Bei der World Boxing Super Series treffen die 16 besten Boxer im Cruiser- und Supermittelgewicht aufeinander. Dem Sieger winken zehn Millionen US-Dollar. Die Deutschen Marco Huck und Jürgen Brähmer sind dabei.

Am Samstag geht es für Ex-Boxweltmeister Marco Huck um alles oder nichts. Mit 32 Jahren steuert der "Käpt'n" langsam auf das Ende der aktiven Boxer-Karriere zu.

Natürlich kommt da die Chance, noch einmal Weltmeister zu werden, gerade recht. In seiner Wahl-Heimat Berlin trifft er auf die Nummer eins der WBO, den amtierenden Champion und klaren Favoriten Oleksandr Usyk (30) aus der Ukraine.

Bei dem Kampf geht es für Huck aber nicht nur um neuerliche Weltmeister-Ehren. Er ist - und das ist das wirklich Besondere - der Auftakt zur World Boxing Super Series (WBSS).

Sie ist quasi die neu gegründete Champions League des Profi-Boxens. Jeweils acht der weltbesten Boxer aus dem Cruiser- und dem Supermittelgewicht treffen im K.-o.-System aufeinander und machen innerhalb eines Jahres den Besten unter sich aus.

Dem Sieger winken die neu ins Leben gerufene Muhammad-Ali-Trophy und zehn Millionen US-Dollar. Insgesamt werden 50 Millionen US-Dollar ausgeschüttet.

Streetfighter vs. Olympiasieger

Dass Huck die Premiere dieses Super-Turniers bestreiten darf, hat er seinem Gegner zu verdanken. Der wählte den Ex-Weltmeister, der seinen IBO-Titel im Cruisergewicht (bis 90 Kilo) im April nach schwacher Vorstellung an den Letten Mairis Briedis verlor, als seinen ersten Gegner.

Und nun will Huck zeigen, was er wirklich drauf hat: "Ich werde beweisen, dass ein Streetfighter gegen einen Olympiasieger bestehen kann", verkündete er bei der Pressekonferenz im Vorfeld des Turniers.

Usyk, ein Schützling von Wladimir Klitschko, wurde 2012 Olympiasieger in London und bestritt seitdem zwölf Profikämpfe, die er alle gewann, zehn davon durch K.o.

Huck punktet vor allem durch die Erfahrung von 45 Profi-Kämpfen und 40 Siegen, 27 davon durch K.o. Zwischen 2009 und 2014 war er WBO-Weltmeister und konnte seinen Titel 13 Mal verteidigen.

Ob der gebürtige Bosnier am Samstag nun mit Deutsch-Rock von Doro Pesch, einem Rap-Song von Eminem, Balkan-Techno oder einem Lied seines Freundes Matthias Reim einlaufen wird, ist noch unklar.

Aber eines steht fest: In seinen Fäusten wird Musik sein. Rund herum werden ihn seine Fans in der Max-Schmeling-Halle enthusiastisch anfeuern.

Das Publikum sitzt erstmals im Kreis um den Boxring. Die neue Bestuhlung soll den Zuschauern das Gefühl vermitteln, in einer Gladiatorenarena zu sein.

World Boxing Super Series wartet mit Neuerungen auf

Die Veranstalter, darunter Deutschlands größter Boxstall Sauerland Event, haben sich weitere Neuerungen ausgedacht: Es wird vier Punktrichter geben, falls sich die drei sonst üblichen Judges nicht auf einen Sieger einigen können.

So wird ein Unentschieden ausgeschlossen. Zudem ist erstmals auch hier wie beim Fußball der Video-Beweis vorgesehen, genannt "Instant Replay".

Promoter Kalle Sauerland erklärt: "Absichtliche Tiefschläge oder Kopfstöße können damit unmittelbar bestraft werden." Ob das besser funktioniert als bei der Premiere in der Fußball-Bundesliga im August, wird man sehen.

Neu ist außerdem, dass bei allen Kämpfen Ersatzleute bereitstehen, falls einer der gesetzten Boxer kurzfristig ausfällt. Am Samstag wird das auf deutscher Seite Nachwuchshoffnung Noel Gevor (26) sein, der ansonsten einen der hochkarätig besetzten Vorkämpfe bestreiten wird.

Im Kampf um die prestigeträchtige Muhammad-Ali-Trophy gibt es neben Marco Huck einen weiteren deutschen Anwärter: Jürgen Brähmer (38) wird am 29. Oktober in Las Vegas gegen den Amerikaner Rob Brant (26) in den Ring steigen.

Der ehemaliger Supermittelgewichts-Weltmeister (bis 72,6 Kilo) hat eine beeindruckende Kampfbilanz von 48 Siegen, 35 Knockouts und drei Unentschieden vorzuweisen.

Als Ersatzmann steht Vincent Feigenbutz (21) bereit. Arthur Abraham (37) wäre ebenfalls gerne dabei gewesen und hätte gute Chancen gehabt.

Doch durch die deutliche Niederlage gegen den zehn Jahre jüngeren IBO-Weltmeister Chris Eubank Jr. Mitte Juli hat sich nicht Abraham, sondern der junge Brite im Juli den letzten Startplatz gesichert.

Alle Teilnehmer auf einen Blick:

Cruisergewicht: Oleksandr Usyk vs. Marco Huck, Mairis Briedis vs. Mike Perez, Murat Gassijew vs. Krzysztof Wlodarczyk, Yunier Dorticas vs. Dmitri Kudriashow.

Supermittelgewicht: George Groves vs. Jamie Cox, Chris Eubank vs. Avni Yildrim, Callum Smith vs. Erik Skoglund, Jürgen Brähmer vs. Rob Brant.

Sat.1 hat sich die TV-Rechte an dem Turnier gesichert.