Weltzeit. Sie ist die Grundlage für die Berechnung der jeweiligen Ortszeit. Addiert man eine Stunde, erhält man die Mitteleuropäische Zeit (MEZ). Für die Mitteleuropäische Sommerzeit (MESZ) zählt man zwei Stunden hinzu.

Wo es gar keine Uhrzeiten gibt – oder sie willkürlich festgelegt werden

Die Zeitzonen der Erde orientieren sich in der Regel an den Längengraden und damit am Sonnenstand. 12 Uhr mittags ist es normalerweise immer dann, wenn die Sonne am höchsten steht. Am Nord- und Südpol laufen jedoch alle Längengrade zusammen. Hier bleibt es im jeweiligen Sommer rund um die Uhr hell, im jeweiligen Winter hingegen dunkel – weshalb auch die Uhrzeit nicht fest definiert ist.

Viele Expeditionen behalten deshalb die Uhrzeit ihrer Heimat bei oder die Zeitzonen werden so eingestellt, dass sie mit der desjenigen Landes übereinstimmen, das die Geräte der Expedition betreibt oder sie liefert. Die Amundsen-Scott-Südpolstation, eine US-amerikanische Forschungsstation, arbeitet hingegen nach neuseeländischer Zeit, um Absprachen zu erleichtern. Denn von dort kommen die meisten Versorgungsflüge an.

Der Tag, der nicht existierte

Den 30. Dezember 2011 gab es in Samoa nicht. Das Land in Polynesien liegt zwischen Neuseeland und Hawaii und zählte früher zur US-Zeitzone UTC -11. Es war damit eines der Länder im Pazifik, in dem die Sonne zuletzt unterging. 2011 sprang Samoa um Mitternacht vom 29. direkt auf den 31. Dezember und damit in die Zeitzone UTC +13. Seither ist Samoa eines der Länder, in dem die Sonne zuerst aufgeht. Der Grund ist wirtschaftlicher Natur: Der Wechsel der Zeitzone sollte Samoas Geschäftskontakte nach Neuseeland, Australien und Asien stärken, da das Inselreich somit näher an deren Zeitzone ist.

Noch verrückter: Die östlichen Inseln der Gruppe gehören zu den USA – und damit weiterhin zur alten Zeitzone. Da Samoa in UTC +13 und Amerikanisch-Samoa in UTC -11 liegt, beträgt der Zeitunterschied ganze 24 Stunden. Wenn es in Samoa also etwa 14 Uhr am 1. April ist, dann ist es in Amerikanisch-Samoa ebenfalls 14 Uhr - nur eben am 31. März. Dabei liegen die beiden Inseln gerade einmal 126 Kilometer voneinander entfernt.

Das Land, das sich selbst eine Zukunftszeitzone gab

Ähnlich kurios ist es in Kiribati, einer Inselrepublik im zentralen Pazifik. Das Land liegt geografisch teilweise in UTC -11, wollte aber wirtschaftlich ebenfalls näher an Australien und Neuseeland sein. Also verlegte die Regierung die Zeitzone künstlich auf UTC +14, sodass es dort nun zwar die gleiche Uhrzeit, aber ein um einen Tag späteres Datum als bei den nördlichen und südlichen Nachbarn ist. Kiribati startet damit als erstes Land der Welt ins neue Jahr und ist das einzige Land der Welt in der Zeitzone UTC +14.

Aber es wird noch komplexer: Da die Inseln der 32 Atolle des Inselstaates sehr verstreut im Pazifik liegen, gibt es in Kiribati drei verschiedene Zeitzonen, von UTC +12 bis UTC +14.

Ein Präsident stellte die Uhren um 30 Minuten um

Der damalige venezolanische Präsident Hugo Chávez entschied 2007, dass Venezuela eine eigene 30-Minuten-Zeitzone (UTC -4:30) bekommen sollte. Seine Beweggründe dafür sind nicht endgültig erklärt. Offiziell hieß es, dass die neue Zeitzone besser zum Rhythmus der Venezolaner passe.

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2016 machte sein Nachfolger Nicolás Maduro die Entscheidung wieder rückgängig und kehrte zu UTC -4 zurück. Die Umstellung solle beim Stromsparen helfen, weil das natürliche Tageslicht so besser ausgenutzt werden könne.

Verschobene Tagesabläufe und eine inoffizielle Zeitzone

Mit einer Fläche von rund 9,6 Millionen Quadratkilometern ist China nach Russland, Kanada und den USA das viertgrößte Land der Welt. Trotz der enormen Fläche folgt das gesamte Land aber nur einer einzigen Zeitzone (UTC +8). Das führt besonders im Winter dazu, dass die Sonne im Westen deutlich später auf- und untergeht als im Osten. So war die Sonne im Januar in Peking (Osten) etwa zwischen 7:30 und 17:00 Uhr am Horizont zu sehen. In Urumqi in Xinjiang (Westen) ging sie hingegen erst gegen 9:45 Uhr auf und um 18:45 Uhr wieder unter.

Damit sich die Tagesabläufe nicht verschieben, nutzen viele Menschen in dem autonomen Gebiet Xinjiang im Westen Chinas eine eigene "lokale Zeit" – inoffiziell. Die "Xinjiang Time" ist zwei Stunden hinter der chinesischen Standardzeit (UTC +6).

Eine weitere Folge dieser Zeitzonen-Regelung: An der afghanisch-chinesischen Grenze trifft die China Standard Time (UTC +8) auf die Afghanistan Time (UTC +4:30). Beim Überqueren der Grenze müssen Reisende die Uhr demnach um 3,5 Stunden vor- oder zurückstellen – je nach Reiserichtung. Eine größere Zeitdifferenz gibt es weltweit an keiner anderen Landgrenze.

45-Minuten-Zeitzone

Wieso normal, wenn es auch anders geht? Während die meisten Länder ihre Zeitzonen in vollen oder halben Stunden festlegen, liegt Nepal um 45 Minuten versetzt. Nepal ist damit das einzige Land mit der offiziellen Zeitzone UTC +5:45.

Doch es gibt auch andere Orte mit 45-Minuten-Verschiebungen, zum Beispiel Teile Australiens mit UTC +8:45. Doch das ist nicht das einzig Besondere an Australiens Zeitzonen …

Auch ansonsten hat Australien ein vergleichsweise chaotisches Zeitzonen-System: Zunächst ist das Land in drei Zeitzonen aufgeteilt. Während des australischen Sommers herrschen allerdings fünf verschiedene Zeiten: Denn einige Bundesstaaten, wie etwa New South Wales, Südaustralien und Tasmanien, wechseln zur Sommerzeit. Die Bundesstaaten Queensland, Northern Territory und Westaustralien verzichten hingegen darauf und verbleiben ganzjährig bei der Normalzeit.

Damit aber nicht genug: Die Bundesstaaten Südaustralien sowie Northern Territory haben eine eigene halbstündige Zeitzone (UTC +9:30). Nur einer der beiden Staaten (Südaustralien) wechselt aber zur Sommerzeit und befindet es sich dann in der Zeitzone UTC +10:30.

Verwendete Quellen