Nicht kleckern, klotzen! Und zwar ranklotzen. Stolze 500 Quizfragen muss ein Kandidat in der neuen RTL-Show "Die Quiz-Arena" bis zum Hauptgewinn beantworten. Das ist nicht nur für Moderator Günther Jauch und die Kandidaten ein dickes Brett, sondern vor allem für die Zuschauer.

Im Grunde ist eine Quizshow das einfachste Showformat, das man sich nur ausdenken kann: Moderator stellt Fragen, Kandidat antwortet, Kandidat gewinnt oder verliert. Dagegen ist ein Pfannkuchenrezept die reinste Raketenwissenschaft. Ein Blick auf die lange Liste erfolgloser Quizshows genügt jedoch, um zu sehen, dass eine Quizshow von einer erfolgreichen Quizshow oft nur Nuancen trennen.

Vom Erfolg von "Wer wird Millionär" kann "Quiz-Arena" nicht profitieren

Welche Nuancen das sind, die den Erfolg ausmachen, sieht man bei "Wer wird Millionär?", dem Klassenprimus unter den Quizshows: ein denkbar einfaches System, eine hohe Gewinnsumme, Interaktivität und wie in der deutschen Ausgabe mit Günther Jauch einen Moderator, der auf das Format passt, wie die berühmte Faust auf's Auge.

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Jauch und Quizshow, das klappt, dachte man sich wohl bei RTL, als man die Sommer- und EM-Pause von "Wer wird Millionär?" plante und übertrug dem gebürtigen Münsteraner das neue Quizformat "500 – Die Quiz-Arena", das gestern Abend seine deutsche TV-Premiere feierte. Doch von den Erfolgszutaten von "Wer wird Millionär?" blieb bei der "Quiz-Arena" nur noch wenig übrig.

"Die Quiz-Arena" - unkompliziert ist anders

Wo man für den Hauptgewinn bei "WWM?" lediglich 15 Fragen beantworten muss, müssen sich die Kandidaten der "Quiz-Arena" durch 500 Fragen quälen. Es gibt keine Antwortvorgaben, keine Joker und die Kandidaten haben nur fünf Sekunden für die richtige Antwort. Gespielt wird zehn Runden mit jeweils 50 Fragen. Für jede richtige Antwort gibt es 1.000 Euro. Im Idealfall sind das also 500.000 Euro, bei Beantwortung der 500. Frage gibt es zwei Millionen Euro obendrauf.

Im Spiel gibt es verschiedene Fragekategorien, Temporunden, Quizduelle, Listenfragen, Gewinnstufen und, und, und – einfach ist anders. Der offensichtlichste Unterschied: Die Kandidaten spielen nicht alleine, sondern treten gegen einen Herausforderer an. Hat ein Kandidat drei Fragen hintereinander falsch beantwortet, ist er raus und der Kontrahent übernimmt. Vorbild ist die amerikanische Show "500 Questions", die 2015 beim Sender ABC startete, bis vor kurzem lief die zweite Staffel.

Der Vorleser – Günther Jauch

Nun ist sicher nicht jede Folge "Wer wird Millionär?" ein Festival der Fernsehunterhaltung. Das Format lebt neben dem Mitraten am heimischen Bildschirm vor allem vom Duell Kandidat gegen Günther Jauch. Zwar weiß Jauch, wie er immer wieder betont, auch nicht die Antworten, aber es ist dieses ständige Spiel zwischen Moderator und Kandidat, das den Reiz auch nach 17 Jahren immer noch ausmacht. Hier eine Frotzelei, da eine kleine Hilfe und dafür dort eine Täuschung.

All das fehlte gestern Abend bei der "Quiz-Arena" und das hatte vor allem zwei Gründe: Zum einen ist Jauch hier nicht Kontrahent, sondern tatsächlich nur Moderator, was man am besten daran erkennen konnte, dass er gestern Abend ohne, wie bei "Wer wird Millionär?" üblich, eine Krawatte dasaß. Sonst Quizmaster mit Pokerface, gestern eher der menschelnde Fragenvorleser.

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Das macht Jauch zwar mit Bravour, das kann er einfach – der Spannung war die Plauder-Atmosphäre aber nicht gerade zuträglich. Der Hauptgrund aber, warum die "Quiz-Arena" beileibe nicht so zündet wie "Wer wird Millionär?", ist der Weg zum Ziel. Bei "WWM?" gibt es 15 Fragen mit ansteigendem Schwierigkeitsgrad. Der Weg ist also kurz und knackig.

Spannung gibts bei der Konkurrenz

Bei "500 – Die Quiz-Arena" wird die Frage, ob der Kandidat alle 500 Fragen übersteht, eben erst nach 500 Fragen beantwortet und das zieht sich einfach. Der erfolgreichste Kandidat am gestrigen Abend, ein Student aus Mainz, steht derzeit bei 54 beantworteten Fragen, also knapp zehn Prozent. Ob man bei diesem Tempo überhaupt alle Fragen spielen wird, ist daher fraglich. Zumal RTL erst einmal nur fünf Sendungen "Quiz-Arena" angesetzt hat.

Das reicht aber eigentlich auch erst einmal, denn wie man eine Quizshow zwar nicht neu erfindet, aber zumindest ein bisschen schick macht, sieht man derzeit bei der öffentlich-rechtlichen Konkurrenz, wo Alexander Bommes mit "Gefragt - Gejagt" der Quizshow frischen Wind unter die Flügel wedelt. Neu-Konkurrent "500 – Die Quiz-Arena" ist zwar mit Sicherheit kein kompletter Reinfall - aber wirklich vom Hocker haut die Show nicht.

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