Für die neue Staffel der Erfolgsserie "Charité" hat das Erste drei aufeinanderfolgende Primetime-Plätze reserviert. Anders als die ersten drei Staffeln spielen die neuen Folgen in der Zukunft. Fans sollten sich auf reichlich Science-Fiction gefasst machen.

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Es gibt einige Dinge, die "Charité VI." mit den drei erfolgreichen Vorgängerstaffeln aus den Jahren 2017, 2019 und 2021 verbindet: Der Titel, das berühmte Berliner Krankenhaus als Ort des Geschehens und das Genre Krankenhausserie sowie "medizinische Excellenz, emotionale Grundkonflikte und Wertefragen aus der jeweiligen Zeit", wie Produzentin Henriette Lippold in einem Pressegespräch zusammenfasste.

Darüber hinaus ist eigentlich alles neu und anders. Ausgestrahlt werden die sechs neuen Teile am 9., 10. und 11. April ab 20:15 Uhr in Doppelfolgen im Ersten. Im Anschluss an die beiden Auftaktfolgen zeigt der Sender im Rahmen des ARD-Thementags "Die Medizin von morgen" ab 21:55 Uhr die Dokumentation "Hirschhausen - Medizin von morgen".

Drei History-Staffeln - was bisher geschah

Ein Rückblick: Die erste Staffel spielt Ende des 19. Jahrhunderts und erzählt von Medizinergrößen wie Robert Koch (Justus von Dohnányi, 63). Fachlich steht die Entdeckung des Bakterien-Diagnosemittels Tuberkulin im Mittelpunkt. Die fiktive Hauptrolle spielte Alicia von Rittberg (30), Regie führte Sönke Wortmann (64, "Ein Sommermärchen").

Die zweite Staffel spielt während der Naziherrschaft in den letzten Jahren des Zweiten Weltkrieges (1939-1945) und konzentriert sich unter anderem auf die rassistische Pseudomedizin. Dabei geht es auch um die Arbeit des Chirurgen Ferdinand Sauerbruch (Ulrich Noethen, 64) und dessen Frau, der Internistin Margot Sauerbruch (Luise Wolfram, 36). Hauptdarstellerin der fiktiven Handlung war Mala Emde (27), Regie führte Anno Saul (60, "Nord Nord Mord", "München Mord").

Die dritte Staffel spielt zu Beginn der Berliner Teilung durch die Mauer (ab 1961) und thematisiert unter anderem das Aufeinanderprallen der unterschiedlichen Weltansichten am Beispiel des konservativen Frauenheilkundlers Helmut Kraatz (Uwe Ochsenknecht, 68) und der sozialistisch orientierten Kinderärztin Ingeborg Rapoport (Nina Kunzendorf, 52) sowie den Erfolg der Impfung gegen Kinderlähmung. Die Hauptrolle im fiktiven Handlungsstrang spielte Nina Gummich (33), Regie führte Christine Hartmann (56, "Tatort").

Die drei historischen Staffeln waren aus Quotensicht Publikumsmagneten. Und auch bei Preisverleihungen sahnten die Produktionen mit Bambi, Romy, Jupiter Award und der Nominierung für einen International Emmy Award ab.

Zukunftsvisionen in einem futuristischen Krankenhaus

Gesehen haben muss man die ersten drei Staffeln aber nicht, um bei der neuen einsteigen zu können. Denn diese spielt in der Zukunft, genauer gesagt im Berlin des Jahres 2049. Die sechsteilige Science-Fiction-Serie enthält viele Thriller-Elemente, bei denen es die Ärztinnen und Ärzte, das Pflegepersonal und die Patientenschaft mit unbekannten Bakterien, Computerviren und die Unbill der just erneuerten Gesundheitsreform zu tun bekommen.

Die neuen Episoden spielen vor dem Hintergrund der extremen klimatischen Randbedingungen, die in diesem Berlin-Szenario herrschen. Erzählt wird vom engagierten Protest gegen die gesellschaftsspaltenden Reformen und von einer "europäischen Eingreiftruppe", die ihre Kämpferinnen und Kämpfer für europäische Demokratie mit Chips im Kopf ausstattet.

Gezeigt werden simulierte Operationen, die dann von OP-Robotern ausgeführt werden. Organe kommen aus dem Drucker, gendersensitive Behandlungen sind normal. Sogenannte Locked-In-Patienten, die körperlich gelähmt, aber bei Bewusstsein sind, können sich mithilfe der Neurotechnologe im digitalen Cyberverse frei bewegen. Doch nicht alles wird technischer und künstlicher. So gibt es etwa OP-vorbereitende Sitzungen, die den Patienten die Angst nehmen. Außerdem können die Lieblingsmusik und die gewünschte Lichtstimmung für die Operation ausgewählt werden ...

Im forschungsrelevanten Mittelpunkt der vierten Staffel steht das Mikrobiom, also die Bakterien und Pilze, die den menschlichen Körper besiedeln, und das so individuell ist wie der Fingerabdruck oder die Iris des Auges.

Dreharbeiten in Portugal

Durch die futurischen Settings erinnert die neue Staffel in Optik und Machart ein wenig an die achtteilige Science-Fiction-Romanverfilmung "Der Schwarm" (2023). Beim visuellen Stil setzten die "Charité"-Kreativen unter der Regie von Esther Bialas (42, "SOKO Hamburg") allerdings auf helle und gelbliche Farben. Die fanden sie auch bereits in dem neuen Krankenhaus in Lissabon vor, das während der Dreharbeiten noch im Bau war. In Portugal entstanden die Filme aber auch, weil Klima, Licht und Vegetation vor Ort in einem künftigen Berlin ebenfalls denkbar sind.

Die Hauptrollen spielen dieses Mal Sesede Terziyan (43) als Dr. Maral Safadi, Angelina Hätsch (40) als deren Ehefrau Dr. Julia Kowalczyk, Gina Haller (37) als Marlene Hirt und Timur Isik (43) als Dr. Ferhat Williamson. Ebenfalls im Cast sind unter anderem Moritz Führmann (45), Jan-Gregor Kremp (61) und Jenny Schily (56).

Fazit

"Charité VI." ist mutig, spannend und liefert interessante, aber auch beunruhigende Denkanstöße. An manchen Stellen gibt es vielleicht ein bisschen zu viel Zeigefinger, andere Szenen könnten auch einer Seifenoper entstammen. Doch da der Sechsteiler ausdrücklich mithilfe medizinischer Fachberatung entstanden ist, ist er wohl auch recht glaubhaft.

"Wir haben uns Zukunftsszenarien ausgesucht, die nicht so weit weg sind von unserer heutigen Realität [...] All die Dinge, die wir thematisieren, sind zum Teil heute schon angedacht oder in Erprobung", bestätigte Redakteur Adrian Paul vom federführenden Sender MDR in dem Pressegespräch. "Natürlich haben wir einige Dinge fiktionalisiert, wir haben es ein wenig beschleunigt [...], aber alles, was wir erzählen, beruht auf einer umfänglichen Recherche", so der Redakteur weiter. An dieser Recherche, die vor vier Jahren im April 2020 begonnen hat, seien ganz viele Charité-Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beteiligt gewesen sowie viele externe Berater wie Zukunftsforscher, "die es ermöglicht haben, dass wir sehr realistisch erzählen können", fügte er hinzu.

Zum Schluss nochmal ein deutlicher Hinweis: Wem die ersten drei Staffeln gefallen haben, der sollte sich vor der vierten vollkommen frei davon machen, denn damit haben die neuen Episoden nichts zu tun. Jetzt heißt es: Ab in die Zukunft! (ili/spot)  © spot on news

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