In zwei Tagen beginnt die WM 2014 in Brasilien. Doch die Fifa samt ihres Präsidenten Sepp Blatter hat andere Sorgen. Die Vergabe der WM 2022 nach Katar steht unter Korruptionsverdacht. Sieben der acht großen WM-Sponsoren fordern eine baldige Aufklärung. Ein Rückzug der finanzstarken Geldgeber wäre eine Katastrophe. Die Fifa und ihr Präsident sitzen die Probleme erst einmal aus.

Die Fifa ist in der Geschichte der Weltmeisterschaften ganz sicher schon beschwingter in ein Turnier gestartet als in diesen Tagen von Brasilien. Die WM 2014 in Brasilien stand von Beginn an unter keinem guten Stern. Im "Land des Fußballs" Brasilien hatte sich Sepp Blatter anlässlich der 21. Auflage des Weltturniers ein Freudenfest erwartet.

Dann kamen die Probleme mit den Stadien, es gab Tote auf den Baustellen in Brasilia, Sao Paulo, Manaus und Cuiaba. Die Kostenexplosion von einer veranschlagten Milliarde Euro auf mittlerweile schon knapp drei. Die Proteste in allen Ecken des Landes gegen die Regierung und die Fifa. Was genau ab kommenden Donnerstag zu erwarten ist, kann niemand genau einschätzen. Es dürfte aber eine sehr unruhige WM werden für die Fifa und ihren Sonnenkönig Sepp Blatter.

Einladung für Franz Beckenbauer

Als wäre das nicht schon Ärger genug, rückt die Weltmeisterschaft in acht Jahren in Katar nun wenige Tage vor dem ersten Anstoß in Brasilien wieder in den Fokus. Vergangene Woche sorgten die Recherchen der "Sunday Times" für Aufsehen, die dem Austragungsort Katar im Rahmen der WM-Vergabe im Dezember 2010 Bestechung und Korruption vorwerfen.

Der frühere katarische Spitzenfunktionär und die damalige rechte Hand Blatters, Mohamed bin Hammam, soll 1,7 Millionen Dollar für Stimmen aus Asien bezahlt haben. Er soll dem Bericht zufolge auch um die Gunst von Franz Beckenbauer und Uefa-Präsident Michel Platini geworben haben.

Wie Beckenbauers Management bestätigte, hat der "Kaiser" vom 1. April 2011 bis Ende März 2014 als Berater und Botschafter für die E.R. Capital Holding gearbeitet. Die Vorstände der Reederei sollen zusammen mit Beckenbauer auf Einladung von bin Hammam in Katar gewesen sein - nur wenige Monate nach der WM-Vergabe an das Emirat.

Sieben von acht Partnern sind misstrauisch

Beckenbauer, der bei der Abstimmung noch Mitglied der Fifa-Exekutive war und im ersten Wahlgang zunächst für Australien oder die USA gestimmt haben soll, weist die Vorwürfe der "Sunday Times", die laut eigenen Angaben Zugriff auf eine Million geheimer Dokumente hat, vehement zurück. "Beim Thema Korruption bin ich der falsche Ansprechpartner", sagt Beckenbauer.

Am Montag folgten der Ölkonzern "BP" und die Brauerei "Budweiser" ihren Mitstreitern "Adidas", "Coca-Cola", "Visa", "Hyundai" und "Sony" und forderten vom Weltverband, sich der Angelegenheit "in angemessener Art und Weise anzunehmen. Wir sind besorgt über die Situation und schauen uns die Entwicklungen genau an. Und wir erwarten von der Fifa, dass alle notwendigen Schritte unternommen werden, um alles aufzuklären."

Rund 400 Millionen US-Dollar hat die Fifa in den vergangenen zwei Jahrzehnten pro Jahr im Bereich des Sponsorings eingenommen. Nun werden die Geldgeber langsam nervös. Von den acht zahlungskräftigsten Partnern machen sieben Druck. Nur die Fluggesellschaft "Emirates Airlines" hält sich bisher komplett zurück.

Selbst "Adidas", seit über 40 Jahren treuer Partner der Fifa und vertraglich bis 2030 an den Weltverband gekoppelt, wurde zuletzt unruhig. "Der negative Tenor der öffentlichen Diskussionen rund um die Fifa im Moment ist weder gut für den Fußball noch für die Fifa und ihre Partner", ließ der Konzern verlautbaren.

Die Fifa selbst macht das, was sie in solchen Fällen fast immer macht: Sie sitzt die Dinge aus. "Unsere Sponsoren haben nichts Neues erbeten, was nicht schon längst durch unsere Ethikkommission in Angriff genommen wurde", sagt Marketingchef Thierry Weil.

Ergebnisse kommen Mitte Juli

Im Gegenzug zeigten sich die Verbände Afrikas sogar empört über die Berichterstattung und geißelten "die wiederholten, hasserfüllten, erniedrigenden Angriffe einiger Medien, besonders der britischen, auf den Afrikanischen Fußballverband, seine Mitglieder und den ganzen afrikanischen Kontinent." Auch Blatter selbst legte nochmal eine Schippe drauf, sprach von "Diskriminierung und Rassismus" und bösen Mächten, die den Fußball zerstören wollten.

Am Montag jedenfalls hat Fifa-Chefermittler Michael J. Garcia die Ermittlungen um die WM-Vergaben 2018 und 2022 offiziell beendet. Die Ergebnisse seiner Arbeit sollen Mitte Juli veröffentlicht werden - also nach der WM und nach dem Fifa-Kongress, der ab Dienstag in Sao Paulo stattfindet und auf dem sich Blatter entgegen seiner eigenen Ankündigung von vor vier Jahren erneut zur Wahl als Fifa-Präsident stellen mag. Es wäre die fünfte Amtszeit des mittlerweile 78-Jährigen.

Der europäische Verband UEFA wendet sich aber längst von Blatter ab und will in Michel Platini seinen eigenen Kandidaten nominieren. Für Blatter wird es - einmal mehr - eng. Also hielt er vor den Delegierten der asiatischen Fußball-Konföderation einen flammenden Apell. "Wenn wir nun Einigkeit zeigen, ist das der besten Weg, mit denen fertig zu werden, die die Fifa zerstören wollen!"

Die Tage in Brasilien werden für Fifa-Präsident Sepp Blatter entscheidende. Ein reibungslos verlaufendes Turnier ohne Zwischenfälle wäre ein kleiner Befreiungsschlag in großer Not. Nur ist damit nicht zu rechnen.