Der FC Bayern München siegt und siegt und siegt. Mit einem Erfolg gegen den AS Rom kann der deutsche Rekordmeister am heutigen Mittwoch (20:45 Uhr live im ZDF und bei uns im Ticker) den Gruppensieg in der Champions League bereits nach vier Spielen perfekt machen. Doch Trainer Pep Guardiola ist noch lange nicht zufrieden - und findet sogar kritische Worte.

Kaum jemand hätte nach der WM in Brasilien mit einer derartigen Dominanz des FC Bayern München in dieser Saison gerechnet. Viele Experten prophezeiten dem deutschen Rekordmeister eine schwierige Spielzeit. Doch die Münchner sind in einer überragenden Verfassung. In der Bundesliga führen sie die Tabelle seit dem fünften Spieltag souverän an und haben vor allem den Dauerrivalen Borussia Dortmund weit hinter sich gelassen.

In der Champions League lockt bei der 18. Teilnahme zum 17. Mal der Einzug in die K.-o.-Runde. "Wir haben die große Gelegenheit, diese Gruppenphase vor unseren Fans zu beenden", sagte Trainer Pep Guardiola auf einer Pressekonferenz am Dienstag und meinte damit das heutige Heimspiel gegen den AS Rom. Ein Punkt würde den Bayern dabei bereits für das Achtelfinale reichen. Mit einem Dreier stünden sie zwei Spieltage vor Schluss sogar schon als Gruppensieger fest.

Pep Guardiola sieht weiterhin Verbesserungsbedarf

Die Bayern siegen und siegen. Doch Pep findet ein Haar in der Suppe.

Doch Pep Guardiola ist mit diesem Zwischenergebnis noch nicht zufrieden. Auf die positive Entwicklung seiner Mannschaft angesprochen, sagte der spanische Trainer: "Jetzt spielen wir mehr nach meiner Vorstellung, aber es ist noch nicht das, was ich will." Der Bayern-Coach sieht trotz der Überlegenheit seines Teams in allen Wettbewerben noch Luft nach oben: "Wenn du den Prozess analysierst, können wir immer noch einiges verbessern."

Vor allem bei eigenen Standards hat der Spanier Schwächen ausgemacht: "Gegen Dortmund hatten wir zum ersten Mal zwei Optionen, um nach einer Ecke ein Tor zu machen. Aber in diesem Punkt sind wir eine Katastrophe." 83 Ecken hatten die Bayern in dieser Saison in der Bundesliga. 24 waren es in der Champions League. Ein Tor wollte ihnen dabei tatsächlich noch nicht gelingen. Dies sei "auch ein bisschen ein mentales Problem", kritisierte der Trainer. Den Spielern fehle oft der richtige Instinkt.

Allerdings meckert Guardiola auf hohem Niveau. Selbst ohne Eckball-Tore stellen die Bayern sowohl in der Bundesliga als auch in ihrer Champions-League-Gruppe den besten Angriff.

Standardsituationen werden noch wichtig

Einen wahren Kern hat Guardiolas Aussage aber dennoch. Auf absolutem Topniveau entscheiden nicht zuletzt Standardsituationen häufig über Sieg oder Niederlage. Der Coach erinnerte beispielsweise an das Scheitern in der letzten Champions-League-Saison: "Wir dürfen nicht vergessen, dass wir im Halbfinale gegen Real wegen eines Freistoßes und einer Ecke unsere Gegentreffer bekommen haben."

Eine höhere Torgefahr bei Standards könnte den Bayern in engen Spielen helfen. Am vorletzten Bundesligaspieltag etwa hatte Borussia Mönchengladbach den FCB am Rande einer Niederlage und zeigte damit, dass die Münchner noch nicht komplett enteilt sind. Anlass für Verbesserungen, wie Guardiola sie anmahnt, gibt es also durchaus. Gefährlichere Eckballvarianten wären ein Teil davon.

Wie gut wollen die Bayern noch werden?

Angesichts der starken Form der Bayern stellt sich jedoch die Frage, wozu weitere Verbesserungen noch führen sollen. Dass die Münchner den Großteil der Gegner in der Bundesliga dominieren, ist nicht erst seit dem 6:0-Kantersieg vor einigen Wochen gegen Werder Bremen klar. Dass nun aber sogar schon gestandene Gegner in der Champions League abgefertigt werden, musste der AS Rom beim 1:7 im Hinspiel am eigenen Leib erfahren. Das deutliche Ergebnis überraschte Fans und Experten gleichermaßen.

Setzt sich diese Tendenz fort und legen die Bayern sogar noch eine Schippe drauf, könnten in Zukunft nur noch die Topspiele gegen Mannschaften wie Real Madrid, den FC Barcelona oder den FC Chelsea zu echten Prüfsteinen für die Bayern werden.