Nur noch fünf Tage bis zum ersten Spiel der deutschen Nationalelf bei der WM 2014 gegen Portugal. Die Südeuropäer definieren sich zu fast 100 Prozent über Weltstar Cristiano Ronaldo. Der Stürmer von Real Madrid ist das Herz der Mannschaft. Doch ist Portugal wirklich nur Ronaldo?

Im letzten Testspiel vor der Weltmeisterschaft in Brasilien beendete Portugals Superstar Cristiano Ronaldo alle Spekulationen, wonach er für den WM-Auftakt gegen Deutschland ausfallen könnte. Seit dem Champions-League-Finale mit Real Madrid (4:1 n.V. gegen Atletico Madrid) hatten die portugiesischen Ärzte und Physiotherapeuten mit Hochdruck daran gearbeitet, ihren Superstar rechtzeitig für das erste Gruppenspiel am Montag fit zu bekommen.

Gegen Irland feierte der Stürmer am Dienstag ein beeindruckendes Comeback. Ronaldo stand nach seinen Knie- und Oberschenkelproblemen nicht nur in der Startelf, er spielte bis zu seiner Auswechslung in der 64. Minute auch, als hätte es die Verletzung nie gegeben. In seiner typisch selbstbewussten Weise bereitete er ein Tor per Hacke vor und war an einem weiteren beteiligt. Mit Ronaldo zeigten sich die Portugiesen plötzlich wieder spielfreudig und kombinationssicher. Ohne ihren Ideengeber hatten sie in den Testspielen gegen Griechenland (0:0) und Mexiko (1:0) noch arge Probleme.

Portugal hat weitere Stars

Dieser Leistungsunterscheid macht deutlich, wie sehr das portugiesische Spielsystem auf Ronaldo ausgelegt ist. Dabei verfügt die "Selecao" neben Ronaldo über eine Vielzahl an hochkarätigen Spielern. In der Abwehr stehen mit Innenverteidiger Pepe und Linksverteidiger Coentrao zwei weitere Champions-League-Sieger von Real Madrid. Das zentrale Mittelfeld ist mit dem technisch versierten Joao Mountinho vom AS Monaco und dem aggressiven Raul Meireles von Fenerbahce Istanbul ebenfalls sehr gut besetzt. In der Offensive spielt mit Nani von Manchester United ein außergewöhnlich talentierter Spieler, der sein Potential jedoch zu selten abruft. Und auch der Ex-Bremer Hugo Almeida stellte mit zwei Toren gegen Irland wieder einmal seine vorhandenen Torjägerqualitäten unter Beweis.

Ronaldo prägt das Spielsystem

Dennoch schaffte es die Mannschaft in der Vergangenheit nicht, einen Ausfall ihres Superstars zu kompensieren. Der Grund ist die Taktik. Trainer Paulo Bento setzt, egal ob mit oder ohne Ronaldo, auf ein schnelles Umschaltspiel. Mit seiner Schnelligkeit und seinem Zug zum Tor ist Ronaldo der perfekte Spieler für dieses System. Fehlt er jedoch, kann sich die gegnerische Defensive auf die Angriffe der Portugiesen einstellen. Bei eigenem Ballbesitz mangelt es den Südeuropäern an Ideen. Es gibt zu wenige Spielertypen, die aus dem Positionsspiel heraus Torchancen schaffen können.

So hängt bei der WM wohl alles von Cristiano Ronaldo ab. Seine Form entscheidet darüber, ob er die Teamkollegen mitreißen kann. Gelingt es ihm, ist Portugal der erwartet schwere Gegner. Sollte "CR7" einen schlechten Tag erwischen oder erneut verletzt ausfallen, wird die portugiesische Mannschaft ernste Probleme bekommen.