Melania Trump bleiben nur noch wenige Wochen, um sich auf große Auftritte auf dem politischen Parkett vorzubereiten. Eine, die den Schritt vom Model zur Politiker-Gattin perfekt gemeistert hat, könnte ihr dabei als Vorbild dienen: Carla Bruni.

Die US-Wahl 2016 ist vorbei, der Unternehmer und Milliardär Donald Trump der designierte 45. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika. Seit 1998 immer an seiner Seite: seine Ehefrau Melania Trump. Doch während des Wahlkampfs zeigte sich die künftige First Lady zurückhaltend.

Bis zum Einzug ins Weiße Haus am 20. Januar 2017 bleiben dem Ex-Model, das bisher vor allem mit freizügigen Fotos und einer in Teilen abgekupferten Rede von Michelle Obama auf sich aufmerksam machte, nur noch wenige Wochen. Wenige Wochen, um sich an das Rampenlicht des politischen Parketts zu gewöhnen – ein Licht, in dem ihr die kritischen Blicke der Weltöffentlichkeit sicher sind.

Model-Karriere statt Studium

Der Vater Autohändler, die Mutter Fabrikarbeiterin: Am 26. April 1970 wird Melania Trump als Melanija Knavs im damals kommunistischen und jugoslawischen Novo Mesto nahe der kroatischen Grenze geboren. Früh ist klar, dass das Mädchen alle Voraussetzungen zum Modeln mitbringt – ein Potenzial, aus dem die Familie Kapital schlägt. Und so lernt Melania schon von Kindesbeinen auf, zu posieren, sich zu präsentieren, immer schön auszusehen.

Sie wächst in der Kleinstadt Sevnica in der jugoslawischen Teilrepublik Slowenien auf, geht hier zur Schule. Mit 17 wird der Teenager von einem Fotografen entdeckt; das Studium der Architektur an der Universität Ljubljana bricht sie zugunsten ihrer Modelkarriere nach einem Jahr ab. In den frühen Neunzigern arbeitet Melania schließlich in Mailand, Paris und New York und schafft es unter anderem auf die Cover der "Elle" oder "In Style". Mal mehr, mal weniger bekleidet.

Loyal an Donald Trumps Seite – und in seinem Schatten

Den Milliardär Donald Trump lernt die 24 Jahre jüngere Melania auf der Fashion-Week-Party in New York kennen. Sieben Jahre später wird sie seine dritte Frau. Eine Hochzeit mit Prunk und Protz – und einem 100.000 Dollar teuren Kleid, mit dem sie das Cover der "Vogue" ziert. Sohn Barron William, das fünfte Kind aus dritter Ehe für Donald Trump, kommt 2006 zur Welt. Melania Trump bleibt dabei meist eins: trotz Rampenlicht im Hintergrund.

Ihr Diplom in Design und Architektur erweist sich erst im Sommer 2016 nach Recherchen des Magazins "New Yorker" und diverser anderer Medien als Schwindelei. Die Frau mit dem Puppengesicht rückt immer wieder unfreiwillig und mehr schlecht als recht in den Fokus der Öffentlichkeit. Sie wirkt scheu und schüchtern, ungewöhnlich für ein ehemaliges Model, das das Rampenlicht kennt. Und das sich Mitte der neunziger Jahre nackt für das französische Männermagazin "Max" ablichten ließ.

Die Bilder veröffentlicht die "New York Post" mitten im US-Wahlkampf. Wer dazu Stellung bezieht? Donald Trump. Er erklärt, in Europa seien freizügige Fotos wie die seiner Frau "modisch" und "üblich". Weniger üblich ist es, eine Rede auf dem Nominierungsparteitag der Republikaner zu halten und dabei einige Teile aus der Rede der Noch-First Lady Michelle Obama – vom Parteitag der Demokraten aus dem Jahr 2008 – zu kopieren. Ausgerechnet eine Mitarbeiterin des Wahlkampfteams entschuldigt sich kurz darauf. Melania Trump, eine Frau ohne eigenes Standing? Ein Modepüppchen ohne Persönlichkeit? Unterschätzt wie einst Carla Bruni an der Seite des französischen Staatspräsidenten Nicolas Sarkozy?

Die Parallelen zu Carla Bruni

Zugegeben. Auf den ersten Blick sind da einige Gemeinsamkeiten. Carla Bruni bricht ebenfalls als junge Frau ihr Studium der Kunst und Architektur ab, um zu modeln. Sie lässt sich nackt fotografieren und ist die Ehefrau eines Staatsoberhauptes. Doch damit sind die wichtigsten Gemeinsamkeiten zu Melania Trump bereits aufgezählt. In den Neunzigern gehört Carla Bruni mit Jahresgehältern von bis zu acht Millionen Dollar zu den bestbezahltesteten Fotomodellen. Sie arbeitet für Yves Saint Laurent, Valentino, Dior – ihr Business ist Haute Couture.

Bis sie keine Lust mehr hat. Die Tochter einer Schauspielerin und Konzertpianistin entscheidet sich im Jahr 2000, neue Wege als Musikerin zu gehen. Ab 2002 feiert Carla Bruni große Erfolge in der Schweiz und in Frankreich. Sie ist ein Star. Sie steht im Rampenlicht. Und sie lernt den Politiker Nicolas Sarkozy kennen, den sie 2008 – als dieser bereits französischer Staatspräsident ist – nach nur einem Jahr Beziehung heiratet. Für die Medien scheint die Sache klar: alles PR.

Wer aber Carla Brunis Entscheidungen verfolgt, ihren Werdegang betrachtet, der stellt schnell fest: Die gebürtige Italienerin mit französischem Pass legt auf das Gerede der anderen meistens in etwa so viel Wert, wie Donald Trump auf einen respektvollen Umgang mit Frauen. Der Zeitschrift "Elle" soll sie einmal gesagt haben: "Ich brauche es so sehr, dass man mich sieht, dass mir alles andere egal ist." Noch vor der Hochzeit lässt sie sich leicht bekleidet für den italienischen Autobauer Lancia ablichten, kurz darauf sorgt sie mit freizügigen Fotos im spanischen Männermagazin "DT" für Aufregung.

Frankreich fragt sich: Ist Carla Bruni eine würdige künftige Première Dame? Tatsächlich bewegt sich Carla Bruni-Sarkozy aller Skepsis zum Trotz stets elegant auf dem politischen Parkett der Welt, macht in einem Dior-Kostüm Eindruck im britischen Königshaus und wird 2008 in der "Daily Mail" als "First Lady des Chic" gefeiert. Ihre Ausstrahlung und ihr Charme scheinen alle Skandale wettzumachen. Sie wird als souverän wahrgenommen. Im Schatten ihres Mannes steht sie dabei nie. Im Gegenteil. Wo Carla Bruni auftaucht, sind die Blicke erwartungsvoll auf sie gerichtet.

Und so modelt sie inzwischen wieder, singt manchmal bei Musikpreisen wie dem Echo und ist weiterhin die Frau an der Seite Sarkozys – beziehungsweise Nicolas Sarkozy der Mann an der Seite Carla Brunis. Ob Melania Trump eines Tages ähnlich charismatisch wahrgenommen werden könnte? Bisher stehen die Zeichen leider auf unwahrscheinlich. Denn die Frau, die bald First Lady sein wird, tritt derzeit einen weiteren Schritt in den Hintergrund. Hinter den großen Schatten Donald Trumps. Und nun auch hinter den Schatten seiner Tochter Ivanka.