• "Vikings", "Babylon Berlin" oder "Jack Ryan": Lenn Kudrjawizki gehört zu den vielseitigsten Darstellern Deutschlands.
  • An zwei Donnerstagen in Folge (27.01. und 03.02. jeweils ab 20.15 Uhr in der ARD) ist er zudem wieder als Kommissar Emil Perica im "Kroatien-Krimi" im Einsatz.
  • Im Interview mit unserer Redaktion gewährt der 46-Jährige Einblicke in die Dreharbeiten und spricht über seine Begegnungen mit Hollywoodstar Kevin Costner.
Ein Interview

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Herr Kudrjawizki, man kennt Sie aus dem "Kroatien-Krimi" und anderen Erfolgsserien wie "Vikings", "Babylon Berlin" oder "Jack Ryan": Würden Sie mir widersprechen, wenn ich Sie als einen der begehrtesten Schauspieler unseres Landes bezeichne?

Lenn Kudrjawizki: Zunächst einmal danke ich für diese Einordnung, wenngleich ich darauf verweisen muss, dass wir aktuell über viele großartige Talente verfügen. Ich persönlich bin jedenfalls sehr dankbar, dass ich mit wunderbaren Kolleg*innen so tolle Projekte machen darf. Mein Eindruck ist, dass sie alle denselben positiven "Lebensvibe" mitbringen wie ich. "Vikings" zum Beispiel: Das ist eine grüne Produktion, bei der sich alle Beteiligten einen Kopf darüber machen, welcher Fußabdruck hinterlassen wird.

Wie äußert sich das konkret?

Es wird zum Beispiel nicht toleriert, wenn jemand respektlos mit einer Person umgeht – ob es Schauspieler sind oder andere Teammitglieder. Oder "Babylon Berlin": Diese Serie zeigt in Form einer Mischung aus einem Krimi und einer Geschichtsaufarbeitung ganz klar auf, dass wir diese Zeiten nie wieder erleben wollen.

Diesen und nächsten Donnerstag werden in der ARD neue Folgen des "Kroatien-Kimis" ausgestrahlt – erst "Tod im roten Kleid", dann "Vor Mitternacht". Vor allem der erste Film ist nichts für schwache Nerven, oder? Jemand zertrümmert die Körper seiner Opfer und friert die Leichen ein …

Krimis sind ja in der Regel nie etwas für schwache Nerven. Der "Kroatien-Krimi" wiederum lebt von der wunderschönen Landschaft – sozusagen ein positives Sonnenelement als Gegenpol, um die schwachen Nerven zu beruhigen. Unseren tollen Autoren, federführend Christoph Darnstädt, gelingt es immer wieder hervorragend, die Politik, die Gesellschaft und die Traditionen Kroatien mit einfließen zu lassen. Auch gesellschaftskritische Themen, etwa Homophobie, finden in diesen Krimis statt. Die Message dahinter: Jeder wird so akzeptiert, wie er ist, und jeder darf sich auf die Suche nach seiner Persönlichkeit, seiner Sexualität begeben.

Neben dem "Kroatien-Krimi" zeigt die ARD unter anderem auch den "Zürich-Krimi" und den "Lissabon-Krimi". Das Konzept klingt ein bisschen nach "Tatort" 2.0 …

Ich würde sogar noch einen Schritt weiter gehen. Es sind europäische Krimis, denn der Sendeplatz am Donnerstagabend entführt die Zuschauer*innen in verschiedene Länder. Das spiegelt den Zeitgeist wider – auch meinen persönlichen, denn ich bin ein großer Verfechter Europas. Ich liebe den Gedanken des Zusammenwachsens sowie des Austausches von Kulturen und Wissen.

Sie erblickten in Leningrad das Licht der Welt. Welchen Bezug haben Sie zu Kroatien?

Da ich mit der russischen Sprache und der Mentalität aufgewachsen bin, fühle ich mich in osteuropäischen Gefilden von Haus aus recht wohl. Es gibt also viele Schnittstellen. Als ich erstmals in Kroatien drehte, stellte ich fest, wie nah ich dieser Kultur wirklich bin – ich bin sehr schnell angekommen.

Ein zweites Zuhause sozusagen?

Inzwischen kann man das so sagen, ja. Als Kroatien 2019 zum ersten Mal von einem schweren Erdbeben erschüttert wurde, war mein erster Impuls, mich nach dem Befinden meines Teams vor Ort zu erkundigen. Ich wollte unbedingt helfen, woraus auch meine UNICEF-Initiative "Antritt mit Herz" entstand. Wir verbringen zweieinhalb bis drei Monate in Kroatien. Das ist eine wahnsinnig lange Zeit, in der man nicht zu Hause sein kann. Würde man keine Verbindung zu dem Land, in dem man arbeitet, aufbauen, wäre man in der Fremde. Und das bin nicht ich, weil ich mich für Menschen interessiere und immer irgendwo andocken möchte. Vielleicht bin ich aus diesem Grund auch Schauspieler geworden.

Gibt es inzwischen zu viele Krimis? Bereitet Ihnen diese Entwicklung Sorge?

Sorge oder Angst vor etwas, das man nicht aufhalten kann, halte ich für verschwendete Energie. Wenn die Krimis gut und mit Gefühl gemacht sind, dann soll es so sein. Es ist wichtig, dass es nicht nur um Leichen und Tod, sondern in erster Linie um zwischenmenschliche Gefühle und Schicksale geht. Inhalte bereinigen sich selber.

