Karl-Theodor zu Guttenberg ist zurück - zumindest für einen Nachmittag. Auf Einladung der Deutschen Presseagentur spricht er dort, wo sich in sechs Wochen die sieben mächtigsten Männer und Frauen zum G7-Gipfel treffen werden - auf "Schloss Elmau". Die Rolle als weltpolitischer Kommentator gefällt dem ehemaligen Wirtschafts- und Verteidigungsminister. Eine Rückkehr in die Politik kann er sich aber nicht vorstellen.

Karl Theodor zu Guttenberg betritt mit leichter Verspätung gegen 11:00 Uhr den Tagungsraum in Schloss Elmau. Auf den ersten Blick ist er kaum zu erkennen, er trägt Bart, ein legeres Sakko über dem legeren Polohemd und einen hellen Rucksack über der Schulter. Seine rechtes Handgelenk zieren Lederarmbänder. Äußerlich erinnert nichts mehr an den so akkurat gekleideten ehemaligen Wirtschafts- und späteren Verteidigungsminister.

Guttenberg ist erst am Morgen in München mit dem Flieger gelandet und anschließend die knapp 100 Kilometer nach Elmau, zwischen Garmisch und Mittenwald, kurz vor der österreichischen Grenze gelegen, gefahren worden. Auf Einladung der dpa spricht er hier über den anstehenden G7-Gipfel - obwohl er mit der aktiven Politik nach seinem Rücktritt im Jahr 2011 abgeschlossen hat.

Nach und nach verlagerte er in den folgenden Jahren seinen Lebensmittelpunkt in die USA. Bereits Ende 2011 nahm er eine Tätigkeit als "angesehener Staatsmann" bei einem Thinktank in Washington auf. Ebenfalls seit 2011 war er als Berater für Internetfragen für die damalige EU-Digitalkommissarin Neelie Kroes tätig. 2013 gründet er dann in New York die Firma Spitzberg Partners und berät dort Internetfirmen. Heute lebt Guttenberg in Connecticut. Ab und an schreibt er politische Gastbeiträge für die US-Zeitungen "New York Times" oder die "Washington Post".

Karl-Theodor zu Guttenberg lässt seinen transatlantischen Blick schweifen

Seinen Vortrag beginnt er mit einer Anekdote: An Elmau habe er persönlich nicht die besten Erinnerungen. Damals, als er bei der Bundeswehr war, hätten die langen Märsche an dem Schloss vorbeigeführt. Neidisch habe er damals auf die Terrassen geblickt. Er lächelt, als er die Geschichte erzählt.

Über 20 Jahre später sitzt er hier im Tagungsraum, beginnt über das zu sprechen, wofür er eingeladen wurde - und worüber er offensichtlich gerne spricht: Weltpolitik - und was der G7-Gipfel wohl bringen mag. Sein Fazit klingt dann aber fast wie eine Abrechnung: "Mehr als der hochrangigste Deklarationsgipfel der Welt" sei die Veranstaltung nicht.

Man frage sich schon, warum beispielsweise Länder wie Italien oder auch Frankreich in seiner momentanen wirtschaftlichen Lage überhaupt noch bei den G7-Treffen dabei seien. Der italienische Ministerpräsident Matteo Renzi wisse zwar, welche Herausforderungen sein Land bewältigen müsse, könne die Reformen in seinem Land aber nicht umsetzen. Und der französische Präsident Francois Hollande? Der gehe die notwendigen Reformen erst gar nicht an.

Dann lässt er seinen transatlantischen Blick schweifen: US-Präsident Barack Obama sei die wahrscheinlich "lamest duck aller Zeiten", sagt er und verweist auf die innenpolitisch verfahrene Lage in den USA, wo die republikanische Mehrheit im Kongress schon seit Jahren jede politische Bemühung des Präsidenten blockieren kann. Zudem habe Obama im Nahen und Mittleren Osten eine Politik gefahren, mit der er sogar noch seinen Vorgänger George W. Bush unterboten habe. Und das müsse man erstmal schaffen, schiebt Guttenberg nach. Und weil in Großbritannien kurz vor dem Gipfel Wahlen anstehen und sich auch Kanada gerade im Wahlkampf befindet, stehe das Treffen der Mächtigen unter keinem guten Stern.

Zu Guttenberg schließt Rückkehr in Politik aus

Mehr als schöne Worte und leere Ankündigungen zu den aktuellen weltpolitischen Problemen - wie die instabile Lage im Nahen Osten, die immer noch schwelende Ukraine-Krise, die Freihandelsabkommen oder die Flüchtlingsproblematik im Mittelmeer - erwartet Guttenberg nicht. Nur beim Thema Energie- und Klimapolitik könne vielleicht etwas mehr herauskommen. Dafür werde sich Gastgeberin Angela Merkel in Vorbereitung auf die Weltklimakonferenz Ende des Jahres in Paris schon einsetzen.

Für die Kanzlerin hat er ohnehin nur positive Worte übrig. In den USA gelte sie als letzte echte Führungskraft in Europa - auch wenn das zu einem guten Teil der Schwäche der anderen europäischen Länder geschuldet sei, kommentiert er. Dennoch: Gerade in der Ukraine-Krise habe sich die Kanzlerin als Krisenmanagerin bewährt. Wenn jemand trotz der immer noch brüchigen Waffenruhe in der Ostukraine mittelfristig einen nachhaltigen Frieden durchsetzen könnte, dann sei das sie. Das sehe man auch in den USA so. Beiläufig ergänzt er: "Ich sage das nicht aus Nettigkeit. Ich muss niemandem mehr gefallen." Erneut lächelt er und lehnt sich mit ausgestreckten Beinen in seinem Stuhl zurück.

Offensichtlich gefällt zu Guttenberg die Rolle des politischen Kommentators. Zurück in die Politik ziehe es ihn aber nicht. Auf Nachfrage sagt er: "Aus heutiger Sicht schließe ich eine Rückkehr in die Politik aus." Er habe positive wie negative Erfahrungen gemacht und möchte keine missen. Aber: "Ich möchte mich nicht mehr den Extremen aussetzen". Dafür genieße er sein derzeitiges Leben "unter dem Radarschirm" viel zu sehr.

Zur bayerischen Landespolitik will sich zu Guttenberg nicht äußern. Auf die Frage, wer Nachfolger von Ministerpräsident Horst Seehofer werden könnte, gibt er unumwunden zu: "Da habe ich keinen Einblick." Viel lieber spricht der immer noch "politisch-denkende Mensch" eben über das große Ganze, die geopolitischen Verbindungslinien - "weil man das der nächsten Generation weitergeben kann", sagt der 43-Jährige.

Dann lässt er sich noch schnell vor dem Alpenpanorama auf der Terrasse von "Schloß Elmau" ablichten und entschwindet Richtung Münchner Flughafen. Schon um 16:00 Uhr hebt er wieder ab - zurück in die USA.