• In den vergangenen Wochen kommt es in Frankreich immer wieder zu Fan-Krawallen.
  • Frankreich-Experte Alexis Menuge erklärt, was hinter den Fan-Ausschreitungen steckt und kritisiert den Ligaverband.
  • Außerdem warnt Menuge vor einem Auswärtsspiel des Pariser Starensembles um Lionel Messi.
Eine Analyse

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Die Ligue 1 in Frankreich ist derzeit in aller Munde, doch dies liegt kaum an der Verpflichtung von Lionel Messi durch Paris Saint-Germain. Auch Messis wechselwilliger Teamkollege Kylian Mbappé beherrscht die Schlagzeilen nicht im Alleingang, sondern es sind Bilder, wie diejenigen des 22. August.

Im Duell der Rivalen OGC Nizza und Olympique Marseille flogen immer wieder Gegenstände aus den Zuschauerrängen aufs Feld, bevor in der 75. Minute OM-Spieler Dimitri Payet von einem Wurfgeschoss getroffen wurde und die Situation anschließend komplett eskalierte. Die logische Konsequenz war der Spielabbruch, nachdem Fans, Offizielle und Spieler auf dem Feld aneinandergeraten waren. In den folgenden Wochen gab es immer wieder Krawalle in den Stadien der französischen Eliteliga.

Zuletzt beim Europa-League-Spiel zwischen Olympique Marseille und Galatasaray Istanbul. Rauchbomben und Feuerwerkskörper waren auf den Rängen gezündet worden und es gab Auseinandersetzungen zwischen beiden Fanlagern. Die Partie musste für acht Minuten unterbrochen werden und insgesamt waren 550 Polizisten im Stade de Velodrome im Einsatz, um die Ausschreitungen einzudämmen.

Frankreich-Experte: Fans kommen oft aus ärmeren Verhältnissen

"Die Zuschauer durften eineinhalb Jahre nicht ins Stadion. Dadurch baute sich eine enorme Vorfreude auf – vielleicht etwas zu sehr. In Frankreich gibt es schnell Krawalle, wenn zu viele 'Übermotivierte' aufeinandertreffen", nennt Ligue-1-Experte Alexis Menuge im Gespräch mit unserer Redaktion einen möglichen Grund für die Ausschreitungen. Insgesamt sei in Frankreich die Hemmschwelle für Gewalt viel niedriger, auch weil in der französischen Gesellschaft insgesamt eine "angespannte Stimmung" herrsche, meint der Journalist.

Menuge erklärt: "Die meisten Fans bei 'heißblütigen' Klubs wie Olympique Lyon, Olympique Marseille oder Racing Straßburg kommen aus ärmeren Verhältnissen. Sie fühlen sich von der Politik im Stich gelassen und betrachten den Stadionbesuch als eine Art Urlaub, bei dem sie sich alles erlauben dürfen, was aber natürlich nicht geht." Zudem haben viele Fans den Eindruck, dass sie "einfach so auf das Spielfeld laufen können, ohne größere persönliche Konsequenzen befürchten zu müssen".

Nach Fan-Ausschreitungen in Ligue 1: Punktabzug für Nizza

Ganz ohne Bestrafung bleibt ein solches Fan-Fehlverhalten aber nicht. Nizza erhielt nach den wüsten Krawallen gegen Marseille einen Punktabzug von zwei Zählern, zudem wurden bei anderen Ausschreitungen "Geisterspiele" verhängt. Doch offenbar reichen diese Strafen noch immer nicht aus, um die "Krawallmacher" abzuschrecken.

Menuge ist skeptisch, ob die Krawalle in Frankreichs Stadien schnell wieder eingedämmt werden können, denn "der Ligaverband muss das Problem erst einmal richtig ernst nehmen. Es gibt dort niemanden der das Zepter in die Hand nimmt und für klare Verhältnisse sorgt". Es müsse "viel mehr individuell bestraft werden, statt ganze Fangruppierungen", fordert der Frankreich-Kenner.

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Menuge warnt vor PSG-Duell mit Marseille

Doch möglicherweise könnten sich Frankreichs Fußball-Fans auch ein Beispiel an den Anhängern des Rugbys nehmen. "Da gab es nie Krawalle zwischen den Fans, stattdessen wird zusammen gefeiert und getrunken", berichtet Menuge.

Die Realität ist aber eine andere, denn nach der Länderspielpause steht erneut ein brisantes Duell auf dem Plan. "Ich habe bereits Angst vor der Partie zwischen Marseille und PSG am 24. Oktober. Trotz der klangvollen Namen von Lionel Messi, Kylian Mbappé und Neymar wird PSG ein übler Empfang bereitet werden und ich denke es wird Ausschreitungen geben", warnt Menuge vor der nächsten Eskalation in der Ligue 1.

So fällt er ein ernüchterndes Fazit bezüglich der Krawalle in den französischen Stadien: " Es gibt schon seit Jahrzehnten immer wieder Probleme in Frankreichs Fußballstadien, warum also sollte sich das jetzt ändern? Ich habe meine Zweifel, denn es sind nicht die richtigen Leute an den wichtigsten Positionen, um etwas bewirken zu können."
Daran können wohl nicht einmal weitere magische Taten von Messi, Neymar oder Mbappé etwas ändern.

Über den Experten:
Der Franzose Alexis Menuge berichtet bereits seit mehreren Jahren in verschiedenen Medien über die Ligue 1 und arbeitet zudem als Ligue-1-Experte für den Streaming-Anbieter DAZN.

Verwendete Quellen:

  • Gespräch mit Alexis Menuge
  • Sportschau.de: Krawalle erschüttern Frankreichs Ligue 1
  • Sportbuzzer.de: Spiel in Nizza abgebrochen: Fans stürmen nach Streit mit Marseille-Star Dimitri Payet auf den Platz
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Eventuell ist Lionel Messi angesichts der Ansammlung von Superstars bei Paris Saint-Germain genau das Puzzleteil, das bislang zum großen Wurf, zum Gewinn der Champions League, gefehlt hat. Der Weltfußballer aus Argentinien hat in jedem Fall Großes in Frankreich vor. (Teaserbild: picture alliance/dpa/AP/Francois Mori) © Sky