Im Streit um das neue Heizungsgesetz wird immer wieder Heizen mit Holz als Alternative ins Spiel gebracht. Dabei warnen Umweltverbände vehement davor. Wie klimafreundlich sind Holzheizungen also? Und welche Unterschiede gibt es bei den Empfehlungen von Regierung, Umweltverbänden und EU?

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Insbesondere die FDP spricht sich unter dem Stichwort "Technologieoffenheit" für das Heizen mit Holz aus. So sagte etwa FDP-Fraktionschef Christian Dürr im Interview mit der Neuen Osnabrücker Zeitung: "Holzschnitzel und Pellets sind erneuerbare Energiequellen, und das Heizen mit Holz muss erlaubt bleiben, auch in Neubauten."

Doch ganz so einfach ist es nicht. Denn bis sich das Holz erneuert, dauert es Jahrzehnte. Und die Frage, ob das Verbrennen von Holz nicht auch klimaschädlich ist, ignoriert Dürr.

In einem gemeinsamen Statement setzten sich Deutsche Umwelthilfe, Greenpeace, Nabu, ROBIN WOOD und WWF dafür ein, das Gebäudeenergiegesetz nicht für Holz zu öffnen. Darin heißt es: "Die wissenschaftliche Datenlage zeigt eindeutig, dass Holz nicht in Öfen landen darf, damit die Klimaziele erreicht und die Artenvielfalt geschützt werden."

Heizen mit Holz – ein echter Klimakiller?

Tatsächlich setzt die Verbrennung von Holz große Mengen CO2 frei. Denn die in Holz gespeicherte Energie ist geringer als die in Kohle oder Gas. Das bedeutet, dass beim Verbrennen von Holz bis zu doppelt so viel CO2 entsteht, um eine vergleichbare Wärmemenge zu erreichen.

Und es bleibt nicht beim CO2. Beim Verbrennen entstehen weitere gesundheitsschädliche Stoffe – vor allem Feinstaub, polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe und Stickoxide. Stoffe, die langfristige Organschäden hervorrufen können.

Nicht geklärt ist auch die Frage, wo das ganze Holz herkommt. Denn Deutschland importiert Holz in großem Stil. Allein im Jahr 2018 waren es rund 7,1 Millionen Kubikmeter Rohholz. Die langen Transportwege sorgen dabei für weitere ökologische Belastung.

Sogar das Bundesumweltministerium spricht sich auf seiner Website gegen die Holzverbrennung aus. Dort heißt es: "Heizen mit Holz ist entgegen der weit verbreiteten Meinung nicht klimaneutral." Verträglich für das Klima sei Heizen mit Holz deshalb "nur unter sehr eingeschränkten Bedingungen."

Handelt die FDP gegen die Erkenntnisse der Regierung? Ein Sprecher nimmt Stellung

Überraschenderweise findet sich diese Erkenntnis im aktuellen Entwurf für das Gebäudeenergiegesetz nicht wieder. Im Gegenteil. Waren im ursprünglichen Kabinettsentwurf noch strenge Auflagen für Holz- und Pelletheizungen vorgesehen, ist nun von "technologieoffener" Förderung die Rede. Mutmaßlich auf Druck der FDP. Stellt sich die Partei also bewusst gegen Erkenntnisse der eigenen Regierung?

Welchen Fehler Robert Habeck beim Heizgesetz gemacht hat

Mit dem Gebäudeenergiegesetz wollten Wirtschaftsminister Robert Habeck und die Regierung Deutschland fit für die Energiewende machen. Doch sie haben dabei einen entscheidenden Fehler gemacht - welchen, das erklärt Neurowissenschaftler Henning Beck in der neuesten Ausgabe von "Die Psychologie hinter den Schlagzeilen".

Auf Anfrage unserer Redaktion weist der FDP-Abgeordnete Daniel Föst auf EU-Regelungen hin: "Die Europäische Union klassifiziert Holz völlig zu Recht als erneuerbare Energie", so Föst.

Tatsächlich stuft die EU Holz als erneuerbare Energie ein. Ein Freifahrtschein für die EU-Mitgliedsstaaten, das Verbrennen von Holz in die Rechnung zum Erreichen ihrer Klimaziele einzubeziehen. Lediglich eine nachhaltige Kaskadennutzung wird in der EU-Richtlinie für Erneuerbare Energien (RED III) angemahnt.

Heizungsanlagen mit fester Biomasse sieht Föst nur als einen weiteren Baustein in der Defossilisierung der Wärme. Dabei verweist er auf das Immissionsschutzgesetz. "Wer gegen das Bundesimmissionsschutzgesetz verstößt, darf seine Heizung oder Feuerstelle nicht mehr betreiben."

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Wie nachhaltig ist es, Holz zu verfeuern?

Föst ist der Meinung, dass die Verfügbarkeit von Holz in Deutschland durch zunehmende Verwendung im Hochbau, den notwendigen Waldumbau und bessere Bewirtschaftung der Wälder sogar noch zunehmen werde.

Das sieht der Förster Peter Wohlleben anders. "Durch verfehlte Forstpolitik und Klimawandel sterben viele Bäume und wir verlieren große Waldflächen", warnte er in der Sendung von Markus Lanz. Bis zu 50 Prozent könnten das bereits in den nächsten Jahren sein.

Wohlleben zeigt auf, dass ein Wald viel mehr als nur Holz ist. Denn die Bäume kühlen massiv und sorgen für Wasserkreisläufe. Über Kahlschlägen bildeten sich dagegen Hitzeinseln, die sich bis zu zehn Grad mehr aufheizen. "Der Kohlenstoffspeichereffekt ist nachrangig, wenn man die Klimaleistung des Waldes sieht", sagt Wohlleben.

Noch ist Heizen mit Holz ein Nischenthema. Doch viele Hausbesitzer überlegen sich, ob Holz eine Alternative zur Gasheizung bieten könnte. Das Umweltbundesamt hat sich diesbezüglich klar positioniert – und ruft dazu auf, die Förderung von Holzheizungen noch in diesem Jahr einzustellen.

Zur Person: Daniel Föst ist bau- und wohnungspolitischer Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion.

Verwendete Quellen:

  • Interview mit Daniel Föst
  • noz.de: Fraktionschef Christian Dürr im Interview Zukunft für Gas: Wie die FDP das Heizungsgesetz noch umkrempeln will
  • Pressemitteilung Deutsche Umwelthilfe: Gemeinsames Statement von DUH, Greenpeace, NABU, Robin Wood und WWF: Mit Holz wird die Wärmewende verheizt - Gebäudeenergiegesetz nicht für Holz öffnen! (7. Juni 2023)
  • wwf.de: Wie Holzverbrennung den Klimawandel befeuert
  • statista.com: Import von Rohholz nach Deutschland in den Jahren 2003 bis 2018
  • Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz: Heizen mit Holz
  • Pressemitteilung Rat der Europäischen Union: Erneuerbare-Energien-Richtlinie: Rat und Parlament erzielen vorläufige Einigung (30. März 2023)
  • ZDF: Markus Lanz vom 26. April 2023
  • Umweltbundesamt: Holzheizungen: Schlecht für Gesundheit und Klima
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