In einem Exklusivinterview mit Christoph Feuerstein für die ORF-Sendung "Thema" spricht das frühere Stabhochsprung-Talent Kira Grünberg nur eineinhalb Monate nach ihrem schweren Trainingsunfall über ihr neues Leben mit Querschnittslähmung und darüber, wie sie selbst ihren Unfall erlebt hat.

Eine hübsche und lebendige junge Frau blickt offen und fröhlich in die Kamera, während sie bereitwillig die Fragen von Christoph Feuerstein beantwortet und sich beim Essen, beim Rollstuhlfahren und bei verschiedenen Therapien zusehen lässt. Seit drei Wochen befindet sich Kira Grünberg nun auf Reha in Bad Häring und macht sehr gute Fortschritte auf ihrem Weg zurück ins Leben. Seit Kurzem kann sie auch ihre Hände ein wenig bewegen.

Immer noch hält die Welle des Mitgefühls an und sie bekommt täglich Briefe von Sportlerkollegen, von Prominenten, von Unbekannten, die mit ihr fühlen und ihr Mut machen. Das gibt ihr sehr viel Kraft, sagt Kira. Und voll Dankbarkeit wundert sie sich darüber, dass es so viele sind, die an sie denken. Natürlich sei sie gut gewesen, aber nicht an der Spitze und auch nicht sehr bekannt. "Ich glaube, die Leute hat es einfach sehr mitgenommen, dass das so einem jungen Mädchen passiert ist," meint Kira. Anders kann sie sich die große Anteilnahme, die Charity-Läufe und Solidaritätsbeweise nicht erklären. Den österreichischen Bundespräsidenten hätte sie in ihrem früheren Leben wohl auch nicht kennengelernt, lächelt sie.

"Es war klar, dass ich jetzt gelähmt bin"

Ob sie das Risiko bei ihrem Sport bewusst einkalkuliert hätte, fragt Christoph Feuerstein. Die Antwort kommt prompt: das Risiko sei ihr bekannt gewesen, aber sie selbst habe Stabhochsprung nie als gefährlich empfunden. Dass nur sie selbst die Verantwortung für ihren Unfall trägt, ist für Kira extrem positiv: "Nichts anderes - kein Wind, kein Gerät - ist schuld an meinem Unfall. Und das hilft mir." Ihre Mutter hatte, wie immer, den Sprung gefilmt. Doch die Bilder waren für Kira nur eine Bestätigung dessen, was sich in ihr Gehirn bereits fest eingebrannt hatte und was sie wieder und wieder vor sich gesehen hatte: "Ich habe einfach zu wenig Schwung aus dem Anlauf auf den Stab übertragen und habe es nicht auf die Matte geschafft." Die eigene Perspektive dabei sei gar nicht so schlimm, aber wenn sie über das Geschehen aus der Sicht der Eltern berichtet, laufen ihr Tränen über die Wange. Ihr selbst sei sofort klar gewesen, dass sie nun gelähmt sei, erzählt Kira.

Die folgende Operation hatte dem Erhalt der Lebensfunktionen gedient und dank ihrer Fitness kann Kira bereits wieder sitzen. Auch das Atmen und Essen musste sie erst wieder erlernen. In den täglichen Übungen in der Physiotherapie, der Logopädie und Ergotherapie werden die vorhandenen Restfunktionen gestärkt und verbessert. "Da kommt es mir zugute, dass ich das harte Training und die Beschäftigung mit dem eigenen Körper gewöhnt bin."

Kira Grünberg hegt keinen Groll. Sie hat ihr Schicksal angenommen und ist allen dankbar, die für sie da sind: ihrer Mutter, die sie wie früher als kleines Kind füttert und umsorgt und ihr Geborgenheit gibt, ihrem Vater und Trainer, der auch jetzt ihr Trainer bleibt und sie bei ihren neuen Zielen unterstützt, ihrem Bruder und ihrem Freund, der fest zu ihr steht. Für die Zukunft hat Kira bereits wieder Pläne: "Ich will Anderen, die ein ähnliches Schicksal haben wie ich, helfen." Wie das aussehen wird, weiß sie noch nicht genau, aber sie will ihnen die Sorge um die Zukunft nehmen. Und auf den Platz zu ihren Springerkollegen will sie auch bald wieder und ihnen ein paar Tipps geben. "Ich sitze jetzt im Rollstuhl, aber alles Andere, mein Geist, mein Kopf sind gleich geblieben."

Wenn Kira jetzt mit ihrem Vater in der Sonne sitzt und ein Eis isst, dann kann sie sich darüber freuen wie ein kleines Kind: "Diese Freude über kleine Dinge, das ist einfach fantastisch."