In den Sommerloch-Zeiten haben bei den TV-Sendern die Mitarbeiter aus dem Archiv offenbar Urlaubssperre. Mit "Die besten TV-Streiche by ProSieben" zeigte der Münchner Sender gestern Abend jedenfalls, wie man mit einem Stapel alter Fernseh-Streiche einen ganzen Samstagabend füllen kann.

Früher war bekanntlich alles besser. Da war man auch bei den TV-Sendern noch ehrlicher. Da machte man abends einfach irgendwann Schluss, wenn das Programm nicht für einen ganzen Tag reichte. Da gab es dann irgendwann nachts das Testbild, später dann die schönsten Bahnstrecken. Heute, 2016, hat man andere Lösungen, wenn am Ende des Programms noch zu viel Tag übrig ist. Da sendet man gerne einmal die x-te Wiederholung von "The Big Bang Theory" oder "How I Met Your Mother". Amerikanische Comedy geht immer - alte Fernsehmacherweisheit.

Oder aber man schmeißt eine dieser "Die besten ..."-Sendungen ins Programm. Dafür braucht es eigentlich nur einen Moderator und ein kleines Studio, Thema ist egal: Die lustigsten Web-Videos, die irrsten TV-Pannen oder die süßesten Tierbabys - aus irgendwas lässt sich immer eine Rangliste machen. Da ist es dann auch wurscht, warum wer der Lustigste, Irrste oder Beste ist, Hauptsache das Programm wird irgendwie gefüllt.

"Die besten TV-Streiche": vier Stunden lang Dosenfutter

Variante Nummer drei ist die aufwendigste, suggeriert dem Zuschauer aber immerhin, dass man noch ein bisschen Interesse an ihm hat. Dafür macht man einfach eine Live-Show, in der ein leidlich lustiger Moderator vermeintliche Stars durch Wettkampf-Spielchen lotst. Damit sich der Aufwand lohnt und man sich für den Samstagabend nicht gleich zwei Sendungen ausdenken muss, wird das ganz dann gerne einmal auf vier oder mehr Stunden aufgeblasen.

Ja, so ein Fernsehtag ist lang und füllt sich nicht von alleine. Dass man die Lückenfülltaktiken nicht nur einzeln beherrscht, sondern auch in Kombination, hat gestern Abend ProSieben in Vollendung gezeigt. Unter dem Titel "Die besten TV-Streiche by ProSieben" hat der Münchner Sender die vermeintlich besten Fernsehstreiche aus seinem Archiv geholt und vier Stunden lang über die Bildschirme laufen lassen.

Da sah man dann Ausschnitte aus allen ProSieben-Sendungen, in denen jemals jemandem ein Streich gespielt wurde. Da das für ProSieben aber eine eher jüngere Disziplin ist, ist der Fundus hier recht überschaubar. Deshalb bediente man sich ausschließlich aus "Prankenstein" mit Lena Gercke, aus Palina Rojinskis "The Big Surprise" und aus all dem TV-Wahnsinn, mit denen sich Joko und Klaas so gegenseitig ärgern.

Wenn Schmalhans Programmdirektor ist

Also glaubte Joko Winterscheidt mal wieder, er würde aus einem Hubschrauber stürzen, Thore Schölermann wurde erneut vorgetäuscht, ein Stalker würde ihm nachstellen und eine junge Frau musste schon wieder eine Nacht in einer vermeintlich ehemaligen psychiatrischen Klinik verbringen, damit ihre beste Freundin einen neuen Fernseher gewinnt. Das kann man auch in der Wiederholung lustig finden oder krass oder auch krass lustig – Spar-TV bleibt es trotzdem.

Nun kann man es den Sendern nicht übel nehmen, dass sie in der Urlaubszeit die Ansprüche ans eigene Programm ein bisschen runterschrauben und Fernsehen für den kleinen Geldbeutel machen. Aber für alle, die Fernsehen lieben, ist eine Sendung, bei der alte TV-Streiche vier Stunden lang nochmal aufgebacken werden, dann doch ein bisschen dünn. Zumal wir hier nicht von einem lumpigen Sonntagmorgen sprechen, wo gerne einmal TV-Reste versendet werden, sondern von einem Samstagabend, der eigentlichen Königsdisziplin für Fernsehmacher.

Dass das Sommerloch mit diesem Konserven-Fernsehabend aber noch lange nicht vorbei ist, zeigt ProSieben gleich am heutigen Sonntag. Um 20.15 Uhr senden die Münchner mal wieder den zweiten Teil von den "Transformers". Da erscheinen so alte TV-Streiche plötzlich gar nicht mehr so schlecht, was?