Fußball-Trikot ist nicht gleich Fußball-Trikot: Bei Welt- und Europameisterschaften wird uns das immer wieder vor Augen geführt. Für uns hat sich Mode-Designer Kay Rainer die diesjährigen Modelle aus Modesicht mal genauer angeschaut.

Wie gefallen Dir die EM-Trikots in diesem Jahr?

Sie sind sehr farbenfroh. Aber wenn ich ehrlich bin, habe ich schon schönere gesehen. Das gab es in den letzten Jahren stylischer. Es ist blasser geworden. Die Slowakei zum Beispiel - total blass.

Im Rückblick erkennt man bei Fußball-Trikots ja immer die Mode ihrer jeweiligen Zeit, mit den extrem kurzen Hosen in den 70er- und 80er-Jahren, den weiten Hemden in den 90ern. Was würdest Du sagen, kennzeichnet das Jahr 2016?

Auf den ersten Blick fällt da nichts Besonderes auf. Ich bin froh, dass der Retro-Stil da nicht so eingesetzt hat - dass die ganz kurzen Hosen noch kein Comeback erlebt haben. Die Stutzen gehen höher und die Hosen sind auf Bermudahöhe, aber vielleicht merkt man das wirklich Besondere erst in 15 Jahren in der Rückschau.

Welches sind Deine Favoriten unter den Trikots?

Mein absoluter Liebling ist Kroatien. Es ist eine gute Kombination mit der Short und es fällt sofort ins Auge. Das erkennt man schon von weitem. Klassisch elegant und schön ist Belgien. Vom Look her sieht es ein bisschen aus, als würden sie alte Trikots von Deutschland auftragen. Das türkische Trikot mit dem Farbverlauf finde ich auch sehr interessant. Das gute "Interessant" - nicht das kurz vor scheiße.

Welche sind Deiner Meinung nach misslungen?

So richtig misslungen ist keines, aber das schwedische Trikot ist schon sehr altbacken. So als hätten sie seit 30 Jahren das gleiche an, mit leicht verändertem Schnitt. Das spanische Heimtrikot ist auch ein bisschen langweilig.

Spielplan der Fußball-EM 2016

Was hältst Du von dem deutschen Trikot?

Das Heimtrikot ist halt schwarz-weiß. Meine Adiletten sehen genauso aus. Ich mag sie zwar, aber sie sind nicht der Burner. Beim Auswärtstrikot mag ich das Shirt. Aber Hose und Stutzen passen nicht so richtig dazu. Die Hose sieht so aus, als hätten sie sie von einem anderen Trikot übernommen.

Findest Du, sie hätten das Schwarz-Rot-Gold mit einarbeiten sollen, wie es in den 90er-Jahren gemacht wurde?

Ich glaube, es ist besser, wenn sie es rauslassen. Sonst wird es so ein bisschen beliebig - und man könnte sie leicht mit Belgiern verwechseln (lacht).

Worauf würdest Du besonders achten, wenn Du ein Trikot für die Nationalmannschaft entwerfen dürftest?

Der Schnitt ist das Wichtigste. Die Fußballer sind inzwischen so durchtrainiert, dass ein tailliertes Trikot wichtig ist. Ich würde auch noch kleine Details einarbeiten. Einen angesetzten Kragen, einen unterlegten Schlitz. Irgendetwas, um es besonders zu machen. Hingucker, die das Trikot auch für Fans zu etwas Besonderem machen.

Kay Rainer ist ein kreativer Kopf, der sich der Kombination aus Mode, Kunst und Lifestyle verschrieben hat. Seine Inspirationen holt sich der Designer auf seinen vielen Reisen, ob national oder international. Modebewusste Damen aus ganz Deutschland und Österreich lassen sich ihre individuellen Einzelanfertigungen vom Designer und seinem Team auf den Leib schneidern. Aber auch die Wohnkultur profitiert inzwischen von dem Gestaltungsgespür des Designers: Für das bekannte Architekturmagazin casamia blickt Kay Rainer in seiner Kolumne durch das Schlüsselloch exklusiver Behausungen.