"Des einen Freud ist den anderen Leid", so lautet ein altes Sprichwort. Doch das stimmt nicht immer. Profischiedsrichter Assad Nouhoum hätte sich sicher gewünscht, dass sein Zweitligadebüt nicht durch die Verletzung seines Kollegen eingeläutet wurde.

Eine Kolumne
Diese Kolumne stellt die Sicht von Petra Tabarelli (FRÜF) dar. Informieren Sie sich, wie unsere Redaktion mit Meinungen in Texten umgeht.

Assad Nouhoum ist nicht nur ein erfahrener Schiedsrichter, sondern auch ein Vorbild für viele. Seit 2009 im Schiedsrichterwesen tätig, führte ihn sein Weg über Jahre hinweg auch als Spieler auf den Fußballplatz. Bis zur Saison 2016/2017 kickte er für den SC Oberweikertshofen in der Landesliga, während er gleichzeitig Spiele in der Bayernliga leitete. Doch 2017 entschied sich der Fürstenfeldbrucker, der stets mit einem Lächeln auf den Lippen agiert, sich vollständig dem Schiedsrichterwesen zu widmen.

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Fünf Jahre später, im August 2022, leitete der studierte Ingenieur zum ersten Mal ein Spiel in der 3. Liga und damit im Profifußball. Ein rasanter Aufstieg, der von Nouhoums großem Potenzial zeugt. Und nun der spontane und zunächst einmalige Aufstieg in die 2. Bundesliga. Nach dem Spiel musste Nouhoum die unerwartete Situation erst einmal verarbeiten und wünschte seinem verletzten Kollegen rasche Genesung.

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Ein Kaltstart im Max-Morlock-Stadion

Am vergangenen Wochenende sollte Assad Nouhoum als Vierter Offizieller das Zweitligaspiel zwischen dem 1. FC Nürnberg und Fortuna Düsseldorf begleiten. Bereits nach 23 Minuten verletzte sich Schiedsrichter Richard Hempel an der linken Wade, das Spiel wurde unterbrochen. Eine Viertelstunde später übernahm Nouhoum die Verantwortung und setzte die Partie fort – ein Kaltstart im wahrsten Sinne, da die Temperaturen im Nürnberger Max-Morlock-Stadion knapp unter dem Gefrierpunkt lagen.

Nouhoum zeichnet nicht nur seine Schiedsrichterfähigkeiten aus, sondern auch sein soziales Engagement. Als Pate für junge Schiedsrichter in seinem Heimatlandkreis steht er jungen Talenten mit Rat und Tat zur Seite und freut sich darüber. "Ich kann so meine Erfahrungen direkt an den jungen Schiri-Kollegen weitergeben. Das ist mir sehr wichtig, schließlich habe ich das auch selbst erlebt", sagte er der "tz".

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Ein ausgezeichnetes Vorbild

Zudem engagiert er sich gegen Rassismus, den er auf und außerhalb des Fußballplatzes erlebte. Er selbst hat gelernt, damit souverän umzugehen, und möchte als Anti-Rassismus-Pate Jugendlichen Mut zu machen, die aufgrund von Sorgen vor Rassismus zögern, die Pfeife in die Hand zu nehmen.

"Ich kenne Leute mit Migrationshintergrund, die auch gerne Schiedsrichter sein würden, es aus Angst vor rassistischen Anfeindungen aber nicht sind. Hier möchte ich Vorbild sein und zeigen, dass es doch geht. Dass man sein Hobby unabhängig von Religion, Hautfarbe, Geschlecht, oder Herkunft ausüben kann", sagte er dem "Merkur".

Ein Hoffnungsschimmer für die Zukunft

Wie schon gesagt, er ist ein Vorbild für viele. Als solches erhielt er im November 2022 den DFB-Nachwuchs-Preis "Der bemerkenswerte Weg 2022" für sein herausragendes gesellschaftliches Engagement. Diese Auszeichnung würdigt Menschen im Fußball, die sich für mehr Respekt einsetzen und Zivilcourage zeigen, und wurde von der Stiftung des ehemaligen Bundesligaschiedsrichters Markus Merk und seiner Frau Sabine verliehen.

Die Fußballwelt kann nur hoffen, dass Assad Nouhoum bald seinen regulären Aufstieg in die 2. Bundesliga und anschließend ins Oberhaus schafft. Als Vorbild und engagierter Botschafter des Fußballs verdient er nicht nur Respekt, sondern auch die Chance, ganz oben zu pfeifen.

Verwendete Quellen

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