Donald Trump oder Hillary Clinton? Diese Frage wird eigentlich erst am 8. November 2016 beantwortet, wenn in den USA der Nachfolger von Präsident Barack Obama gewählt wird. Und doch gibt es jemanden, der die Antwort bereits kennen könnte. Nate Silver ist eine menschliche Glaskugel, ein Nostradamus der Neuzeit. Seine Vorhersagen sind beängstigend genau. Auch für die US-Wahl 2016 präsentiert er einen Gewinner.

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Die Lottozahlen exakt vorhersagen, mit Spiel 77 und Super 6? Auf dem Kandidatenstuhl von "Wer wird Millionär?" alle Antworten kennen, bevor Günther Jauch überhaupt die Fragen lesen konnte? Im August 2016 schon wissen, dass im Mai 2017 der 1. FC Köln die Meisterschaft feiern wird?

All das kann Nate Silver nicht.

Alles andere als langweilig

Die Vorhersagen des US-Amerikaners beziehen sich allein auf Wahlen in den USA und basieren auf komplexen Algorithmen, mit denen der Statistiker und Wahlforscher Daten auswertet. Was nach trivialer Langeweile klingt, führt zu einer geradezu beängstigenden Trefferquote. So beängstigend, dass Nate Silver vom "Time Magazine" zu den 100 weltweit einflussreichsten Menschen gezählt wird.

Als der damals 30-Jährige bei den US-Präsidentschaftswahlen 2008 das Ergebnis für 49 der 50 Bundesstaaten korrekt vorhersagte, war ihm die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit sicher. Noch unheimlicher: Er bestätigte im selben Jahr seine Qualitäten als präzises Orakel. Für die 35 Wahlen zum US-Senat hatte Silver vorab ebenfalls die Ergebnisse vorhergesagt - er lag 35 Mal richtig.

Und bei den Präsidentschaftswahlen 2012 toppte Silver sogar noch seinen Coup vier Jahre zuvor: In allen 50 Bundesstaaten trafen seine Vorhersagen zu. Von 2010 bis 2013 veröffentlichte Silver seine messerscharfen Prognosen auf der Homepage der "New York Times", ehe der Sportsender ESPN den Blog kaufte. Silvers hochinteressante Daten-Auswertungen sind mittlerweile wieder auf "FiveThirtyEight.com" zu lesen.

Trump oder Clinton? Silvers Vorhersage

Natürlich nimmt da der aktuelle Präsidentschaftswahlkampf zwischen Donald Trump und Hillary Clinton viel Raum ein. Nate Silver bietet auch hier seine berüchtigten Vorhersagen an.

Demzufolge wäre Donald Trump nach den jüngsten Skandalen um frauenverachtende Aussagen und angebliche sexuelle Belästigungen völlig chancenlos. Silvers komplexes Big-Data-Analyse-Model räumt dem Republikaner gerade mal eine Siegchance von 11,9 Prozent ein. Von Clintons 88,1 Prozent trennen Trump demoskopische Welten.

Hoffnung für Trumps Wahlkampfteam: Bei den weniger prominenten Midterm Elections 2010 und 2014, in denen zur Hälfte der Amtszeit des Präsidenten die Karten für Senat, Repräsentantenhaus und zahlreiche Parlamente der Bundestaaten neu gemischt werden, lag Silver mit seiner Vorhersage daneben.

Für die Präsidentschaftswahl 2016 am 8. November sieht der Daten-Magier eine weitere Schwierigkeit, die es in dieser Form so bislang noch nicht gegeben hatte: Nicht nur Trumps Art der Wahlkampfführung im Allgemeinen, sondern seine umstrittene Persönlichkeit im Speziellen sowie die Hässlichkeit der Kampagne an sich machen es schwierig, aus den Daten Stringenz und Konstanz herauszulesen.

"Es gibt Tage", meinte Nate Silver jüngst auf Twitter, "an denen diese Kampagne so vom Wahnsinn geprägt ist und es so viele verrückte Nachrichten gibt, dass es schwer ist, damit zu arbeiten."

Sollten Silver und sein Team am Tag nach der Wahl bei allem Wahnsinn dennoch erneut richtig liegen, wäre es wohl eine Art nostradamisches Meisterstück.

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