Wie viel Geld verdient ein Drehbuchautor für einen Tatort? Welche Honorare erzielen deutsche Filmregisseure durch Kinofilme? Wir nennen konkrete Zahlen.

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Sie sind nicht so bekannt wie die Schauspieler, haben aber einen mindestens genauso großen Einfluss auf die Qualität eines Films. Gemeint sind die Regisseure und Drehbuchautoren. Sie entwickeln und inszenieren die Geschichten, die uns vor den Fernseher oder in das Kino locken.

In Hollywood kassieren die Kreativen fette Millionen-Gagen. Regisseur J.J. Abrams soll für "Star Wars VII" 40 Millionen US-Dollar (ca. 35,6 Millionen Euro) bekommen haben. Erfolgreiche Drehbuchautoren können immerhin noch bis zu drei Millionen Dollar (ca. 2,7 Millionen Euro) verdienen.

Von solchen Honoraren ist die deutsche Filmindustrie weit entfernt. Das ergibt sich allein schon aus den unterschiedlichen Budgets.

85.000 Euro für ein Tatort-Drehbuch

Während aufwändige Hollywood-Filme zwei- oder sogar dreistellige Millionenbeträge verschlingen, kostet ein 90-minütiger Tatort, also praktisch das Premiumprodukt des deutschen Fernsehens, laut der ARD zwischen 1,5 und 1,7 Millionen Euro.

Dennoch lesen sich die Gagen der deutschen Filmemacher (zumindest auf den ersten Blick) relativ ordentlich. Laut den Gemeinsamen Vergütungsregeln (GVR), die der Verband Deutscher Drehbuchautoren ausgehandelt hat, kassiert der Autor für einen "Tatort" oder "Polizeiruf 110" 85.000 Euro.

Für die Vorlage eines sonstigen Spielfilms in der ARD gibt es 65.000 Euro.

Beim ZDF wird etwas weniger gezahlt: Für einen 90-minütigen Spielfilm bekommt der Autor 53.500 Euro, für ein 45-minütiges Krimiformat 26.750 Euro.

Kein Geld für Pitches: Autoren treten in Vorleistung

Drehbücher zu schreiben ist eine Wissenschaft für sich. Der Aufbau und die Erzählweise sind völlig anders als bei einem Roman. Im Idealfall lernt ein junger Autor das Handwerk an einer Filmhochschule. Es gibt allerdings auch Quereinsteiger, die sich das Wissen durch Fachbücher angeeignet haben.

So oder so gilt: Die große Kunst besteht darin, überhaupt einen Drehbuch-Auftrag zu ergattern. Autoren müssen sich zunächst einmal Geschichten überlegen und als Pitch zusammenfassen, damit dann an die Produzenten herantreten und hoffen, dass ihre Idee ausgewählt wird.

Drehbuchautor Johannes Rotter verriet gegenüber der Zeitschrift castmag: "Für Pitches gibt es kein Geld. Hier trete ich als Autor in Vorleistung. Alles was darüber hinausgeht, ist allerdings mit einem Honorar verbunden."

Der Konkurrenzkampf um die begehrten Aufträge ist groß. Florian Strebin ist als Producer von Network Movie für "SOKO Köln" zuständig und beauftragt die Autoren. Pro Staffel schreiben zehn bis 15 Autoren für die Vorabend-Krimiserie. "Mindestens doppelt so viele neue Autoren bewerben sich bei uns pro Jahr", verrät Strebin.

Anders als in Hollywood sind Kinofilme in Deutschland weniger lukrativ als Fernsehfilme. Der Autor Christian Lex verrät gegenüber castmag: "Kino ist bis auf wenige Ausnahmen chronisch unterfinanziert. Man verdient lange Zeit wenig bis nichts. Deshalb schreibt kaum ein Autor gerne für das Kino. Oft hängt das Honorar davon ab, wie viele Zuschauer der Kinofilm hatte."

Regisseure arbeiten viele Monate an einem Film

Regisseure erzielen beim Fernsehen ebenfalls meist höhere Verdienste als im Kino. Auch hier hat der Berufsverband, in dem Fall der Bundesverband Regie, mit den Fernsehsendern Honorare ausgehandelt.

Ein Beispiel: Bei Spielfilmen für ProSieben und Sat.1 kassiert der Regisseure für ein 90-minütiges Format ein Mindesthonorar von 63.500 Euro. 84.655 Euro wären es bei einem 120-minütigen Film, 127.000 Euro bei einer 180-minütigen Produktion.

Hinzu kommt eine weitere Beteiligung je nach Reichweite. Wird der Film von 6,51 Millionen Fernsehzuschauern verfolgt, gibt es bei einem 90-Minüter 10.000 Euro obendrauf, bei mehr als 8 Millionen Zuschauer wären es bereits 22.000 Euro.

Das Geld ist hart verdient: Die Arbeit eines Filmregisseurs besteht nicht nur aus den rund 25 Drehtagen, die für einen 90-minütigen Film notwendig sind. Regisseure begleiten den gesamten Entstehungsprozess.

"Die Arbeit als Regisseur beginnt mit der Vorbereitung", verriet Regisseur Florian Froschmayer gegenüber Filmplus. "Ich erhalte ein Drehbuch, zu welchem ich mich verpflichte. Es gibt dann viele Fragen und genaue Absprachen mit dem Sender, der Produktion..."

Weiter geht es mit der Suche nach den Drehorten und den passenden Schauspielern. "Dann wird gedreht und der Film im Anschluss geschnitten. Die Abnahme des Rohschnitts erfolgt bei einem normalen TV Film ca. 3–4 Monate nach Beginn der Vorbereitung."

Danach folgen weitere Arbeitsschritte wie Tonbearbeitung, Musik-Komposition und Endmischung. "Da ist ein Regisseur aber nur noch punktuell involviert", erklärt Froschmayer.

Dennoch kann ein Filmprojekt den Regisseur viele Monate beschäftigen. Das relativiert die anfänglich hoch erscheinenden Gagen.

Große Gagen-Unterschiede im Kino

Bei Kinofilmen bemisst sich die Grundvergütung gestaffelt nach dem Budget des Films. Bei Low-Budget-Produktionen mit einem Etat von weniger als 800.000 Euro bekommt der Regisseur mindestens 25.000 Euro. Bei einem 2-Millionen-Euro-Projekt gäbe es mindestens 50.000 Euro.

Hinzu kommt eine Sonderzahlung zwischen 2.000 und 8.000 Euro, wenn eine bestimmte Zuschauerzahl erreicht wird.

Eine beachtliche Grundvergütung von 125.000 Euro gäbe es übrigens bei einem Filmbudget von mehr als acht Millionen Euro.

Das Problem ist nur: Solche teuren Filme werden in Deutschland kaum produziert.

Verwendete Quellen:

  • goldenekamera.de: Geheimakte Hollywood: Die Gagen der Traumfabrik
  • ard.de:Tatort im Ersten
  • drehbuchaturen.de Gemeinsame Vergütungsregeln (GVR) für Drehbuchautorinnen und -autoren
  • cast mag (4/2019) Wenn Schauspieler auch schreiben
  • regieverband.de Vergütungsregeln Übersicht
  • filmplus.info: Regisseur Florian Froschmayer: "Natürlich entscheidet auch der Bauch über gut und schlecht!"
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