Nach Simon Ammanns Horrorsturz bei der Vierschanzentournee gibt es Entwarnung. Sein Zustand ist stabil, und er ist ansprechbar. Wie es um eine Rückkehr in den Profisport bestellt ist, steht allerdings in den Sternen.

Simon Ammann bleibt nach seinem üblen Sturz beim Finale der Vierschanzentournee in Bischofshofen vorerst im Krankenhaus. Der viermalige Skisprung-Olympiasieger war nach dem zweiten Sprung bei 136 Metern gelandet, verkantete und stürzte kopfüber. Dann verlor er kurzzeitig das Bewusstsein.

Die Untersuchungen im Spital in Schwarzach haben ergeben, dass sich Simon Ammann bei seinem gestrigen Sturz eine schwere Gehirnerschütterung sowie starke Prellungen im Gesicht zugezogen hat. Wie der Schweizer Skiverband mitteilte, erlitt er keine Knochenbrüche. Ammann wird noch einige Tage im Spital in Schwarzach bleiben und benötigt absolute Ruhe, um sich vollständig von dem Sturz zu erholen.

Der Unfall löste nicht nur im Schweizer Lager Betroffenheit aus. "Das hat nicht gut ausgesehen. Ich meine erkannt zu haben, dass er kurz bewusstlos war. Ich hoffe, dass er nicht zu schlimme Verletzungen davongetragen hat", sagte der deutsche Bundestrainer Werner Schuster.

Schwerster Sturz seit 2002

Für Ammann sollte sich bei der 17. Tournee-Teilnahme endlich der Traum vom ersten Gesamtsieg erfüllen. Doch schon beim Auftakt in Oberstdorf stürzte der Weltmeister von 2007 im ersten Versuch und verspielte damit alle Chancen. "Dort hat ihm der langsame Schnee einen Strich durch die Rechnung gemacht. Hier war es eher der glatte Aufsprunghang, wo es ihm die Ski auseinandergerissen hat. Das sah schon ziemlich brutal aus", erklärte Schuster.

Als Ammann kopfüber auf den eisigen Schnee prallte und blutüberströmt im Auslauf liegenblieb, verstummte die Party-Stimmung an der Paul-Außerleitner-Schanze urplötzlich. "Die Landegeschwindigkeit liegt so um die 120 km/h. Bei 120 Sachen mit dem Gesicht den Schnee zu polieren, ist nicht ratsam. Da erkennt dich deine Frau nicht mehr", beschrieb Schuster die fatalen Auswirkungen.

Bereits im Vorjahr war Ammann beim Weltcup in Lillehammer zweimal gestürzt. Damals trug er nur ein paar Schrammen davon. "Er riskiert sein letztes Hemd, hat eine extreme Vorlage und enorme Geschwindigkeit in seinem Sprung. Aber er hat jetzt schon ein paar Mal diese Landungsschwierigkeiten gezeigt. Das hat mit der Bindung und dem Umbau der Schuhe zu tun", analysierte Schuster. "Der Simon hat ein sehr extremes Material. Das erschwert das Ganze, wenn man mal die Balance verliert."

Seiner Ansicht nach hatte Ammann die Situation in Bischofshofen im entscheidenden Moment falsch eingeschätzt. "Er wollte aufs Podium und den Sprung unbedingt stehen. Wenn er sich gleich hätte hinfallen lassen, wäre vielleicht nichts passiert. Doch er hat gedacht, er kriegt es noch in den Griff, und ist dann im denkbar schlechtesten Moment in den Radius hineingestürzt", sagte Schuster.

Nun wird spekuliert, ob sich Ammann aus dem Profisport zurückzieht. ÖSV-Adler Thomas Morgenstern hatte nach zwei schweren Stürzen Ende 2013 und Anfang 2014 vergangenen September seine Karriere beendet. (mit Material von dpa)