Sie sind in der finalen "Vikings"-Staffel auf Amazon Prime ebenso zu sehen wie in der Netflix-Serie "Unorthodox". Sehen Sie keinen Widerspruch zwischen "Team TV" und "Team Streaming"?

Nein, denn meiner Ansicht nach sollten immer die Inhalte maßgebend sein. Meine Motivation als Schauspieler sind die Inhalte. Ob beim Streamer, im TV oder im Kino spielt dabei keine Rolle. Die Sehgewohnheiten und die Technologien verändern sich. Es macht keinen Sinn, gegen den Fortschritt anzukämpfen. Vielmehr sollte man diese Möglichkeiten in bestem Sinne nutzen. Und das wird mit Blick auf den Großteil der Produktionen von Amazon Prime über Netflix bis hin zu Sky ausgezeichnet umgesetzt. Die Qualität ist schon sehr hoch.

Wird die hohe Qualität der deutschen Produktionen im Ausland wahrgenommen?

Absolut. Man kann beobachten, dass immer mehr Streamer aus Deutschland auch in anderen Kulturen auf Interesse stoßen. Das ist eine Form der Kommunikation. Und je mehr wir miteinander kommunizieren, umso mehr finden wir zueinander.

Wie gut sind wir wirklich? Besteht noch Nachholbedarf, wenn wir unseren Blick in Richtung US-amerikanisches Filmbusiness schweifen lassen? In Sachen Budget kann man mit der "Traumfabrik" Hollywood nicht mithalten ...

Mein Eindruck ist ganz klar: Alle kochen nur mit Wasser. In dem Moment, wo Filmemacher mit Leib und Seele sowie einem Handwerk dahinterstecken, ist das Budget im Grunde genommen egal. Vielleicht ermöglicht es eine noch bessere Visualisierung oder Erzählweise. Historische Stoffe benötigen von Haus aus ein höheres Budget, beim "Kroatien-Krimi" verhält es sich anders. Hier stehen die Charaktere im Vordergrund, während für "Vikings" oder "Babylon Berlin" – übrigens eine deutsche Produktion – besondere Kostüme angefertigt und Kulissen für große Schlachten gebaut werden müssen.

Apropos Hollywood: Sie standen mit Kevin Costner für "Jack Ryan" vor der Kamera, die neue Staffel wurde bereits abgedreht. Wie gut haben Sie ihn kennengelernt?

Am Set gibt es eine Menge Wartezeit, sodass ich ihn tatsächlich näher kennenlernen durfte – zumal ich einen CIA-Agenten, der sein Assistent war, gespielt habe. Wir stellten dann schnell fest, dass wir eine Leidenschaft teilen: die Musik. Meine Geige ist immer mit dabei, und er hat seine Gitarre immer mit im Gepäck. So habe ich dann gemeinsam mit Kevin Costner gejammt – in seinem Trailer. Auch über die Musik hinaus tauschten wir uns aus. Er kam in großen Vertrauensmomenten zu mir und fragte mich, was man in der einen oder anderen Szene noch besser machen könnte.

Ist Kevin Costner also ein Mensch wie du und ich?

Definitiv. In diesen Momenten habe ich gemerkt, welch ein toller, warmherziger Mensch er ist. Er ist sich nicht zu fein, um einen jüngeren Kollegen um Rat zu fragen – weil man sich respektiert und auf Augenhöhe begegnet. Wäre das überall auf der ganzen Welt so, hätten wir einen großen Schritt gemacht.

Sind das auch die Grundpfeiler Ihrer gemeinnützigen Initiative "Antritt mit Herz"?

Gegenseitiger Respekt ist grundsätzlich das A und O. "Antritt mit Herz" verbindet Klimaschutz mit Unterstützung von Kindern. Wenn wir das Klima schützen, dann schützen wir unsere Kinder. Für mich geht das Hand in Hand. Ich möchte das vorleben und habe daher auch das Projekt klimaneutral-jetzt.de gegründet, mit dem wir die Menschen für das klimaneutrale Leben und Reisen sensibilisieren wollen. Zum Beispiel bin ich mit dem Fahrrad von Berlin nach Split gefahren, um zu zeigen, dass man klimaneutral zu seinem Arbeitsplatz anreisen kann – mit einem kleinen Augenzwinkern und eben nicht belehrend. Dieses Engagement beschäftigt mich das gesamte Jahr über.

Nimmt man die vielen Drehs noch hinzu, haben Sie kaum eine ruhige Minute. Welches wäre für Sie der nächste berufliche Schritt? "Tatort"-Kommissar? Hollywood?

Ach, ich empfinde meinen "Kroatien-Krimi" nicht weniger wertvoll als einen "Tatort". Zudem habe ich gerade einen französischen Film abgedreht, der sich mit dem wichtigen Thema Frauenrechte auseinandersetzt.

Sie sind demnach wunschlos glücklich?

Vielleicht mit einer Ausnahme: Ich habe den ganz großen Wunsch, dass wir als Gesellschaft wieder zusammenfinden. Wir müssen miteinander kommunizieren. Gemeinsam sind wir viel stärker und können mehr erreichen, als wenn wir uns auseinanderdividieren. Die aktuelle Spaltung der Gesellschaft tut mir sehr weh.

Ernst Stankovski

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