Nach der Nominierung von Kamala Harris als Vize des designierten demokratischen US-Präsidentschaftskandidaten Joe Biden gab es von zahlreichen Politikern und Prominenten Glückwünsche. US-Präsident Trump hat die Senatorin unterdessen mit deutlichen Worten angegriffen.

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Mit Kamala Harris könnte erstmals eine schwarze Frau Vize-Präsidentin der Vereinigten Staaten werden. Der designierte Trump-Herausforderer der US-Demokraten, Joe Biden, verkündete die Senatorin aus Kalifornien am Dienstag als seinen "Running Mate" (Vizepräsidentschaftskandidatin) für die US-Präsidentschaftswahlen im November.

Der erste gemeinsame Auftritt der beiden soll schon am Mittwochnachmittag (Ortszeit) in Wilmington (Delaware) folgen.

Auf Twitter bezeichnete die 55-jährige Harris es als "Ehre", mit Biden antreten zu dürfen. Sie werde alles dafür tun, um ihn zum Oberbefehlshaber zu machen. "Joe Biden kann das amerikanische Volk einen, weil er sein Leben damit verbracht hat, für uns zu kämpfen. Und als Präsident wird er ein Amerika aufbauen, das unseren Idealen gerecht wird".

Harris und Biden sollen beim offiziellen Parteitag der Demokraten vom 17. bis 20. August nominiert werden. Wegen der Corona-Pandemie findet das Treffen weitgehend digital statt.

Trump greift Kamala Harris an: "Sie hat gelogen"

Der amtierende US-Präsident Donald Trump hat Kamala Harris unterdessen auf breiter Front angegriffen. "Sie hat gelogen. Sie hat Dinge gesagt, die nicht wahr waren", sagte Trump am Dienstag (Ortszeit), ohne genauer darauf einzugehen.

Harris wolle die Steuern erhöhen, die Militärausgaben senken und sei gegen die Erdgas-Förderung per Fracking, zählte er auf. Das alles sind Ansichten, mit denen Trump versuchen könnte, seine republikanische Kern-Wählerschaft gegen Harris zu mobilisieren.

Außerdem hielt der Präsident der 55-Jährigen vor, sie sei gegenüber seinem Kandidaten für das Oberste Gericht der USA, Brett Kavanaugh, bei der Anhörung im Senat ganz besonders "bösartig" gewesen. "Das werde ich nicht so schnell vergessen", sagte Trump bei seiner Pressekonferenz im Weißen Haus.

Der Bestätigungsprozess von Kavanaugh im Senat war 2018 extrem kontrovers, nachdem mehrere Frauen ihn sexueller Übergriffe beschuldigt hatten. Er wurde am Ende knapp mit den Stimmen der Republikaner ernannt.

Trump ergänzte, sein Vizepräsident Mike Pence gefalle ihm viel besser. Unter anderem werde er von allen religiösen Gruppen respektiert.

Der 77-jährige Biden hatte bereits Mitte März angekündigt, im Fall eines Wahlsiegs eine Frau zur Vizepräsidentin zu machen. Infolge der landesweiten Proteste gegen Rassismus und Polizeigewalt nach dem Tod des Afroamerikaners George Floyd bei einem brutalen Polizeieinsatz Ende Mai in Minneapolis war der Druck auf ihn gewachsen, eine nicht-weiße Frau aus der Liste der potenziellen Kandidatinnen zu wählen. Harris galt als Favoritin.

Harris bewarb sich zunächst selbst als Präsidentschaftskandidatin

Harris ist die zweite Afroamerikanerin in der Geschichte, die in den US-Senat gewählt wurde. Sie gehört zu den bekanntesten schwarzen Politikerinnen des Landes. Harris wollte Trump im November den Präsidentenposten eigentlich selbst streitig machen und hatte versprochen, das Land wieder einen zu wollen.

Zu Beginn galt sie als chancenreiche Kandidatin. Ihre Kampagne konnte den anfänglichen Schwung aber nicht aufrecht erhalten.

