• Sie gelten als eines der erfolgreichsten Schlager-Duos aller Zeiten: Am Samstag nahmen Fantasy mit ihrer aktuellen Single "Wild Boys" an Stefan Raabs "Free ESC" teil.
  • Warum der Rapper Eko Fresh durch diese Show zu ihrem neuen Freund wurde, wie sie über eine Teilnahme am echten ESC denken und ob sie erneut mit Dieter Bohlen gemeinsame Sache machen würden, haben Martin und Fredi im Exklusiv-Interview verraten.
Ein Interview
von Dennis Ebbecke

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Martin und Fredi, ihr habt am Samstag beim "Free ESC" (ProSieben) den 13. Platz belegt. Ist diese Zahl mit Blick auf das Ergebnis für euch eher eine Glücks- oder eine Unglückszahl?

Fredi Malinowski: Bis gerade eben wusste ich nicht einmal, welchen Platz wir geholt hatten. Danke für die Info (lacht). Aber wenn ich jetzt höre, dass wir 13. wurden, dann macht mir das ein wenig Angst. Denn eigentlich ist die "13" für mich keine gute Zahl – doch in diesem Fall war sie definitiv besser als die "16“.

Martin Hein: Wenn wir diesen Wettbewerb unter allen Umständen hätten gewinnen wollen, dann wäre es eine Pechzahl gewesen. Insgesamt können wir mit dem Auftritt sehr zufrieden sein.

Nicht nur ihr wart zufrieden, sondern auch Eko Fresh, der euch zwölf Punkte gegeben hat. Hat euch das überrascht? Schließlich ist er Rapper und ihr seid ein Schlager-Duo.

Fredi: Das hat uns absolut überrascht. Deshalb bin ich nach der Punktevergabe auch aufgesprungen. Da sieht man mal, welch ein feiner Kerl er ist. Eko Fresh ist ab sofort unser Freund.

"Eko fand unsere Performance einfach cool"

Martin: Ich denke, dass er mit diesen zwölf Punkten neben unserer gesanglichen Leistung auch unseren Mut belohnen wollte – dafür, dass wir mit Schlagermusik gegen die Pop- und Rockkünstler angetreten sind.

Fredi: Ich würde sogar noch einen Schritt weiter gehen und sagen: Eko fand unsere Performance einfach cool.

War euer "Free ESC"-Titel "Wild Boys", der zudem auch eure aktuelle Single ist, vielleicht massentauglicher als andere Schlagersongs? Schließlich handelt es sich um eine Hommage an die Superstars der 80er – von Duran Duran bis Wham ...

Fredi: Möglicherweise hatte es etwas damit zu tun. Wir sind so froh, dass wir nicht mit einem klassischen Liebeslied angetreten sind, sondern mit einem Thema, das alle Menschen in unserem Alter interessiert.

Sind heutige Musik-Produktionen grundsätzlich genreübergreifender als früher?

Martin: Ja, denn häufig kann man Schlager von Pop kaum noch unterscheiden. Viele Popmusiker bedienen sich inzwischen Schlager-Elementen – und umgekehrt. Es vermischt sich immer mehr ...

Fredi: Das stimmt. Dennoch war es sowohl für Stefan Raab und sein Produktionsteam als auch für uns ein gewisses Wagnis, Schlager in die Show einzubeziehen. Ganz ehrlich: Ich feiere uns dafür, dass wir so mutig waren und mitgemacht haben.

In den sozialen Netzwerken wurde euer Auftritt mit Modern Talking verglichen. Seht ihr auch Parallelen zu dem einstigen Traum-Duo Dieter Bohlen und Thomas Anders?

Fredi: Also wenn man uns mit einem der erfolgreichsten Acts der 80er vergleicht, dann werte ich das als Kompliment. Und was lag näher, als diese Hommage an die Idole der 80er in ein Modern-Talking-Gewand zu hüllen?

"Würde mich nicht wundern, wenn Dieter Bohlen jetzt anrufen würde"

Wäre das nicht ein guter Anlass, mal wieder mit Bohlen gemeinsame Sache zu machen? Als Ex-"DSDS"-Juror hätte er doch eigentlich Zeit ...

