Der Aufschrei war groß und die Diskussion ist noch lange nicht vorbei: Emma Watson, selbsternannte Kämpferin für Frauenrechte, hat ihre Brüste gezeigt. Zumindest einen klitzekleinen Teil davon. Doch darüber erregt haben sich nicht nur konservative Moralapostel, sondern vorrangig Feministinnen.

Doreen Hinrichs
Ein Kommentar
von Doreen Hinrichs, Redakteurin Unterhaltung

Knapp eine Woche vor dem diesjährigen internationalen Frauentag gerieten zwei bekennende Kämpferinnen für Frauenrechte aneinander. Anlass waren relativ freizügige Fotos der Schauspielerin Emma Watson.

In den sozialen Medien wurde sie dafür teils heftig kritisiert, allen voran von der britischen Radiomoderatorin Julia Hartley-Brewer.

Der Tenor: Wenn man sich so zeigt, müsse man sich nicht wundern, wenn man mit seinen Forderungen nach Gleichberechtigung nicht ernstgenommen werde.

Emma Watson lachte die Kritik weg. Schlagfertig, wie sie zweifellos ist, konterte sie und stellte ihr Verständnis von Feminismus dar, bei dem es schließlich darum ginge, "Frauen eine Wahl zu geben. Feminismus ist kein Stock, mit dem man andere Frauen schlagen kann. Es geht um Freiheit, um Befreiung, um Gleichberechtigung. Ich weiß wirklich nicht, was meine Brüste damit zu tun haben."

Was Emma Watsons Brüste mit Feminismus zu tun? Ungefähr alles!

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Natürlich ist es ist – zumindest in der westlichen Welt - weder verboten noch verpönt, dass eine junge hübsche Frau mit sich und ihrem Körper im Reinen ist und das auch der ganzen Welt zeigt. Unter anderem dafür haben frühe Feministinnen schließlich gekämpft.

Nackte Brüste sind nicht das Problem

Doch das "Problem", das Kritiker mit Watsons Fotos haben, ist ein anderes. Auch Feministinnen dürfen sich splitterfasernackt zeigen! Jeder Frau sollte es gestattet sein, ihren Körper einzig und allein nach ihrem eigenen Willen einzusetzen. Egal wie, egal wofür. Anzuprangern ist nämlich nicht die vermeintliche Freizügigkeit der Bilder, sondern der Anlass.

So sehr Watson die Aufnahmen auch als "selbstbestimmt" verkaufen möchte – sie sind nun einmal nichts anderes als Werbung für einen Film. Für ein Produkt.

Watsons Bilder aus der "Vanity Fair" mit Aufnahmen von sich auf Motorhauben räkelnden Frauen zu vergleichen, ist sicher übertrieben. Doch am Ende geht alles in die gleiche Richtung. Nackte junge Haut wirkt verkaufsfördernd. Egal, ob bei Softdrinks, Autos oder eben in Hollywood.

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Und Watson hat leider einen Beitrag dazu geleistet, dass sich an diesem System so bald nichts ändern wird. Dass eine männerdominierte Film- und Werbewelt bestimmt, wie Frauenbrüste auszusehen haben und wie sie gezeigt werden dürfen.

Denn wehe, eine Frau nimmt das selbst in die Hand und zeigt ihre Oberweite, wie sie ist. Winzig oder riesengroß. Beim Stillen. Wegoperiert. Hüpfend oder baumelnd. Pfui! Bäh! Raus aus dem Film, runter von Instagram!

Selbstkritik? Vielleicht in ein paar Jahrzehnten

Reden halten, Sprüche posten, Hashtags benutzen – das ist alles eine feine Sache, wenn es um das Einfordern von Frauenrechten geht. Und so einfach. Manchmal hat es aber eine größere Wirkung, wenn man sich dem System verweigert, bei dem Spiel nicht mitmacht. Dass ihr Worte anscheinend wichtiger sind als Taten – diese Kritik muss sich Emma Watson leider gefallen lassen.

Die Zeit wird allerdings zeigen, ob Watson nicht noch härtere Kritik ins Haus steht. Die wird dann aber nicht von frustrierten Latzhosenträgerinnen kommen (dieses Bild haben anscheinend immer noch viele Menschen vor Augen, wenn sie das Wort "Feministin" hören), sondern von ihrem älteren Ich.

Wenn nämlich in dreißig oder vierzig Jahren die Rollen ausbleiben, weil Watson das Gütesiegel "fuckable" verloren hat und für Hollywoods Traumfabrik uninteressant geworden ist. Dann wird sie sich fragen müssen, ob es wirklich so eine gute Idee war, den Kult um junges nacktes Fleisch zu befeuern, oder ob es nicht besser gewesen wäre, an dieser Stelle den großen feministischen Worten auch mal Taten folgen zu lassen.

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