CDU-Kanzlerkandidat Armin Laschet führt bei "maischberger.die woche" einen bizarren Streit mit der Gastgeberin. Und Medizin-Ethikerin Alena Buyx hat für Eltern einen Rat zum Thema Impfung parat.

Fabian Busch.
Eine Kritik
von Fabian Busch

Ob Armin Laschet sich seinen Job an der CDU-Spitze so vorgestellt hat? Als Parteichef und Kanzlerkandidat hat er sich zwar durchgesetzt. Doch seit einiger Zeit ist er nur noch damit beschäftigt, zu erklären, wo die CDU die Grenze nach rechts zieht. Auch in der Sendung von Sandra Maischberger geht es am Mittwochabend vor allem um diese Frage. Und Laschet, der sich in den vergangenen Monaten eine gewisse Gelassenheit antrainiert hat, wirkt zunehmend genervt.

Das sind die Gäste

Armin Laschet: Es sei ein "falsches Klischee", dass er immer als "weich" beschrieben werde, findet der CDU-Vorsitzende. Er könne auch mal den einen oder anderen "Punch" austeilen. "Paar Beispiele dafür gibt es", sagt der Kanzlerkandidat süffisant – und denkt dabei wahrscheinlich an Markus Söder.

Alena Buyx: Die Vorsitzende des Deutschen Ethikrats bringt dem Publikum eine neue Vokabel für das Pandemie-Zeitalter bei: Sie ist keine Anhängerin des Begriffs "Herdenimmunität" – also den Zustand einer Population, in der ein hoher Anteil immun gegen einen bestimmten Erreger ist. "Gemeinschaftsschutz ist das bessere Wort", findet Buyx.

Stefan Aust: Der langjährige Chefredakteur des "Spiegel" hat seine Autobiografie geschrieben. Als Journalist hat er praktisch die gesamte Nachkriegsgeschichte miterlebt – fasziniert hat ihn dabei unter anderem, wie Helmut Kohl die Wiedervereinigung gemanagt hat. "Ich weiß nicht, ob die gegenwärtige Regierung es hinkriegen würde, das so pragmatisch und so schnell durchzuziehen."

Ulrike Herrmann: Die Wirtschaftsjournalistin der "taz" hat zwar Verständnis für gendergerechte Sprache. Sie betont aber auch: Sprachdiskussionen reichen nicht. Dass Behörden seit Jahrzehnten von Bürgerinnen und Bürgern sprechen, habe die Lohnlücke bei den Frauen nicht beseitigt. "Da muss man knallhart mit den alten Mitteln der Frauenbewegung ran, nämlich mit der Quote."

Hubertus Meyer-Burckhardt: Der Autor, Moderator und TV-Produzent weiß zwar, dass es beim Thema Klimawandel "höchste Eisenbahn" ist. Er bekennt aber auch: Er will sich seine Freude am Reisen deswegen nicht nehmen lassen. "Ich habe eine große Sorge: Dass wir alle nur noch im Hunsrück oder in der Eifel wandern gehen."

Jan Fleischhauer: Der Focus-Kolumnist knöpft sich seine Lieblingsgegner vor: die Grünen. Er glaubt nicht, dass klimafreundliches Verhalten ein Modell für die Masse der Bevölkerung ist. Fleischhauer hat sich zwar selbst gerade eine Photovoltaikanlage auf sein Hausdach bauen lassen – aber das könne sich nicht jeder leisten. "Dieses vorbildliche Leben setzt bestimmte finanzielle Mittel voraus."

Das ist der Moment des Abends

Viel Verunsicherung herrscht derzeit beim Thema Corona-Impfung von Kindern: Die Europäische Arzneimittelbehörde hat den Biontech-Impfstoff für Kinder ab 12 Jahren zugelassen. In Deutschland wird die Ständige Impfkommission aber wohl keine Empfehlung dafür aussprechen. Was also sollen Eltern tun?

Alena Buyx, Vorsitzende und prominentestes Fernsehgesicht des Deutschen Ethikrats, kann Familien diese Entscheidung zwar nicht abnehmen: Letztlich handelt es sich um eine Abwägungsfrage. Trotzdem verrät sie, was sie selbst machen würde – auch das kann ja für andere Menschen ein Hinweis sein: "Wenn sich jetzt nichts drastisch ändert, dann würde ich meine Kinder auf jeden Fall impfen lassen."

Das ist das Rededuell des Abends

In der Vorwoche hat sie Annalena Baerbock in die Zange genommen. An diesem Abend knöpft sich Sandra Maischberger Armin Laschet vor. Offenbar sollen die Kanzlerkandidaten bei ihr nicht mit netten Plaudereien davonkommen. Zentrales Thema ist der Umgang der CDU mit der AfD und der rechtskonservativen Werteunion.

Vor allem beim Thema Werteunion windet sich Laschet. Der Verein will den "konservativen Markenkern" von CDU und CSU vertreten, gilt aber auch als AfD-nah. Das gilt vor allem für den neugewählten Vorsitzenden Max Otte, der auf einer Querdenker-Demo gesagt hat, er lebe in einer Diktatur. Otte aus der CDU zu werfen, fände Laschet allerdings falsch. "So eine Aussage ist Unsinn – aber Unsinn ist kein Parteiausschlussgrund."

Maischberger ist zunehmend in Diskussionslaune und Laschet wird zunehmend dünnhäutig. Vor allem als es um die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt am kommenden Sonntag geht. Ob dort die CDU oder die AfD die Nase vorn hat, sei nicht allein sein Problem oder das Problem seiner Partei, findet Laschet. "Es ist für die gesamte Zivilgesellschaft eine Kernfrage, ob in einem deutschen Landtag die AfD auf Platz 1 liegt." Er wirft SPD und Grünen vor, nicht ausreichend gegen die AfD zu kämpfen – was schon ein seltsamer Vorwurf ist. Seltsam ist auch, dass er auch Maischberger unterstellt, sie banalisiere die Gefahr, die durch die AfD ausgeht.

An dieser Stelle wird die Diskussion unübersichtlich. Eine gute Figur gibt dabei keiner von beiden ab. Laschet redet sich um Kopf und Kragen. Und Maischberger muss sich fragen, wie das Interview an diesen Punkt gelangen konnte.

Das ist das Ergebnis

Wie sich die Union zum rechten Rand abgrenzt, ist zweifellos ein wichtiges Thema. Doch die Diskussion hat auch etwas Ermüdendes. Schließlich gäbe es auch programmatische Fragen, die man dem Kanzlerkandidaten stellen könnte: Wie will er die ökologische Marktwirtschaft umsetzen, von der er schon 1994 geredet hat? Was bringt die kurz zuvor beschlossene Pflegereform? Wie würde ein Bundeskanzler Laschet mit Wladimir Putin umgehen? Auch das sind Fragen, auf die ein Kanzlerkandidat Antworten geben müsste. Inhalte kommen in dieser Sendung aber auf jeden Fall zu kurz.

Laschet will mit Werteunion-Chef "keine Gespräche führen"

Der CDU-Chef bemüht sich vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt um eine Abgrenzung zur AfD und zum neuen Vorsitzenden der Werteunion Max Otte. Dessen Positionen teile er nicht. Teaserbild: IMAGO / Political-Moments