Fredi: Das ist lustig, dass du diese Frage stellst. Am Tag nach dem Auftritt hatte mich auch mein Sohn darauf angesprochen und gesagt: "Papa, ich würde mich nicht wundern, wenn Dieter Bohlen jetzt anrufen würde und Spaß daran hätte, mit euch diesen 80er-Style fortzusetzen." Wir sind mit Dieter nach wie vor in Kontakt.

Wäre eine erneute Zusammenarbeit mit Bohlen also denkbar?

Fredi: Man sollte niemals "nie" sagen.

Hat der "Free ESC" euren Appetit auf den richtigen "Eurovision Song Contest" geweckt?

Fredi: Durchaus, schließlich war es immer unser Wunsch, einmal beim ESC anzutreten. Oder, Martin?

Martin: Da stimme ich dir zu. Vor allen Dingen wäre es für uns interessant, Stimmen von den vielen Menschen aus den jeweiligen Ländern zu bekommen und nicht von Einzelpersonen beziehungsweise einzelnen Vertretern. Ich hätte gerne miterlebt, wie "Wild Boys" in den osteuropäischen Nationen angekommen wäre, wo die 80er aktuell Hochkonjunktur feiern. Natürlich wird ein Pop- oder Rockjuror eher Künstlern aus dem eigenen Genre hohe Punktzahlen geben – mit Ausnahme von Eko Fresh natürlich. Ich kann mir vorstellen, dass wir beim "ESC" noch viel besser abgeschnitten hätten.

"Hass bringt uns nicht weiter auf der Welt."

Für Deutschland geht dieses Jahr Jendrik Sigwart mit "I Don't Feel Hate" ins Rennen. Wie gefällt euch dieser musikalische Beitrag?

Fredi: Ich habe den Song bisher noch nicht hören können, aber die Zeile finden wir beide schonmal richtig geil, weil Martin und ich natürlich genauso eingestellt sind. Hass bringt uns nicht weiter auf der Welt.

Wem drückt ihr dieses Jahr die Daumen? Martin, du wurdest in Polen geboren. Wünschst du dir einen Sieg von Rafał ("The Ride")? Und Fredi: Wie wäre es mit einem kroatischen Triumph? Für dein Heimatland geht Albina mit "Tick-Tock" an den Start ...

Fredi: Ich mache es nicht von den Nationen, sondern vom jeweiligen Song abhängig. Ansonsten hätte ich auch 2006 Severina die Daumen drücken müssen. Sie war mir aber nicht wirklich sympathisch und obendrein eine Skandalnudel (lacht).

Martin: Das sehe ich genauso – zumal ich zwar in Polen geboren wurde, aber in Deutschland aufgewachsen bin.

Könntet ihr euch vorstellen, beim ESC für Polen oder Kroatien anstatt für Deutschland anzutreten?

Fredi: Theoretisch wäre das denkbar, wobei ich der Ansicht bin, dass alle Nationen eigene gute Sängerinnen und Sänger haben. Ich glaube nicht, dass andere Länder unbedingt Fantasy brauchen, um am ESC teilzunehmen.

Martin: Für Polen oder Kroatien würde es ja noch Sinn ergeben. Ich würde es allerdings nicht schön finden, wenn wir für ein Land antreten würden, zu dem wir beide überhaupt keinen Bezug haben. So etwas hat es in der Vergangenheit des Wettbewerbs bekanntlich schon gegeben.

Fredi: Stimmt, aber das kommt für uns nicht infrage. Für Deutschland würden wir aber sicherlich antreten, sollte sich die Chance ergeben.

Wie erwähnt heißt der kroatische Beitrag 2021 "Tick-Tock". Wie steht es denn um euren Output in den sozialen Netzwerken?

Martin: Wir beide kommen noch aus einer Generation, die eher die kurzen Wege – also per Telefon oder mal per E-Mail – bevorzugt. Es wäre mir viel zu anstrengend, wenn ich mich jeden Morgen erst einmal stylen müsste, um einen Instagram-Post in die Welt hinauszuschicken. Natürlich posten wir aber hin und wieder Neuigkeiten oder Auftritts-Fotos für unsere Fans, keine Frage.

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