Eine Gründer-Show mit Carsten Maschmeyer. Gibt's das nicht schon? Vor der Auftaktfolge der neuen Sat.1-Show "Start Up!" am Mittwochabend hätte man sicher eindeutig gesagt: Ja, "Die Höhle der Löwen" natürlich. Aber das ist nicht das Problem der neuen Show.

Christian Vock
Eine Kritik
von Christian Vock, Freier Autor

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Der Vergleich liegt natürlich auf der Hand. Wenn man dieser Tage die Schlagwörter Carsten Maschmeyer und Gründer-Show hört, denkt jeder sofort an die Vox-Erfolgsshow "Die Höhle der Löwen". Völlig zu Recht, schließlich ist die Show nicht nur Quotenhit, sondern auch eine der Marken des Senders.

2016 übernahm Maschmeyer Vural Ögers Rolle als einer der Investoren in der Löwenhöhle und hört sich seitdem die Geschäftsideen von Hinz und Kunz an.

Seit Mittwochabend ist Maschmeyer nun nicht mehr einer von vielen, sondern alleiniger "Gründungsvater" mit seiner eigenen Show "Start Up! Wer wird Deutschlands bester Gründer?", wie die Show mit Vor- und Nachnamen heißt.

Doch so nahe der Vergleich mit der "Höhle der Löwen" auch liegt – wer gestern Abend den Start der Show gesehen hat, wird sich wohl eher an ein ganz anderes Unterhaltungsformat erinnert gefühlt haben: "Germany's next Topmodel".

"Persönlichkeit vor Produkt"

Da ist zum einen die völlige Konzentration auf die Person Mascheyer. Im Minutentakt wird erzählt, was Maschmeyer mag und was nicht. Sein Mantra über den idealen Gründer: "Persönlichkeit vor Produkt".

Das wiederholt sich so oft, dass man im Hintergrund schon die Klum "Personality" kreischen hört. Wenigsten müssen bei Maschmeyer die Gründer nicht auch noch ständig "hot" und "sexy" sein.

Dafür gibt es aber auch bei "Start Up!" so etwas wie eine Experten-Jury. Was bei Heidi Klum Thomas Hayo und Michael Michalsky sind, das übernehmen bei Maschmeyer Lea Lange und Klaus Schieble. Lange hat selbst bereits ein Kunst-Start-up gegründet, Schieble ist Geschäftsführer der Maschmeyer Group.

Ergänzt wird das Trio bisweilen von Coach Matthew Mockridge, dessen Funktion aber zumindest in der Auftaktfolge noch nicht ganz klar wurde.

Carsten Maschmeyer gehört zum exklusiven Kreis jener sehr prominenten Deutschen, über die wirklich jeder Bescheid zu wissen glaubt. Im Exklusivinterview spricht der Milliardär über seine neue Gründershow "Start Up!", ob er sich eine Zukunft in der Politik vorstellen kann und verrät was es heißt, so reich zu sein.

Hier schwingt also erst einmal das Jury-Trio das Zepter und sucht bei einer Erstvorstellung aus 35 Bewerbern die 14 erfolgversprechendsten Kandidaten aus. Diese dürfen dann in einem Klischee-Start-up-Büro am Berliner Ku'damm acht Wochen lang an ihren Produkten und Ideen feilen.

Damit dabei aber nicht zu viel Harmonie aufkommt, gibt es – und hier ist "Start Up!" wieder "Germany's next Topmodel" näher als der "Höhle der Löwen" – Wettbewerbe zwischen den Kandidaten. Am Ende bekommt nämlich nur der Sieger der Show eine Million Euro Startkapital und darf zusammen mit Maschmeyer ein Start-up gründen.

Wer hat's erfunden?

Am Ende jedes Wettbewerbs oder "Challenge", wie es hier GNTM-typisch heißt, steckt dann das "Kompetenzteam" um Maschmeyer genau wie Heidi Klum und ihre Jury nachdenklich die Köpfe zusammen und entscheidet, wer die Show verlassen muss.

Einziger Unterschied zur Klum'schen Model-Show: Statt "Ich habe leider kein Foto für dich" heißt es hier "Deshalb werde ich kein Unternehmen mit Ihnen gründen."

So unterschiedlich die Mädchen bei "Germany's next Topmodel" sind, so verschieden sind auch die Produkte bei "Start Up!". Da gibt es Hemd-in-der-Hose-Fixierungen, Strumpfhosen für Oberarme, eine automatische Bettschaukel oder auch einen Windschutz für die Sonnenliege. Das klingt bisweilen nach Dingen, die die Welt nicht braucht, aber Maschmeyer scheint hier Potenzial zu sehen – und wenn es nur für die Show ist.

Was das Innovationspotenzial der Show selbst anbelangt, darf man sich also gerade mit Blick auf "Germany's next Topmodel" fragen, ob die Produktion sich hier nicht vielleicht ein bisschen zu sehr auf das Klum'sche Erfolgsrezept verlässt: das gleiche Konzept, die gleichen Wettbewerbe, die gleichen Sprüche, die gleichen Drama-Geschichtchen für zwischendurch, der gleiche Personenkult.

Umso ironischer wirkt dann die Begründung Maschmeyers, warum er den Kandidaten, der Eiswürfel in Diamantenform erfunden haben will, rauswirft. Weil es solche oder ähnliche Diamanteiswürfel bereits von anderen Herstellern geben soll, entlässt Maschmeyer den Gründer mit den Worten: "Das ist für mich Nachahmung. Das ist kein Andersmachen, das ist Nachmachen."