Teure Autos, hübsche Frauen und Millionen auf dem Bankkonto - so stellen sich die meisten das Leben der Fußballprofis vor. Doch das schillernde Geschäft hat seine Schattenseiten. Und Ulf Baranowsky kennt sie. Im Exklusiv-Interview mit unserem Portal spricht der Geschäftsführer der Vereinigung der Vertragsfußballer (VdV) über die Gründe, die einen Ex-Profi nach dem Karriereende in den finanziellen Ruin führen können.

Wer in Deutschland professionell Fußball spielt, hat frühzeitig für den Rest seines Lebens ausgesorgt. So lautet die gängige Meinung vieler Fans über die umjubelten Stars. Doch Ulf Baranowsky weiß, dass dem in vielen Fällen nicht so ist. Der Geschäftsführer der Vereinigung der Vertragsfußballer (VdV), der über 1.300 Mitglieder angehören, schätzt, dass ein Viertel aller Profifußballer nach dem Karriereende finanzielle Probleme haben.

Lediglich bei den Topstars bestehe die Gefahr dieser Entwicklung kaum. "Bei den Gut-Verdienern kommt das eher selten vor, dass jemand totalen Schiffbruch erleidet. Heutzutage sollten Topspieler, die vielleicht sogar in der Champions League oder für die Nationalmannschaft spielen, für die Zeit nach ihrer Karriere ausgesorgt haben", sagt Baranowsky im Exklusiv-Gespräch mit unserem Portal.

"Keine abrufbaren beruflichen Qualifikationen"

Doch je weiter Fußballer von der ersten Liga entfernt spielen, desto größer sei das Risiko, dass sie in Geldnöte geraten - in diesen Fällen nicht zwingend erst nach der Karriere. "Wer in der vierten Liga spielt, wo auch unter professionellen Bedingungen gearbeitet wird, verdient manchmal weniger als vier Euro die Stunde", sagt Baranowsky. Und platzt der Traum vom großen Geld während der Fußball-Laufbahn, sieht es für viele auch danach finanziell schlecht aus, denn "drei von vier Fußballern verfügen am Karriereende nicht über abrufbare berufliche Qualifikationen."

Um dieser Entwicklung bereits frühzeitig entgegenzuwirken, arbeitet die VdV eng mit dem DFB (Deutscher Fußball-Bund), dem Ligaverband und der DFL (Deutsche Fußball Liga) zusammen. "Im präventiven Bereich ist es unser Ziel, frühzeitig für das Thema zu sensibilisieren", sagt Baranowsky. Mit anderen Worten: Es wird den jungen Nachwuchshoffnungen frühzeitig klargemacht, dass es ein Leben nach dem Fußball geben wird, denn "der sportliche Aufstieg kommt sehr schnell, der sportliche Absturz manchmal aber auch." Deshalb geht die VdV mit ihrer Vortragsreihe "FIT FOR JOB" in die Jugendmannschaften der Profiklubs, um dort Talente und deren Eltern zu informieren.

Hilfsfonds ein gut gemeinter Vorschlag

Zudem steht die VdV ihren Mitgliedern durchgehend in beratender Funktion zur Seite. Braucht ein Mitglied beispielsweise arbeitsrechtliche Unterstützung, Hilfestellung bezüglich der Alters- und Gesundheitsvorsorge oder eben Beratung für die Zeit nach dem aktiven Fußball, kann sich dieser an die Vereinigung wenden. Das gilt nicht nur für aktive, sondern auch für ehemalige Profifußballer, solange sie dem VdV angehören. Baranowsky spricht sich klar für diesen Weg aus, statt, wie von Franz Beckenbauer und DFB-Präsident Wolfgang Niersbach jüngst angeregt, einen Hilfsfonds für in Not geratene Ex-Profis einzurichten. Der VdV-Geschäftsführer findet das zwar einen gut gemeinten Vorschlag, doch: "Allein Geld hinterherzuwerfen löst die Probleme in der Regel nicht." Vielmehr sei es wichtig, den Betroffenen "ganzheitliche Unterstützung bei einer Neuausrichtung der Lebensplanung" zu geben. Baranowsky weiß, dass es bei finanziellen Problemen immer einen Ausweg gibt. "Notfalls auch über die Chance zum Neustart nach einer Privatinsolvenz."

Die Gründe, warum dennoch einige einst erfolgreiche Profis in finanzielle Nöte geraten können, seien vielschichtig: "Der eine erkrankt schwer, der andere ist schlecht beraten oder etwas blauäugig – manchmal kommt auch alles zusammen."

Baranowsky warnt daher auch vor dubiosen Geschäftspartnern und rät den Spielern, dass sie ihr Geld auf solide Anlageformen streuen "und sich nicht mit unrealistischen Renditeversprechungen von unseriösen Beratern locken lassen". Ohnehin müssten Spieler wissen, dass es für den Berater "eine Geschäftsbeziehung und keine Freundschaft ist."