Markus Eisenbichler ist derzeit der Hoffnungsträger des deutschen Skisprungverbands. Möglicherweise hätte er es nie so weit gebracht, hätte es nicht vor viereinhalb Jahren einen schweren Unfall gegeben.

Er ist momentan der einzige deutsche Skispringer, der ganz oben in der Weltspitze mitmischen kann. Durch einen dritten Platz beim Weltcup in Lillehammer am 11. Dezember hat es Markus Eisenbichler endgültig in den elitären Kreis der Top-Springer geschafft. Es war die bis dato beste Weltcup-Platzierung in der Karriere des 25-Jährigen.

Noch mag der Oberbayer nicht die Popularität der ehemaligen Helden Sven Hannawald oder Martin Schmitt haben. Dass er die Qualität dazu hat, einmal in deren Fußstapfen zu treten, steht außer Frage. Beim Neujahresspringen in Garmisch-Partenkirchen, dem zweiten Stopp der Vierschanzentournee, belegte Eisenbichler einen starken vierten Platz. Selbige Position hat er aktuell in der Gesamtwertung inne.

Alle Augen sind auf Eisenbichler gerichtet

ARD-Experte Dieter Thoma sagt: "Wenn er sich weiterhin darauf konzentriert, gute und weite Sprünge zu machen, kommt irgendwann der Tag, am dem er ganz oben steht." Seinem schwächelnden Landsmann Severin Freund hat er aktuell den Rang abgelaufen.

Das heißt allerdings auch: Momentan richten sich alle Augen auf Eisenbichler. "Es ist eine Situation, in die Markus hineinwachsen muss", sagte Bundestrainer Werner Schuster in der "Sportschau". "Er muss geduldig bleiben. Dann hat er die Chance, auch in Innsbruck und Bischofshofen (die weiteren Stationen der Vierschanzentournee, Anm.d.Red.) die ersten Drei anzugreifen." In der Qualifikation für das Springen von Innsbruck am Mittwoch belegte Eisenbichler den sechsten Rang, der Österreicher Stefan Kraft wurde Erster.

Ein Sturz veränderte seine Einstellung zum Sport

Vor viereinhalb Jahren wäre die Karriere des 1,75 Meter großen Athleten fast vorbei gewesen. Im Sommer 2012 verliert er auf der Schattenbergschanze in Oberstdorf nach dem Absprung die Kontrolle. Kopfüber stürzt er auf den Hang. Nach dem harten Aufprall spürt er seinen Körper nicht mehr. Ein Brustwirbel ist gebrochen, vier weitere angebrochen. Mit etwas Pech hätte er im Rollstuhl landen können.

Möglicherweise wäre Eisenbichler nie so erfolgreich geworden, hätte es nicht diesen schweren Sturz gegeben. Im Krankenhaus hatte er Zeit zum Nachdenken - über sich, über seinen Sport, vor allem über seine Einstellung. "Ich war früher oft schludrig, habe im Training nicht immer 100 Prozent gegeben", verriet er bei Eurosport.

Er zog seine Schlüsse daraus: "Ich habe mir gesagt: Falls ich wieder fit werde, dann probiere ich es nochmal. Dann nicht mehr mit 80 Prozent. Sondern unter dem Motto 'Alles oder Nichts'."

Sein Engagement wurde belohnt: Bereits im Januar 2014 belegte er bei zwei Weltcups den achten Platz. Eisenbichler wurde zum Perfektionisten. Immer sucht er nach Möglichkeiten, um sich weiterzuentwickeln. Seit zwei Jahren arbeitet er mit einem Psychologen zusammen.

"Er weiß nicht, wie gut er ist"

Seine große Leidenschaft ist nicht das gewöhnliche Skispringen, sondern das Skifliegen. Beim Skifliegen ist die Schanze höher, die Anlaufspur länger und der Luftwiderstand viel größer. Die Springer sind etwa doppelt so lange in der Luft wie beim Skispringen, fliegen teils über 200 Meter.

"Das ist für mich die Königsdisziplin. Das ist der Grund, warum ich Skispringer geworden bin", sagte Eisenbichler einst in der "tz". Es wäre sein Traum, irgendwann den deutschen Rekord von 245 Meter zu brechen.

Der Weg dorthin ist allerdings lang: Seine persönliche Bestmarke beträgt 225,5 Meter.

Eisenbichler bringt alle Fähigkeiten mit, die einen Weltklasse-Springer ausmachen. Sein Fluggefühl gilt als herausragend, auch körperlich erfüllt er alle Voraussetzungen. Lediglich seine Schwächen bei der Landung, wie auch in Garmisch-Partenkirchen zu beobachten, verhindern manchmal ein besseres Ergebnis.

Und teilweise fehlt ihm das Selbstvertrauen, das seine Konkurrenten, die seit Jahren um Podiumsplätze springen, so stark macht.

Bundestrainer Schuster sagte beim ZDF einmal treffend: "Markus weiß noch gar nicht, wie gut er eigentlich ist." So langsam sollte er es aber kapiert haben.