Geld war im US-Wahlkampf schon immer ein entscheidender Faktor. Doch diesmal sprengt ein Bewerber für das Präsidentenamt alle bisher gekannten Dimensionen.

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Es war ein Abendessen der besonderen Art, dem Donald Trump am vergangenen Samstagabend in Florida beiwohnte. Auf einem Anwesen in Palm Beach versammelte sich ein exklusiver Zirkel von Unterstützern des US-Präsidenten zu einem Spenden-Dinner. Eine Runde von etwa 40 Leuten, bei der Trump nach Angaben der Republikanischen Partei etwa zehn Millionen US-Dollar einnehmen sollte. Das heißt umgerechnet: Wer dabei sein wollte, um etwa zwei Stunden mit dem Präsidenten zu dinieren, musste pro Kopf etwa eine Viertelmillion US-Dollar zahlen - als Spende für dessen Wiederwahlkampagne.

Essen oder Treffen mit Spendern in kleiner Runde absolviert Trump ständig, oft mit happigen "Eintrittspreisen" im fünfstelligen Bereich oder höher. Der Abend auf dem Anwesen eines reichen Investors in Palm Beach aber sei die bislang teuerste Spendensammel-Veranstaltung des Präsidenten gewesen, berichtete die "Washington Post".

US-Wahl 2020: Für Bloomberg spielt Geld keine Rolle

Wahlkämpfe in den USA sind eine kostspielige Angelegenheit. In diesem Wahlkampf hat Trump es noch dazu mit einem möglichen demokratischen Herausforderer zu tun, für den Geld keine Rolle spielt: Michael Bloomberg.

Trump versteht sich als Amtsinhaber gut darauf, Spenden zu sammeln. Hier liegt er vor allen demokratischen Präsidentschaftsbewerbern, seine Kampagne hat bislang mehr als 200 Millionen Dollar zusammengetragen. Bloomberg allerdings bemüht sich gar nicht erst um Spenden. Der Milliardär und frühere New Yorker Bürgermeister setzt allein sein eigenes riesiges Vermögen für den Wahlkampf ein. Das ist selbst für Trump ein Problem.

Bloomberg ist einer der reichsten Menschen der Welt. Der Demokrat, der einst das nach ihm benannte Finanz- und Medienunternehmen gründete, hat enorme Geldsummen angehäuft: Sein Vermögen wird auf fast 63 Milliarden Dollar geschätzt.

Allein in den ersten paar Wochen seiner Kampagne, zwischen Ende November und Ende Dezember, pumpte Bloomberg 188 Millionen Dollar in seinen Wahlkampf. Inzwischen hat er laut einem Bericht der "New York Times" rund 400 Millionen Dollar ausgegeben, zig Millionen davon für teure Wahl-Werbeclips im Fernsehen. Dazu kommt ein digitaler Wahlkampf in den sozialen Medien, wo reichweitenstarke Accounts und Influencer gegen Geld lustige "Memes" zu Bloomberg verbreiten und für den Demokraten werben.

In US-Medienberichten heißt es, Bloomberg locke Mitarbeiter für seine Kampagne mit üppigen Gehältern, schicken Handys und Laptops, freien Mahlzeiten und dergleichen. Bei Wahlkampfveranstaltungen des Milliardärs würden bisweilen Essen und Drinks gereicht - alles Dinge, die es bei anderen Präsidentschaftsbewerbern nicht gibt. Bloombergs Kampagne hält sich zu solchen Fragen bedeckt.

Michael Bloombergs eigenwillige Strategie

Bloomberg ist erst Ende November und damit sehr spät in das Rennen seiner Partei eingestiegen. Die parteiinterne Konkurrenz hatte da schon monatelang Wahlkampf gemacht. Doch Bloomberg betreibt - mit Hilfe seines Geldes - eine eigenwillige Strategie. Er bestreitet weniger öffentliche Wahlkampfauftritte als seine parteiinternen Konkurrenten - dank der vielen Fernseh-Werbung ist er trotzdem sehr präsent. Die ersten paar kleinen Staaten der Vorwahlen hat er gleich ganz ausgelassen im Wahlkampf, er setzt stattdessen alle Kraft auf den "Super Tuesday", an dem in mehr als einem Dutzend Bundesstaaten Vorwahlen anstehen - darunter in großen Staaten wie Kalifornien oder Texas, wo gleich Hunderte Delegiertenstimmen für den Nominierungsparteitag der Demokraten im Sommer vergeben werden.

Mit dieser Taktik hat sich Bloomberg in nationalen Umfragen in kürzester Zeit auf den dritten Platz vorgearbeitet - hinter den linken Senator Bernie Sanders und Ex-Vizepräsident Joe Biden.

Eine Rolle spielen dabei nicht nur Bloombergs aktuelle Investitionen. Er hat über Jahre Unsummen gespendet für alle möglichen Gesellschaftsbereiche und sich damit viele Freunde gemacht - oder zumindest loyale Fürsprecher. Vor allem hat er aber auch der Demokratischen Partei in der Vergangenheit finanziell sehr unter die Arme gegriffen - und vielen Demokraten in Wahlkämpfen, die nun öffentlich ihre Unterstützung für ihn erklären. Geld schafft Verbundenheit, manche nennen es Abhängigkeit.

Die aktuellen Wahlkampf-Ausgaben schmerzen Bloomberg ohnehin nicht sehr. Die "Washington Post" rechnete vor, allein seit Bloombergs Einstieg ins Rennen Ende November habe sich sein Vermögen um mehr als acht Milliarden US-Dollar vergrößert - also um mehr als 100 Millionen US-Dollar am Tag. Die bisherigen Wahlkampfausgaben sind nach dieser Rechnung also weniger als das, was Bloomberg innerhalb einer Woche verdient. Seine finanziellen Ressourcen scheinen schier endlos.

Wird Donald Trump nervös?

Den Präsidenten jedenfalls scheint das nervös zu machen. Trump und Bloomberg verbindet eine lange Rivalität. In den vergangenen Wochen griff der Präsident den Demokraten auffallend oft öffentlich an und verspottete ihn als "Mini Mike". Derartige Aufmerksamkeit Trumps wird nicht jedem zuteil.

Aber kann das ganz Geld Bloomberg tatsächlich zur Nominierung verhelfen? Das Rennen der Demokraten ist hart umkämpft. Bloomberg muss auch mit Inhalten und seiner öffentlichen Performance punkten. Und derzeit holt ihn seine Vergangenheit ein: Sexismus-Vorwürfe aus seiner Zeit als Geschäftsmann, Rassismus-Vorwürfe aus seiner Zeit als New Yorker Bürgermeister.

Linksgerichtete Präsidentschaftsbewerber der Demokraten, wie die Senatoren Bernie Sanders oder Elizabeth Warren, prangern regelmäßig den Einfluss wohlhabender Spender auf die Wahl an - oder beklagen mit Blick auf Bloomberg, es könne nicht sein, dass ein schwerreicher Kandidat die Wahl kaufe. Sanders selbst ist beim Spendensammeln sehr erfolgreich, ohne dass er Geld von Großspendern annimmt. Er liegt weit vorne bei der Zahl der Einzelspenden, weil Anhänger ihm in großen Scharen kleine Beträge geben und so seine Wahlkampfkasse füllen. Zehn Millionen Dollar wie Trump macht er damit an einem Abend jedoch nicht.  © dpa

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