Ihre Beziehung zu Biden gilt als gut, auch wenn die beiden im Präsidentschaftsrennen einige Male aneinander gerieten. Als Generalstaatsanwältin habe sie eng mit Bidens Sohn Beau zusammengearbeitet, zusammen hätten sie es mit den großen Banken aufgenommen, die arbeitende Bevölkerung unterstützt und Frauen und Kinder vor Missbrauch geschützt, erklärte Biden.

Unterstützung von Obama und vielen Prominenten

"Ich war damals stolz und ich bin jetzt stolz, sie als meine Partnerin in dieser Kampagne zu haben." Ex-Präsident Barack Obama - dessen Vize noch Joe Biden war - schrieb: "Das ist ein guter Tag für unser Land. Jetzt lass uns das Ding gewinnen."

Die ehemalige Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton würdigte Harris "als unglaubliche Beamtin und Anführerin". Susan Rice, die auch als aussichtsreiche Kandidatin für den Posten gehandelt wurde, übermittelte ihre "wärmsten Glückwünsche" und nannte Harris "eine hartnäckige und wegweisende Anführerin, die eine großartige Partnerin auf dem Kampagnenweg sein wird".

US-Sängerin Pink vergießt "wahre Freudentränen", Schauspielerin Kerry Washington ist von dem "historischen Moment" völlig überwältigt.

"Ich freue mich für dich und bin erleichtert und froh für unser Land", gratulierte Sharon Stone der Senatorin aus Kalifornien. Er könne es kaum erwarten für das Biden-Harris-Team zu stimmen, schrieb Sänger John Legend. Nach den Wahlen im November werde die schwierige Arbeit beginnen, von Donald Trumps "Alptraum"- Präsidentschaft zu genesen.

Die Afroamerikanerin Kerry Washington ("Django Unchained") verwies auf den historischen Moment, dass erstmals eine Schwarze und eine Frau mit indischen Wurzeln für eine der beiden großen Parteien als Vize-Kandidatin ins Rennen zieht. Sie freue sich von ganzem Herzen für all die Kinder, die sich in Harris sehen und nun "größer träumen" können.

Sängerin Cher schmückte ihren Tweet "Gratulation Madame Vize-Präsident" mit einem Partyknaller-Emoji. "Ich weine vor Freude", schrieb Schauspieler Josh Gad. "Gab es je einen aufregenderen Tag", jubelte die indisch-amerikanische Komikerin Mindy Kaling ("The Mindy Project").

Charlize Theron rief ihre Twitter-Follower zum Wählen auf. "Auf geht's", schrieb die Oscar-Preisträgerin. Mit Harris stehe das Team nun fest. "Jetzt liegt es an uns zu wählen."

Biden liegt im Moment deutlich vor Trump

Bidens Entscheidung war mit Spannung erwartet worden, weil sie sich nicht nur auf seine Wahlchancen auswirken dürfte, sondern auch entscheidend auf die Zukunft des Landes.

Bei Amtsantritt wäre Biden 78 Jahre alt. Es wird gemutmaßt, dass er nur eine Amtszeit lang regieren könnte, sollte er die Wahl am 3. November gewinnen. Als Vizepräsidentin könnte sich Harris an seiner Seite profilieren und in Stellung dafür bereiten, sein Erbe anzutreten.

Biden liegt in Umfragen derzeit deutlich vor Trump. Wegen des komplizierten Wahlsystems sind diese Prognosen allerdings mit Vorsicht zu genießen. Zudem kann in den USA in den verbleibenden Wochen bis zur Wahl erfahrungsgemäß viel passieren.

Die Corona-Pandemie hat den Wahlkampf komplett auf den Kopf gestellt. Negativ wirkte sich das auf Bidens Kampagne bislang nicht aus. Trotz Trumps fast täglicher Auftritte blieb Biden seit der Zuspitzung der Krise zumeist zuhause in seinem Haus im Bundesstaat Delaware, ging zuletzt aber immer öfter in die Offensive. So stellte er einen Investitionsplan und seine Absichten im Kampf gegen den Klimawandel vor. (dpa/dh)

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